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    Volkach

    Außergewöhnliches Duo: Herr Schmitt und sein Papagei

    Eine sehr skeptische junge Dame betrachtet die Gelbstirnamazone auf der Schulter von Horst Schmitt in Volkach. Foto: Guido Chuleck

    Vor lauter Staunen merken die Kinder gar nicht, dass das Eis über ihre Finger auf den Boden tropft. Auch die Eltern schauen wie gefesselt auf Joschi, die auf der Schulter von Horst Schmitt (69) sitzt und mal liebevoll an seinem Ohr knabbert, dann an seinem Hemdkragen rumzupft. Mehr und mehr Leute bleiben vor der Eisdiele in der Volkacher Altstadt stehen, staunen über Joschi und überschütten Schmitt mit Fragen.

    Nein, nach dem Finger schnappt Joschi nun wirklich nicht. Dafür wagt sich das kleine Mädchen sehr mutig recht nah an Joschi heran. Foto: Guido Chuleck

    Horst Schmitt antwortet geduldig. Nein, Joschi fliegt nicht weg, weil die Gelbstirnamazone nie fliegen gelernt hat. Und ja, die Papageiendame ist kinderlieb und freut sich über Zuwendung. Beim Blick auf den imposanten Schnabel aber trauen sich auch die mutigsten Kinder nicht, Joschi zu streicheln. Wirklich Angst muss aber niemand vor der Papageiendame haben. Sie ist es gewohnt, auf der Schulter von Frührentner Horst Schmitt in der Stadt unterwegs zu sein. Nicht nur bei Spaziergängen in der Altstadt oder am Main, sondern auch ins Bürgerbüro im Einwohnermeldeamt.

    Herr Schmitt spaziert mit seinem Papagei regelmäßig durch Volkach. Foto: Guido Chuleck

    Der Vorbesitzer hatte mit Joschi seine Probleme

    Mit vollem Namen heißt die Papageiendame Joschi Papagena Vögele. Die Gelbstirnamazone ist 27 Jahre alt und lebt seit neun Jahren bei Horst Schmitt, weil der frühere Besitzer Hans Kürnberger aus Kitzingen gestorben war und dessen Ehefrau nicht mit Joschi oder, wie sie ihr Vorbesitzer genannt hatte, Jockele klar gekommen ist. Horst Schmitt nahm den Vogel auf in seine damalige Wohnung in Eichfeld. Joschi zog mit Schmitt noch ein- oder zweimal um, bis der Vogel mit Horst Schmitt und dessen zweiter Ehefrau Tsering Wangmo Schmitt in Volkach ihre wohl endgültige Bleibe gefunden haben.

    Herr Schmitt mit seiner Gelbstirnamazone auf der Schulter. Foto: Guido Chuleck

    Allein schon der berufliche Weg Horst Schmitts mit an die 40 (in Worten: vierzig) Umzügen würde diesen Bericht sprengen. Den Berufsfotografen, der während der Lehre freier Mitarbeiter des Schweinfurter Tagblatts war, verschlug von seinem Geburtsort Üchtelhausen quer durch Nord- und Westdeutschland über die Schweiz und die Niederlande in die USA, und von dort aus zurück nach Frankfurt und letztlich nach Sommerach.

    Einmal kraulen, bitte. Foto: Guido Chuleck
    Die Gelbstirnamazone marschiert vorsichtig auf dem Bein von Horst Schmitt. Foto: Guido Chuleck

    Nach weiteren Umzügen in Landkreis Kitzingen landete er letztlich in der Altstadt Volkach, wo er mit seiner zweiten Frau und dem Papagei Joschi am Gänseplatz wohnt. Zuletzt war Horst Schmitt Marketingmanager einer Agentur, und im Jahr 2008 rissen ihn ein Schlaganfall und ein Herzinfarkt aus dem beruflichen Leben. "Nach der Reha eröffneten mir die Ärzte, dass ich arbeitsunfähig sei, und seitdem bin ich in Rente", erzählt Horst Schmitt. Seine Frau Tsering Wangmo Schmitt stammt aus Tibet. Geheiratet haben die beiden in Indien.

     

     

    Der Papagei stammt aus einer Erbmasse

    Dass ein erfülltes Berufsleben in der Rente regelrecht nach einer Aufgabe schreit, versteht sich von selbst. Deshalb hatten er und seine Frau sich um eine junge Frau aus der Elfenbeinküste gekümmert, die Tsering Wangmo Schmitt während eines Sprachkurses in Schweinfurt kennengelernt hatte. Und hier schließt sich ein Kreis: Der Ehemann der jungen Frau von der Elfenbeinküste war Hans Kürnberger, ein ehemaliger Arbeitskollege von Horst Schmitt. Beide waren eine Zeitlang beim selben Arbeitgeber beschäftigt, in verschiedenen Arbeitsbereichen, und sie hatten sich angefreundet. Leider blieb den beiden nicht viel Zeit, denn Hans Kürnberger starb im Jahr 2005 an Krebs. Aus seiner Erbmasse hatte Schmitt den Papagei übernommen, den sein Vorbesitzer aus dem Ei großgezogen hatte.

    Bei ihrem Vorbesitzer musste die Amazone in einem winzig kleinen Käfig leben und lernte nie das Fliegen. "Als ich sie bekommen habe, war sie völlig apathisch, mit eingefallenem Gefieder und fast schon grau", schildert Horst Schmitt. Kurzerhand setzte er sie im Garten in einen Baum, "und da ist sie glücklich den ganzen Tag lang rauf- und runtergeklettert, auch bei Regen".

    Obwohl der junge Mann auf Papas Arm sicher ist, ist er sich doch nicht so sicher, ob er den Papagei auf der der Schulter von Horst Schmitt streicheln darf. Foto: Guido Chuleck

    Frauen und Mädchen beschimpft Joschi

    Im Haus wohnt Joschi in einem geräumigen Käfig mit offener Klappe. Sie ist freundlich und zugänglich, wobei sie allerdings mehr auf das männliche Geschlecht fixiert ist. Frauen und Mädchen werden gerne mal beschimpft oder, wie Tsering Wangmo Schmitt, auch schon mal gebissen. Zu Kindern ist sie grundsätzlich eher freundlich. Mit den Touristen in der Volkacher Altstadt hält sie gern ein Pläuschchen, "und sobald sie piepsige Kinderstimmen hört, ahmt sie die gleich nach", sagt ihr Besitzer.

    Nein, die Marionette mag ich nicht ... Gelbstirnamazone auf der Schulter von Horst Schmitt Volkach. Foto: Guido Chuleck

    Apropos nachahmen: Gern tanzt und pfeift sie mit Papageno in der "Zauberflöte" und mit Jethro Tull bei "Locomotive Breath". Beim Fototermin hingegen übte sie sich in vornehmer Zurückhaltung.

    Die hat sie allerdings neulich während eines Spaziergangs am Main vermissen lassen. Normalerweise hat sie Angst vor großen Hunden, doch als ihr ein winzig kleiner Hund entgegenkam, plusterte sie sich auf, bedachte ihn mit einem nicht druckreifen Schimpfwort "und hat dann wie wild gelacht".

    Gelbstirnamazone
    Papageien dieser Art kommen tagsüber kaum über Zimmerlautstärke hinaus, drehen aber zweimal täglich so richtig auf. Ansonsten beschäftigen sie sich gerne mit diversem Spielzeug oder Bauklötzen. Gelbstirnamazonen baden sehr gern oder lassen sich beregnen. Ihre Heimat ist der  tropischer Regenwald.
    Sie können handzahm werden und das Sprechen lernen, wobei man beachten muss, dass sie nicht ganz so sprachbegabt sind wie zum Beispiel Graupapageien und es daher länger dauern kann. Veränderungen und fremde, größere Gegenstände werden argwöhnisch beobachtet und gemieden. Es kann teilweise Tage dauern, bis sie angenommen werden. (Quelle: www.papageienfreunde.com)
    Na, welches Lied sollen wir uns raussuchen, damit du ein wenig tanzen kannst? Die Gelbstirnamazone Joschi sitzt auf der Schulter von Horst Schmitt Volkach. Foto: Guido Chuleck

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