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    Kitzingen

    Darum fiel Wittmanns Einkaufszentrum im Stadtrat durch

    Eine ausführliche Information zu Wittmanns Projekt gab es in der Ratssitzung wieder nicht. Dafür eine lange Diskussion mit namentlicher Abstimmung. Wer war dafür, wer dagegen?
    Georg Wittmann darf die von ihm geplante 'Galerie Kitzingen' nicht in dieser Form an der Bundesstraße bauen. Der Stadtrat lehnte seinen Plan denkbar knapp ab und befürwortete nur einen Nahversorger innerhalb des neuen Wohngebiets.
    Georg Wittmann darf die von ihm geplante "Galerie Kitzingen" nicht in dieser Form an der Bundesstraße bauen. Der Stadtrat lehnte seinen Plan denkbar knapp ab und befürwortete nur einen Nahversorger innerhalb des neuen Wohngebiets. Foto: Andreas Brachs

    Die Entscheidung über Georg Wittmans Pläne, ein großes Einkaufszentrum am Kitzinger Stadteingang zu bauen, fiel denkbar knapp aus: Mit 15:14 Stimmen lehnte der Stadtrat es ab, einen Bebauungsplan aufzustellen, der als Standort die B8 neben dem neuen Wohngebiet Marshall Heights vorsah. Zugleich votierte die Mehrheit dagegen, Größe, Sortimente und Zufahrt der "Galerie Kitzingen" erst später festzulegen.

    Stattdessen einigte sich das Gremium in einer zweiten Abstimmungsrunde – ohne jede Diskussion – auf einen Alternativvorschlag der CSU-Fraktion: Er sieht vor, dass Wittmann einen reinen Nahversorger innerhalb des Wohngebiets Marshall Heights ansiedeln darf, aber nicht an der B8. Außerdem muss sich die Größe am Einzelhandelskonzept des Stadtrats von 2012 orientieren, also deutlich kleiner als von Wittmann gewünscht.

    Das Großprojekt des Investors wird gravierende Auswirkungen auf den Kitzinger Einzelhandel haben. Doch gemessen daran gab es wieder nur eine dürftige Vorlage der Verwaltung zum Thema. Eine ausführliche Information über Wittmanns Vorhaben fehlte. Oberbürgermeister Siegfried Müller (UsW) hatte auch darauf verzichtet, Wittmann als Projektträger einzuladen und ihm eine Präsentation im Stadtrat zu genehmigen. Stattdessen ließ er den Investor in der Zuschauerreihe hinter den Räten Platz nehmen und nur zwei Mal kurz zu Wort kommen. Dass der Vorsitzende des Stadtmarketingvereins, Frank Gimperlein, aus Sicht des örtlichen Einzelhandels sprechen durfte, war nur einem vorangegangenen ÖDP-Antrag zu verdanken.

    Stadtmarketing hält Galerie für überdimensioniert

    Gimperlein betonte, dass die Stadtverwaltung ihn nicht um eine Stellungnahme gebeten habe. Er bezeichnete das Einkaufszentrum als "überdimensioniert" und verwies auf den Edeka-Markt in der Wörthstraße und die Rewe-Filiale in der Siegfried-Wilke-Straße. Er bat, die wichtigen Innenstadt-Standorte zu unterstützen und für Planungssicherheit zu sorgen.

    Der Stadtrat diskutierte dann weitgehend auf Basis der aus den Fraktionsvorsitzenden-Besprechungen mit dem OB durchgedrungenen Informationen. Stadtentwicklungsreferent und Bauunternehmer Thomas Rank (CSU) berichtete aus Sitzungen seines Beirats, dass Sortiment, Größe und Zufahrt für eine endgültige Entscheidung über Wittmanns Pläne wichtig seien. Allerdings sagte Rank auch, der Beirat wolle das Bauvorhaben "nicht abwürgen". Tatsächlich stimmte Rank als einziges CSU-Mitglied für den von OB Müller vorgeschlagenen Bebauungsplan an der B8.

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    Ganz anders Ranks Fraktionsvorsitzender Andreas Moser. Er sah es kritisch, dem Bebauungsplan zuzustimmen, wenn erst nachher über Sortimente und Größe der Verkaufsflächen entschieden werde. Moser zufolge widerspricht das geplante Zentrum zudem geltenden Ansiedlungsgrundsätzen der Stadt. Es sei kein Nahversorger, sondern eine überregional bedeutsame Einkaufsgalerie. Das Vorhaben würde weitere Märkte in der Innenstadt verhindern.

    Verwaltung zieht sich auf Formalien zurück

    Rechtsdirektorin Susanne Schmöger und Bauamtsleiter Oliver Graumann beeilten sich zu betonen, dass weder juristisch noch verfahrenstechnisch mit dem von OB Müller bevorzugten Bebauungsplan Festlegungen getroffen würden. Während des Verfahrens könne man alle relevanten Punkte noch klären. Das war auch die Haltung von Manfred Marstaller (UsW): Es handele sich "nur um den Aufstellungsbeschluss".

    Astrid Glos (SPD) bemängelte die Informationspolitik der Stadtverwaltung: Eine angeforderte Stellungnahme des Einzelhandelsverbands Unterfranken liege nicht vor. Glos fürchtete auch, dass Wittmanns Projekt das einen Kilometer entfernte Märkte-Zentrum an der Siegfried-Wilke-Straße kaputt machen könnte. "Rewe und Aldi haben dort erst investiert", sagte Glos.

    Dem pflichtete Andrea Schmidt (Grüne) bei: Dieses Einkaufszentrum decke bereits den Bedarf der Einwohner in den Marshall Heights ab. Ihrer Meinung nach wäre Wittmanns "Riesen-Monstrum" der "Todesstoß für andere Märkte", was nicht nur Kunden, sondern auch dort Beschäftigte beträfe.

    Das unterstützte Jens Pauluhn (ÖDP): "Der Handel in der Innenstadt braucht Planungssicherheit. Deshalb solle sich der Stadtrat erst einigen, was er wolle und dann nicht mehr davon abweichen. Er führte gegen Wittmanns Projekt an, dass es zu einer weiteren Überversorgung Kitzingens führe und zugleich weitere Flächen versiegele.

    Wittmann sieht Stadt als "Verhinderer"

    Wittmann sagte in der ihm zugestandenen Redezeit, er habe zwei Jahre lang vergeblich versucht, innerhalb der Marshall Heights einen Markt anzusiedeln: "Es gab keine Nachfrage." Dagegen wären Edeka, Rewe und Aldi sehr am Standort an der B8 interessiert. Deren Zentralen hätten versichert, keineswegs die Filialen an der Wilke-Straße schließen zu wollen. Angesichts der Diskussion im Rat ließ Wittmann seinen Frust heraus: "Man gibt eine Menge Geld aus, versucht, etwas in Kitzingen zu entwickeln, aber man fährt damit immer vor die Wand." Die Stadt wolle vor allem "verhindern".

    Uwe Pfeiffle, wie Wittmann FW-FBW-Mitglied und Kandidat bei den Kommunalwahlen, sprang seinem politischen Weggefährten bei: Warum solle man die anderen Märkte befragen, bevor ein neuer aufmache? Pfeiffle plädierte für freie Marktwirtschaft und Wettbewerb und gegen "Protektionismus". 

    Hans Schardt (ProKT) zeichnete das für ihn realistische Zukunftsbild einer Stadt mit bis zu 40 000 Einwohnern. Der Rat müsse daher Investoren unterstützen und Kitzingen positiv gestalten. Thomas Steinruck (KIK) war überzeugt: Wir kriegen sowieso keinen Nahversorger in die Innenstadt." Uwe Hartmann (Bayernpartei) war ebenfalls für die große Lösung, damit "Familien nah einkaufen" können. Stefan Güntner (CSU) hatte noch einen konkreten Nutzungsvorschlag: im Untergeschoss einen Supermarkt, darüber eine Stadthalle.

    Investor will ab Mai neuen Anlauf wagen

    Am Tag nach der Abstimmung sagte Wittmann zur Mehrheit für den CSU-Antrag: "Ich bin sehr enttäuscht." Die Entscheidung sei für ihn ein "gewaltiger Rückschritt". Mit dem von der Mehrheit beschlossenen CSU-Antrag, kleiner und im Wohngebiet zu bauen, statt großzügig und an der B8 sei sein Projekt ad absurdum geführt. Er dankte dem OB und der Verwaltung und setzt auf einen neuen Anlauf im neuen Stadtrat ab Mai. Aufgeben will er sein Projekt jedenfalls nicht.

    Die namentliche Abstimmung im Stadtrat: Für einen Bebauungsplan, der Wittmanns Vorhaben an der B8 zum Ziel hatte, stimmten 14 Mitglieder: Oberbürgermeister Siegfried Müller, Manfred Marstaller, Rolf Ferenczy, Werner May, Manuel Müller (alle UsW), Uwe Pfeiffle, Manfred Freitag, Dietrisch Hermann (alle Fw-FBW), Thomas Steinruck, Wolfgang Popp (beide KIK), Franz Böhm, Hans Schardt (beide ProKT), Thomas Rank (CSU) und Uwe Hartmann (Bayernpartei).

    Dagegen stimmten 15 Stadträte: Andreas Moser, Stefan Güntner, Stephan Küntzer, Gertrud Schwab, Carlo Blank, Hartmut Stiller, Hiltrud Stocker (alle CSU), Astrid Glos, Klaus Heisel, Elvira Kahnt, Brigitte Endres-Paul (alle SPD), Jens Pauluhn, Bianca Tröge (beide ÖDP), Andrea Schmidt (Grüne) und Peter Lorenz (UsW). In der Sitzung fehlten Klaus Christof (KIK) und Jutta Wallrapp.

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