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    MARKTBREIT

    Briefmarkensammler: Die Letzten ihrer Zunft

    „Darf ich Dir meine Briefmarkensammlung zeigen?“ Das war in den prüden 1950er Jahren tatsächlich mal ein Anmachspruch. Heute ist der längs wirkungslos – aber echte Briefmarkensammler gibt es immer noch.

    Wenige zwar, aber wer vom Fieber erfasst ist, den lässt es nicht so leicht los. Wie etwa in Marktbreit, wo die Briefmarkensammlergemeinschaft im September ihr 55-jähriges Vereinsbestehen feiert. Und das mit einer großen Briefmarkenausstellung im Rang 3 im Lagerhaus.

    Regelmäßige Treffen

    Sie haben ein gemeinsames Hobby, sie treffen sich regelmäßig alle 14 Tage in der Goldenen Traube, sie tauschen sich aus über Briefmarken, über Postkarten, über Briefe – eben über alles, was in Zusammenhang mit der Post steht, denn sie sind Philatelisten: die Briefmarkensammlergemeinschaft Marktbreit. Und sie sind im Landkreis die Letzten ihrer Zunft. Und sie haben mit dem 47-jährigen Stefan Mloschin einen noch recht jungen und vor allem rührigen Vorsitzenden. Andere Vereine im Umkreis haben aus Mitgliedermangel längst aufgegeben oder ihre Aktivitäten eingestellt.

    Der Nachwuchs fehlt

    Aber auch die Marktbreiter haben mit Überalterung zu kämpfen, denn Mloschin ist das zweijüngste Mitglied des Vereins, dort schon seit vielen Jahren, immerhin ist er über die einstmals bestehende Jugendgruppe zur Philatelie gekommen. Alljährlich veranstaltet die Gemeinschaft einen großen und gut besuchten Tauschtag im Lagerhaus – und wenn ein Jubiläum ansteht, dann wird das auch gefeiert. Und zwar mit einer Mabria – einer Marktbreiter Briefmarkenausstellung. „Wir wollen unser Hobby der Öffentlichkeit präsentieren“, sagt Stefan Mloschin.

    37 Sammler und viele Themen

    Viel Publikum wird sicherlich zum 55. Geburtstag am 15. und 16. September ins Lagerhaus kommen. Zur Ausstellung im Rang 3 haben sich 37 Sammler aus dem gesamten Bundesgebiet angemeldet und stellen themenbezogene Exponate aus. Da geht es etwa um die Feldpost, die Vereinten Nationen von 1948 bis 1995, um den Traum vom Fliegen, den Limes in Deutschland oder auch um Opern, von Otello bis Tristan.

    Ehrenpreise werden vergeben

    Eine vierköpfige Jury bewertet die Werke und vergibt Gold, Silber und Bronzemedaillen. Dazu kommen noch Ehrenpreise, die vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der Landtagspräsidentin Barbara Stamm, aber auch von Marktbreits Bürgermeister Erich Hegwein gestiftet sind.

    Einer der Teilnehmer der Ausstellung, Fred Weißenberger, ist auch Mitglied im Marktbreiter Verein. Der 80-jährige gebürtige Marktstefter beschäftigt sich schon seit 70 Jahren mit der Philatelie. Einen „ganzen Schrank voll“ Sammelobjekte hat er, darunter Österreich, die UNO und Bayern, da hat er sogar die allererste herausgegebene Marke, die Schwarze Einser. In den Wettbewerb geht er mit Motiven seiner Geburtsstadt: Sieben Rahmen stellt er vor mit 84 Blatt.

    Ein Brief von 1555

    Darunter ist der älteste Brief aus Marktsteft, aus dem Jahr 1555, der sich mit Pfarrangelegenheiten mit dem Nachbarort Michelfeld auseinander setzt. Rund 150 Einzelstücke sind da mit Beschreibung zu sehen, die Weißenberger in rund 30 Jahren gesammelt hat und für die er pro Stück auch schon bis zu 1500 Euro ausgegeben hat.

    Teurer Fehldruck

    Ein teures Hobby kann die Philatelie immer noch sein. Erst kürzlich, so erzählt Mloschin, wurde eine Marke aus dem Jahr 1993 für rund 150 000 Euro versteigert – ein Fehldruck der Post, der eigentlich nicht in den Umlauf kommen sollte. Und der Preis spielt bei Fragen an den Verein oft eine Rolle. Denn mehr und mehr Sammlungen werden vererbt – und da wollen die Erben eben wissen, was ihr Erbe wohl wert sein kann. „Verkaufen kann man alles, es ist halt eine Preisfrage“, so der Vereinsvorsitzende. Für gute Sammlungen gebe es auch gutes Geld.

    Eine Männerdomäne

    Auch wenn die Philatelisten immer weniger werden. Heute sind es noch rund 5200 Mitglieder in Bayern in 160 Philatelistenvereinen – vor zehn Jahren waren es noch dreimal so viele. Und es ist auch eine Männerdomäne, der Frauenanteil liegt bei etwa fünf Prozent bundesweit.

    Um diese Bilanz etwas aufzubessern und zu zeigen, was an den Hobby so interessant ist, bieten die Marktbreiter mehr als die Ausstellung. Zur Präsentation erscheint ein Ausstellungskatalog, der auch interessante philatelistische Themen anspricht. Ausführlich wird über das Wertheimer Haus am Marktbreiter Marktplatz berichtet, das heuer sein 300-jähriges Bestehen feiert. Zu diesem Jahrestag gibt es am Samstag und Sonntag eine eigene Briefmarke mit Sonderstempel und passenden Umschlägen. Für die Besucher wird zudem eine Schifffahrt auf dem Main und eine Stadtführung angeboten.

    Die Öffnungszeiten

    Die Briefmarkenausstellung Mabria '18, bei der es auch Händlerstände gibt, findet am Samstag, 15. September 2018, von 10 bis 17 Uhr und am Sonntag, 16. September, von 9 bis 17 Uhr im Marktbreiter Lagerhaus statt.

    Robert Haaß

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