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    Kitzingen

    Betrug im Internet: Junger Mann kassiert Jugendstrafe

    Weil er Handy verkaufte, die es gar nicht gab, bekam ein junger Mann eine Jugendstrafe vom Schöffengericht Kitzingen. Foto: dpa/Andrea Warnecke

    Die bösen Nachbarn sollen es gewesen sein oder der unbekannte Dritte. Der 21-Jährige wollte mit Bestellungen und nicht bezahlten Verkäufen im Internet jedenfalls nichts zu tun haben. Hat er aber, sagte das Kitzinger Jugendschöffengericht und verurteilte den zur Tatzeit Heranwachsenden wegen erheblicher Reifedefizite nach dem Jugendrecht wegen sechsfachen "Betrugs in einem besonders schweren Fall" zu zehn Monaten Jugendstrafe – auf Bewährung.

    "Es ist schwierig." Dieser kurze Satz zog sich durch die Verhandlung. Da war der Angeklagte. Der ist 21 Jahre alt geworden, untersteht einem Betreuer. Er ist nicht geschäftsfähig. Ein Gutachten hat ihm eine Intelligenzminderung bestätigt. Was ihn nicht davon abhielt, mit viel "Aufwand, Cleverness und  krimineller Energie" sechsmal bei Ebay zuzuschlagen. "Ich habe gestaunt", sagte der Vertreter der Jugendgerichtshilfe zu dem Vorgehen des Mannes, den er seit Jahren kennt. Er sprach von einer "Splitterfähigkeit", die der junge Mann da wohl entwickelt habe.

    Smartphones für 3380 Euro angeboten

    Auf dem Internetmarktplatz hat er diese Fähigkeit eingesetzt.  Er hat Smartphones im Gesamtwert von 3380 Euro angeboten. Das Geld haben ihm die Kunden überwiesen. Ihr Handy haben sie nie gesehen. Für diese "Verkäufe" ist der junge Mann nun verurteilt worden. Weitere 30 Anklagepunkte, in denen es um Bestellungen ging, die nicht abgebucht werden konnten, hat das Gericht eingestellt. Auch wenn sich die Staatsanwaltschaft schwer tat, folgte sie der Auffassung, dass ein Nachweis in diesen Fällen nur schwer zu führen sein dürfte.

    Leicht war das auch bei den Handyverkäufen nicht. Nach einer Lehrstunde des ermittelnden Polizeibeamten in Sachen Internetverkauf, E-Mail-Adressen,  PayPal-Konten und Onlinebanken wurde deutlich: Der Angeklagte hat ein Geflecht aus zig E-Mail-Adressen und PayPal-Konten genutzt, um seine Betrügereien durchzuziehen. Auf Ebay hat er die nicht vorhandenen Handys angeboten. Der Verkauf ist über eine der E-Mail-Adressen gelaufen. Das Geld ist auf ein bei PayPal oder auf ein bei einer Onlinebank eingerichtetes Konto geflossen. So hat er es auch geschafft, die "Geschäfte" vor seinem Betreuer zu verschleiern.

    Staatsanwältin: Gelogen, bis zum bitteren Ende

    Davon wollte der Angeklagte nichts wissen. Er habe sein Handy verloren, zehnmal in diesem Jahr, sagte er und seine Kreditkarte von der Direktbank auch. Die seien dann wohl missbraucht worden, von wem auch immer. Überzeugen konnte er damit niemanden. "Sie haben gelogen bis zum bitteren Ende", sagte die Staatsanwältin. Sie stellte mit Blick auf vier einschlägige Vorstrafen "schädliche Neigungen" fest. Die Konsequenz: zehn Monate Jugendstrafe. Bewährung kam für sie nicht infrage. "Ich finde nichts auf der Habenseite", sagte sie, weder ein Geständnis, noch Einsicht oder Reue oder einen Versuch einer Wiedergutmachung.

    Auch wenn der Pflichtverteidiger "erhebliche Zweifel"  geltend machte und Freispruch beantragte, hatte sich auch für das Gericht das Puzzle zusammengefügt, an dessen Ende die Jugendstrafe stand – weil es die erste war, noch auf Bewährung. Dazu muss der Mann den Schaden von rund 3380 Euro wiedergutmachen. Die Kosten des Verfahrens und 80 Sozialstunden kommen obendrauf. Das alles muss der 21-Jährige alleine schaffen. Den unbekannten Dritten gibt es nicht.

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