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    Münsterschwarzach

    Astronom im Mönchsgewand: Der Blick ins All führt ihn zu Gott

    Pater Christoph lebt im Kloster Münsterschwarzach, weil er die Grenze zwischen Astronomie und Theologie sucht. Als Astronom schaut er am liebsten ganz tief ins All hinein.
    Pater Christoph am Teleskop. Der im Hintergrund zu sehende Sternenhimmel ist in das Foto montiert worden.
    Pater Christoph am Teleskop. Der im Hintergrund zu sehende Sternenhimmel ist in das Foto montiert worden. Foto: Martin Leissl/Pater Christoph

    Wer sich bei Pater Christoph in dessen Büro umschaut, erspäht zwischen all den Bücherstapeln einen Computer, ein Smartphone und ein Doppelfernrohr. Der Pater scheint der Wissenschaft und Technik gegenüber aufgeschlossen zu sein. Schon während seines Studiums der Elektrotechnik hat er sich dafür entschieden, in Münsterschwarzach Mönch zu werden. Ihn hat es fasziniert, dass die Abtei der Wissenschaft gegenüber genauso aufgeschlossen ist wie er selbst.

    Jetzt hat der Benediktinermönch im Kloster das Amt des Cellerars inne. Als Wirtschaftsleiter des Klosters muss er die staatlichen Regeln beachten und als Mönch die Regeln des heiligen Benedikts. Der 54-Jährige bewegt sich aber nicht nur an der Grenze zwischen Wirtschaft und Theologie, sondern auch an der Grenze zwischen Astronomie und Glauben.

    Der Sternengucker ist ein Frühaufsteher

    Doch bleibt Pater Christoph bei seinen Aufgaben in der Abtei überhaupt Zeit für Sterne? "Der Vorteil der Astronomie ist, dass sie nachts stattfindet", sagt er. Trotzdem schauen seine Mitbrüder, allen voran der Abt, dass er genug Schlaf findet. Pater Christoph ist Frühaufsteher. Sterne beobachtet er meistens morgens um drei. Die Kamera stellt er so ein, dass sie ab 5 Uhr automatisch fotografiert. Er lässt sie während des Morgengebets laufen und schaut sich danach die Bilder an.

    Wegen der Gebetszeiten hat er sich auf die Fotografie verlagert. Dabei spezialisiert er sich auf Deep-Sky-Objekte, also auf die Objekte, die im Weltall von der Erde am weitesten entfernt sind, an der Grenze der Sichtbarkeit, fast verborgen in der Tiefe des Alls. Er fotografiert so weit in die Tiefe des Alls hinein, dass oft Kernplaneten oder Asteroiden auf den Bildern zu sehen sind. In der Wissenschaft besteht ein großes Interesse daran, die Bahnen dieser Asteroiden zu kennen. Denn daran erkennt man, ob sie irgendwann auf die Erde stürzen könnten. Deshalb schickt er seine Bilder an das Minor Planet Center in Massachusetts in den USA, das die Daten sammelt.

    Pater Christoph schaut durch das Teleskop nach Sternen im Weltall.
    Pater Christoph schaut durch das Teleskop nach Sternen im Weltall. Foto: Caroline Münch

    Aus den Fotos entsteht jährlich ein Astronomiekalender

    Mit dem Kalender möchte er seine Begeisterung für Aufnahmen aus der Tiefe des Alls mitteilen, aber auch für Objekte, die 70 000 Kilometer an der Erde vorbeischrammen – also für astronomische Verhältnisse fast zum Greifen nah. Die Größe des Weltalls erschreckt ihn nicht, denn für ihn es ist alles die Schöpfung Gottes. Wenn er die Weite des Weltalls sieht, kann er seine Alltagsprobleme vergessen und tritt in Kontakt mit Gott. Für manche Kalenderbilder braucht er 20 Stunden, einschließlich Belichtungs- und Bearbeitungszeit. Ist es eine klare Nacht und das Objekt steht still, kann die Aufnahme auch in fünf Minuten entstehen. Das Spannendste, was Pater Christoph in einer klaren Nacht gesehen hat, waren die deutlichen Strukturen des Oreo-Nebels.

    Brücke zum Glauben schlagen

    Dem Mönch ist es wichtig, dass die Theologie widerspruchsfrei ist. "Wenn die Theologie etwas sagt, was den Naturwissenschaften widerspricht, dann muss die Theologie darüber nachdenken und das revidieren." Es sei eine Bereicherung, die Natur immer wieder mit ins Boot zu holen, erzählt er. "Die Astronomie zeigt mir, dass wir Gott und die Welt nicht zu klein denken dürfen." Doch die Naturwissenschaft kann ihm nicht die Welt erklären. Er beschäftigt sich gerne mit Modellen wie dem Urknall. Doch wo wir Menschen herkommen, das bleibt für ihn ein Geheimnis.

    Nach seinem Verständnis stehen naturwissenschaftliche und geistliche Bilder, wie der sogenannte Urknall und das Wort Gottes, am Anfang nebeneinander, dürfen sich aber nicht vermischen. Der Urknall könne ein Hinweis auf Gott sein, jedoch kein Beweis. Die Naturwissenschaft hilft ihm ungemein in seinem Alltagsleben, aber sie hat auch Grenzen, wenn es um menschliche Qualität, Beziehungen oder Erfahrungen geht.

    Pater Christoph im Kloster
    Pater Christoph im Kloster Foto: Caroline Münch

    Der eigenen Wahrnehmung trauen: Kurs Astronomie und Glaube

    Sein Verständnis von Religion und Wissenschaft bringt Pater Christoph auch anderen Menschen näher, etwa in einem Kurs, der sich mit Astronomie und Glauben beschäftigt. Teilnehmer Hans Göb berichtet: "In dem Kurs hat Pater Christoph uns verständlich, informativ und mit viel Power in die Astronomie eingeführt, auch über den Tellerrand herausgeschaut und das in Beziehung zur gesamten Schöpfung gestellt." Ziel des Kurses ist es, dass die Teilnehmer durch Vorträge, Fotografien und eigene Zeichnungen die Weite des Weltalls selbst erfahren und wahrnehmen. Am ersten Abend schauten sie mit Pater Christoph gemeinsam in die Sterne.

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