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    Kitzingen

    Coronavirus: Was Mediziner und Märkte im Landkreis raten

    Die Verunsicherung ist groß: Das Coronavirus ist zwar noch nicht im Landkreis Kitzingen angekommen, beschäftigt aber trotzdem alle. Das sagen die Experten vor Ort dazu.
    Eine reine Vorsichtsmaßnahme: Das Symbolfoto zeigt eine Besucherin der Wahlarena in Gerbrunn (Lkr. Würzburg) beim Benutzen eines Desinfektionsmittels.
    Eine reine Vorsichtsmaßnahme: Das Symbolfoto zeigt eine Besucherin der Wahlarena in Gerbrunn (Lkr. Würzburg) beim Benutzen eines Desinfektionsmittels. Foto: Fabian Gebert

    Das Coronavirus beherrscht derzeit die Schlagzeilen, die Verunsicherung hat auch den Landkreis Kitzingen erreicht. Doch es gibt keinen Grund zur Panik, sagt Thilo Penzhorn, Vorstand der Klinik Kitzinger Land: "Es gab zwar Verdachtsfälle, aber bisher noch keine bestätigten Fälle." Die Vorsorgemaßnahmen bei Corona seien dieselben wie bei einem regulären Grippevirus.

    "Konkret sieht der Notfallplan für das Kitzinger Krankenhaus so aus: "Wir halten zwei Zimmer vor, um stationäre Fälle aufzunehmen." Die Devise laute aber wie bisher: "Bei Verdacht regulär an den Hausarzt wenden." Der Arzt mache entweder selbst einen Abstrich oder verständige das Gesundheitsamt, das wiederum den mobilen Fahrdienst benachrichtige. Dieser nehme dann beim Patienten zuhause eine Probe. Sollte diese positiv sein, werde der Patient informiert und danach im Normalfall häusliche Isolation verordnet.

    Mundschutz nur bei Isolationsfällen nötig

    "Nur bei anderen einhergehenden Erkrankungen wie einem schwachen Herz wird der Patient im Krankenhaus bei der Behandlung begleitet. Es gilt das Prinzip des bewussten Umgangs, aber keine Panik", verdeutlicht Thilo Penzhorn. Ein Mundschutz sei lediglich bei Isolationsfällen und Erkrankten nötig, um das Personal und umliegende Menschen zu schützen.

    Bisher herrsche überwiegend der Eindruck, dass das Coronavirus milde verlaufen werde, beruhigt auch Dr. Michael Bedö, Vorsitzender des Gesundheitsnetzes Kitzinger Land. "Die Komplikationsraten sind zwar höher als bei einer regulären Grippewelle, aber trotzdem nehmen die meisten Menschen keinen Schaden."

    "Da herrscht Führungslosigkeit."
    Dr. Michael Bedö über den Umgang mit dem Coronavirus

    Aus Sicht der Hausarztpraxen geht dennoch vieles schief. Der Vorsitzende des Gesundheitsnetzes Kitzinger Land sieht gravierende Misstände im System und kritisiert die derzeitige Lage stark: "Die Praxen und Krankenhäuser sind bereits im Normalbetrieb zur Winterzeit ausgelastet. Das Gesundheitssystem ist an die Wand gespart und wir haben keine Reservekapazitäten."

    Es herrsche auch eine zu große Zersplitterung und große Ahnungslosigkeit im Umgang mit der Situation. "Da herrscht Führungslosigkeit. Hier erwarte ich, dass eine staatliche Organisation vorgibt: Das wird gemacht. Führungslosigkeit zu solchen Situationen ist belastend." Bedö rät dennoch: "Jetzt sollte keine Panik geschürt werden. Falls eine Krise kommt, müssen wir sie gemeinsam stemmen und die Probleme im Nachhinein diskutieren."

    Der Tipp des Mediziners lautet: zehnmal häufiger am Tag Händewaschen als sonst. "Die Gesamtzahl derer, die sich in einer Grippewelle infizieren würden, wird durch banale Maßnahmen wie ordentliche Handhygiene massiv reduziert."

    "Man sollte sich des Themas bewusst annehmen, aber vor allem besonnen reagieren und nicht in unnötige Panik verfallen."
    Bernward Unger, Apothekensprecher im Landkreis Kitzingen

    Bernward Unger, Apothekensprecher im Landkreis Kitzingen, verdeutlicht: "Zur Risikogruppe gehören in erster Linie Ältere und Menschen, die bereits eine chronische Lungenkrankheit aufweisen." Viele Fälle verliefen meist problemlos.

    "Man sollte sich des Themas bewusst annehmen, aber vor allem besonnen reagieren und nicht in unnötige Panik verfallen. In der Grippe-Zeit gilt generell: Ausreichend Händewaschen und Massenveranstaltungen meiden, wenn nicht unbedingt nötig." Damit könne man das Risiko jeglicher Virusinfektion signifikant verringern. 

    Apotheker rät von Mundschutz ab

    Und wie wirkt sich das Virus auf das Kaufverhalten im Landkreis aus? "Desinfektionsmittel sind mittlerweile aus", sagt Apotheker Berward Unger. Diese seien zwar durchaus sinnvoll, aber sie nicht zu haben, sei "kein Beinbruch". Händewaschen und eine vorsorgende Hygiene reichten im Alltag aus. Wovon der Experte abrät, ist herkömmlicher Mundschutz aus Papier. "Dieser ist unnötig und höchstens bei bereits Erkrankten nützlich, um die akute Verbreitung etwas aufzufangen." 

    Auch ein Blick in die Supermärkte des Landkreises zeigt, das Hysterie unnötig ist. Auf Anfrage dieser Redaktion teilt das Kaufland in einer Pressemitteilung mit: "Derzeit werden in einigen unserer Filialen Grundnahrungsmittel wie Nudeln und Konserven sowie Hygieneprodukte stark nachgefragt." Man sei aber durchaus auf die Nachfrage vorbereitet und eine weitere Warenversorgung damit gewährleistet.

    "Wir beruhigen die Leute und raten von Hamsterkäufen ab."
    Mitarbeiterin eines Supermarkts

    Bei Edeka wurden nach eigenen Angaben keine nennenswerten Veränderungen bemerkt. "Hygieneartikel sind zwar besonders nachgefragt, aber wir sind da gut aufgestellt", versichert ein Mitarbeiter aus dem Supermarkt.

    In einem anderen Kitzinger Markt fiel eine verstärkte Nachfrage nach Konserven und Grundnahrungsmitteln wie Nudeln und Brotbackmischungen auf. Besonders Hygieneartikel und Desinfektionsmittel seien gefragt, so eine Mitarbeiterin der Filiale. "Um einer Panik entgegenzuwirken, sprechen die Angestellten mit den Kunden. Wir beruhigen die Leute und raten von Hamsterkäufen ab. Seit Montag gibt es es zudem vor manchem Markt bereits zusätzlich angebrachte Hygienespender, um den Kunden eine Desinfektion vor und nach dem Einkaufen zu ermöglichen."

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