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    Kitzingen

    Aus dem Gericht: Wenn Nachbarn Beweisfotos liefern

    Wer solche Nachbarn hat, braucht keine Feinde: Vor dem Kitzinger Gericht ging es um eine Fahrt ohne Fahrerlaubnis – aber nicht nur.
    Über eine Fahrt ohne Erlaubnis mussten in Kitzingen entschieden werden. Foto: Oliver Berg

    Es waren keine 20 Meter, die ein 60-Jähriger auf einem Parkplatz in Kitzingen zurückgelegt hat. Dennoch hat er dafür eine dreimonatige Freiheitsstrafe kassiert. Das lag an der fehlenden Fahrerlaubnis, an einschlägigen Vorstrafen und an Nachbarn. Die hatten die Fahrt nicht nur beobachtet, sondern auch mit Fotos dokumentiert.

    Damit war er dran. Aber nicht nur er. Neben ihm auf der Anklagebank saß seine sieben Jahre ältere Lebensgefährtin. Die hatte ihn auf die kurze Reise geschickt und muss wegen der vorsätzlichen Anordnung des Fahrens ohne Fahrerlaubnis 800 Euro zahlen.

    Überwachung gehört zum Alltag

    "Schatz, hol‘ doch das Auto", soll die leicht gehbehinderte 67-Jährige zu ihrem Partner gesagt haben. Der machte das, fuhr das Auto etwa 20 Meter vom Parkplatz vor dem Wohnblock an den Straßenrand. Dann fuhr die Frau weiter. Eigentlich keine große Sache, die kaum einen interessieren dürfte. Das gilt aber nicht in einem in Kitzingen eher unbeliebten Wohngebiet, dessen Bewohner regelmäßig vor Gericht auftauchen. Ein Grund: Die Überwachung von Nachbarn scheint da zum Alltag zu gehören, Anzeigen inklusive.

    Wie im Juli 2019. Da saßen zwei Nachbarn beim Kaffee, als sie die Aufforderung an den Schatz mitbekommen haben. Die beiden wussten, dass der Mann keine Fahrerlaubnis hatte. Das Handy war schnell gezückt, die kurze Fahrt mit einer kleinen Fotoserie dokumentiert. Ein paar Tage später war die Anzeige bei der Polizei und brachte die beiden auf die Anklagebank.

    Dort wollten die aber nichts von den Vorwürfen wissen. "Er ist nicht gefahren", sagte die Frau und ihr Lebensgefährte bestätigte das: "Die Zeugen lügen." Dann gab es kurze Einblicke in ein eher schwieriges Zusammenleben in dem Wohngebiet. "Ich weiß nicht, was der gegen mich hat", sagte sie über den Nachbarn. "Das ist Rache und der pure Neid" vermutete die Frau, ohne auf die Hintergründe einzugehen. Ihr Partner sprach von einer alten Geschichte und davon, dass er bedroht worden sei.

    Erdrückende Beweislast

    Als die beiden Nachbarn ihre Zeugenaussagen gemacht und einer die Fotos vorgelegt hatte, stand für die Staatsanwältin fest: Die Verhandlung hat den Sachverhalt und den Tatvorwurf bestätigt. Mit Blick auf vier Vorstrafen des Mannes, darunter zwei Fahrten ohne Fahrerlaubnis, forderte sie drei Monate Freiheitsstrafe. Auch weil bisher Geldstrafen keinerlei Wirkung gezeigt haben. Für die Frau kam sie auf 800 Euro, 40 Tagessätze zu 20 Euro.

    Auch der Pflichtverteidiger sprach von einer "erdrückenden Beweislast". Er hielt aber im Blick auf die sehr kurze Fahrt, bei der niemand gefährdet wurde, eine den schmalen Geldbeuteln der Angeklagten angepasste Geldstrafe für ausreichend. Strafrichterin Patricia Finkenberger lag am Ende auf der Linie der Staatsanwaltschaft. "Wir haben die Fotos und die detailreichen Beschreibungen der Zeugen", sagte sie. Zweifel an den Aussagen habe sie keine, deshalb: drei Monate, Bewährung und 600 Euro als Auflage für den Mann und 800 Euro für die Frau.

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