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    Kitzingen

    Akustischer Swing und Gypsy-Jazz mit Inswingtief

    Die Gruppe Inswingtief, vier Vollblutmusiker aus der Würzburger Gegend traten am Samstag Abend in der Alten Synagoge auf. Foto: Elisabeth Versl-Waag

    "Entspannt und unverkopft" beschreiben die vier Musiker von Inswingtief ihre Art, akustischen Swing-Sound auf die Bühne zu bringen. Überzeugen konnte man sich davon am Samstagabend in der nicht ganz voll besetzten Alten Synagoge in Kitzingen. Die Volkshochschule unter der Leitung von Richard Arndt-Landbeck hatte wieder mal ein glückliches Händchen bewiesen, diesen vier Vollblutmusikern aus der Würzburger Gegend ein Forum zu bieten.

    Bis auf einen Song gibt es ausschließlich eigene Kompositionen und Arrangements, die an diesem Abend vorgestellt werden. "The next step" heißt der konsequente nächste Schritt ihres Zusammenspiels in Form einer brandneuen, zweiten CD-Aufnahme. Anleihen nimmt die Gruppe bei Django Reinhardt und Stephane Grappelli, aber auch Klezmer, Bossa Nova und Blues sind herauszuhören.

    Vor allem Spielfreude, sie nennen es Spaß an der Musik, Spaß am Spaß, springt auf das Publikum über. Vergnügliche Plaudereien zwischendurch, kleine Anekdoten zu den Stücken sorgen für allgemeine Heiterkeit. So erfährt man die Geschichte zum "Walz for a sausage", den Würstchen, die in ein Glas "reingepfercht" sind – eine befreiend-fröhliche Weise im Walzertakt. Oder Jazzgitarrist Stefan Degner erklärt, warum er sich ein Stück selbst gewidmet hat: Weil sich nämlich die Beziehung zu dem zuerst Bedachten auch nicht gebessert habe.

    "Das nächste Stück ist so schön, dass es von uns sein könnte."
    Felix Leitner, Gyps-Gitarrist

    Kennengelernt haben sich die vier beim Studium in Würzburg und sind in dieser Gruppierung seit etwa zwei Jahren unterwegs, in Clubs, auf Festivalbühnen und bei Jam-Sessions. Auch zu Anlässen wie Hochzeiten oder  Scheidungstermine könne man sie buchen, versichert Thomas Buffy. Sein Stück "Jonasch" sei seinem zweijährigen Sohn Jonas gewidmet, verrät Geiger Buffy. Spielerische Lockerheit zeigt sich bei den nahtlosen Übergängen und überraschenden Wechseln im Rhythmus, wie orientalisch angehauchte Gypsy-Klezmer-Klänge. Mit Zwischenapplaus werden die jeweiligen Soli vom fachkundigen Publikum belohnt. "Das nächste Stück ist so schön, dass es von uns sein könnte", wird "Bernies Tune" von Berny Miller, arrangiert von Jack Montrose, von Gypsy-Gitarrist Felix Leitner angekündigt.

    Dem "Mc-B-Blues" von Kontrabassistin Sabrina Damiani liegt die Bestellung eines gewöhnlichen McDonald-Burgers zugrunde, wie auch die sanfte Weise für eine enttäuschend schlechte Pizza "Quattro formaggi". Mit bewundenswerter Leichtigkeit bearbeitet Sabrina Damiani den vermeintlich schwerfälligen Bass. Höchste Perfektion und Technik setzt ihr Spiel voraus, wie auch die dichten, reibungslosen Abläufe der vier Profimusiker.

    Ein fröhliches Duett aus Geige und Jazzgitarre erklingt zum Grillfest "Venti d'Ottobre". Damenwahl gab's bei den Walzerklängen Schostakowitschs. Und den Blues seiner Oma hat Stefan Degner im Vergleich mit einer böhmischen Schlacht-Sau und einer Bayerischen verarbeitet. Noch einmal wird die Oma zitiert beim virtuos-brillanten Gitarrensolo über die Hollerküchle.

    Der Spaßfaktor der Gruppe Inswingtief  darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass hinter allem hochgradiges Können steht. Verständlich auch, dass in der Zugabe nochmal alles ausgespielt werden wollte – was aber nach  zweieinhalb Stunden Abendprogramm etwas zu lang geraten ist.

    Bearbeitet von Elisabeth Versl-Waag

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