• aktualisiert:

    NENZENHEIM / MARKT EINERSHEIM

    Alter Kindergarten bald Domizil für Senioren

    Fast 100 Mitglieder des Diakonievereins Markt Einersheim stellten die Weichen: Im ehemaligen Kindergarten in Markt Einersheim sollen künftig tagsüber Senioren betreut werden.
    Fast 100 Mitglieder des Diakonievereins Markt Einersheim stellten die Weichen: Im ehemaligen Kindergarten in Markt Einersheim sollen künftig tagsüber Senioren betreut werden. Foto: Susanne Himsel

    Vor vollem Haus stellte Dekan Ivo Huber am Dienstag im Feuerwehrhaus Nenzenheim Details für die geplante Tagespflegestation in Markt Einersheim vor. Die Mitglieder des Diakonievereins ergriffen die Chance: Mit großer Mehrheit stimmten sie der Einrichtung einer Tagespflegestation mit 16 Plätzen und einer Verlagerung des häuslichen Pflegedienstes von Nenzenheim nach Markt Einersheim zu.

    Möglichen Fehlbetrag trägt die Diakoniestation

    Der ehemalige Kindergarten soll für diesen Zweck für 100 000 Euro erworben und umgebaut werden. So will die Diakonie eine Betreuungslücke für Senioren schließen, damit diese länger in ihrem eigenen Zuhause wohnen können. Mit der Investition geht der Verein ein gewisses finanzielles Risiko ein: Eine Tagespflege arbeite ohne Bezuschussung nie kostendeckend, sagte Tanja Back, Geschäftsleiterin der ambulanten Altenhilfe. Ein möglicher Fehlbetrag soll über die Diakoniestation ausgeglichen werden. Ein genehmigter Plan für das Projekt sei vorhanden, Zuschüsse für den Bau zugesagt, informiert der Dekan. Das geplante Konzept mit Tagespflege und ambulantem Pflegedienst in einem Haus sei „die einzige gangbare Lösung, die allen zugute kommt.“

    „Wir brauchen kurze Absprachewege“, erklärte Tanja Back den Vorteil einer Lösung in einem Haus. Zudem wären weitere Arbeitszeitmodelle möglich, was die Diakoniestation als Arbeitgeber attraktiver macht. Und für Patienten gebe es nur einen Anlaufpunkt. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei die Verlagerung der ambulanten Pflege zwingend notwendig. Die Pflegedienstleiterin und das Hauswirtschaftspersonal könne in beiden Geschäftsbereichen eingesetzt werden. Das spare Personalkosten, aber: „Die Pflegedienstleitung muss vor Ort sein bei Tagespflege und Diakoniestation,“ um überhaupt eine Zulassung zu bekommen.

    Die Gemeinde unterstützt das Projekt der Diakonie

    Herbert Volkamer, Bürgermeister von Markt Einersheim, begrüßte die Einrichtung einer Tagespflege. Die Stadt selbst sei nicht besonders finanzstark, müsse derzeit auch das Freibad sanieren. Für Senioren sieht er Nachholbedarf. „Wenn die Diakonie das für uns machen will, unterstützen wir das. Zur Finanzierung des Vorhabens wird die Gemeinde 400 000 Euro beisteuern. Die Diakonie selbst stecke ihr ganzes Geld in das auf knapp 1,4 Millionen Euro teure Projekt und übernimmt damit auch unternehmerisches Risiko, wie der Dekan zugibt. Für einen weiteren Zuschuss über 300 000 Euro durch die Fernsehlotterie muss der Antrag bis Ende August fertig sein – daher nun die entscheidende Abstimmung. Baubeginn ist für Anfang 2018 geplant.

    Derzeit ist die Diakoniestation in Nenzenheim in den Kirchengaden untergebracht. Vor 23 Jahren hatten Einwohner des Ortes diese in mühevoller Eigenleistung und mithilfe von gesammelten Spenden in Höhe von damals rund 100 000 Mark hergerichtet, um für die zuvor in Markt Einersheim angesiedelte und dann heimatlos gewordene Pflegestation eine Unterkunft bereitzustellen. Unmut machte sich daher bei den Beteiligten von damals breit, dass die Pflegestation nicht weiter in Nenzenheim betrieben werden soll. Friedrich Angene, der den Ausbau damals organisierte, rief deshalb im Amtsblatt dazu auf, zahlreich zu der Sitzung zu erscheinen, um den Umzug zu verhindern. „Da wird ohne Not eine bekannte und intakte Struktur zerstört“, befürchtet der rührige Nenzenheimer und beklagt, dass die Dörfer so nach und nach ausbluten.

    Ivo Huber: Es wurden viele Gespräche geführt

    Dem Vorwurf, man habe die Beteiligten, etwa den Nenzenheimer Kirchenvorstand, nicht informiert, widersprach der Dekan: In einer Sitzung des Vereins im Februar habe man die Mitglieder bereits über das Vorhaben informiert, man habe viele Gespräche geführt. „Wir haben es transparent gemacht, es stand in der Zeitung. Mehr geht nicht“, meinte Huber. Dabei sei nicht von Anfang an geplant gewesen, die Diakoniestation aus Nenzenheim zu verlagern. Er habe Verständnis, dass die Verlagerung der Diakoniestation für manche schmerzhaft sei, doch „weil wir eine kleine Diakoniestation sind, funktioniert es nur zusammen.“

    Das Raumprogramm der Station

    Diakoniestation und Tagespflege werden im ehemaligen Kindergarten in Markt Einersheim untergebracht, verbunden über einen zentralen Eingang. Im Bereich der Tagespflege werden sämtliche Räume über einen zentralen Therapieraum erschlossen: behindertengerechte Sanitärräume, ein Ruheraum für Gäste, ein zweiter Therapieraum, der variabel abtrennbar sein wird, außerdem Umkleiden und ein Aufenthaltsraum für das Personal, eine Küche sowie eine Terrasse, von der aus es in den Garten weitergeht. In der Diakoniestation wird ein offenes Personalbüro, ein Büroraum, Personalumkleiden, ein Gäste-WC und das Büro für die Leitung der Einrichtung untergebracht. Die darüber liegende Wohnung wird vermietet.
    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Kitzingen-Newsletter!

    shi

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!