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    KITZINGEN

    Der Wald unter Beobachtung

    Nach der Beurteilung des Kronenzustands der Bäume werden die Ergebnisse per Hand auf Papier übertragen und später im Rechner eingegeben, Bei der Beurteilung sind sich Frank Bohla, Peter Aichmüller und Stefan Hanke (von links) in der Regel schnell einig.
    Nach der Beurteilung des Kronenzustands der Bäume werden die Ergebnisse per Hand auf Papier übertragen und später im Rechner eingegeben, Bei der Beurteilung sind sich Frank Bohla, Peter Aichmüller und Stefan Hanke (von links) in der Regel schnell einig. Foto: Sebelka
    „Das relativ feuchte Jahr war gut für den Wald.“
    Peter Aichmüller Förster in Kitzingen

    Wie steht es um den Wald? Die 1983 in Bayern eingeführte jährliche Untersuchung des Gesundheitszustands der Wälder soll das klären. Die Beobachtungen und Datenerfassung für den Waldzustandsbericht 2016 sind angelaufen, auch im Landkreis Kitzingen.

    Ergebnis im Herbst

    Am Ende der vierwöchigen Erfassung vor Ort und der mehrmonatigen Auswertung der Daten durch die Bayerische Landesanstalt für Wald und Fortwirtschaft (LWF) in Freising soll die Frage geklärt sein. Forstminister Helmut Brunner wird das Ergebnis im Herbst vor- und ins Internet stellen. Dann seht fest, wie es um die im Süden besonders interessierenden Fichten, Kiefern und Tannen und die in Franken wichtigen Buchen und Eichen steht. In diesem Jahr kommt die spannende Frage dazu, wie die Bäume das trockenen Jahr 2015 überstanden haben.

    30 geschulte Förster Um die zu klären, sind bayernweit bis Anfang August 30 speziell geschulte Förster den Schäden an den Bäumen mit Fernglas und Computer auf der Spur. In Bayern erfassen sie an mehr als 200 sogenannten Aufnahmepunkte Laub und Nadeln von rund 9000 Bäumen. Zwei Teams unterwegs

    In Unterfranken sind zwei Trupps mit je zwei Förstern an 30 Stellen im Einsatz. 1300 Bäume werden dabei begutachtet. Das sind zehn Flächen mehr als bei der sonst durchgeführten jährlichen Inventur, wegen der Daten über den Trockensommer.

    Einer dieser zusätzlichen Aufnahmepunkte liegt bei Kaltensondheim. Peter Aichmüller vom Kitzinger Forstamt und seinen Kollegen Frank Bohla und Stefan Hanke aus Bamberg und Main-Spessart machen hier die „Kronenzustandserhebung“.

    Alles mit System

    Die Verteilung der Aufnahmepunkte hat System. Ein 16 mal 16 Kilometer großes Raster, das bei Bedarf auch enger gefasst werden kann, liegt über den Wälder Bayerns, egal, wem sie gehören. In ihnen liegen die Aufnahmepunkte, darin die sogenannten Satelliten und in diesen Kreisen sechs genau festgelegte Bäume. Die werden jährlich begutachtet. So entsteht über Jahre eine Zahlenreihe, die statistisch abgesicherte Aussagen möglich macht.

    Schulung

    Für diese Zustandserhebung waren Bohla und Hanke eine Woche auf Intensivschulung bei der LWF. Jetzt stehen sie an ihrem Aufnahmepunkt, Ferngläser in der Hand, Statistikbögen mit vielen Codes auf dem Klemmbrett. Jeden Baum nehmen sie sich einzeln vor. „Die Krone in der Sonne ist entscheidend“, sagt Aichmüller. Die so genannte Ansprache, die dann folgt, erinnert irgendwie an Jägerlatein, muss aber Sinn haben und schlägt sich in Kreuzchen auf dem Bogen nieder.

    Fachleute werden sich einig

    Mit einer Hainbuche geht es los. „Die hat viele Früchte, das wirkt sich auf die Blätter aus.“ Das muss berücksichtig werden. Wie viele fehlen unterm Strich. Nach ein paar Minuten sich sich die Fachleute einig. „Wir liegen selten mehr als fünf Prozent auseinander“, sagt Hanke. Die Daten wandern in die Bögen. Dann eine Eiche. Auch der Laie erkennt mit einem Blick nach oben, dass da was nicht stimmt. 40 Prozent der Blätter fehlen, oder doch 45? Man diskutiert und einigt sich schnell.

    Die Aufnahme der Daten ist die schwierigste Aufgabe. Die werden in den Laptop eingegeben und nach Freising übertragen. Den Rest machen die Kollegen vom Innendienst.

    Prognose verweigert

    Und wie sieht es aus? Da werden alle drei Förster vorsichtig. Vergleichsdaten vom Vorjahr haben sie nicht. Nur der Ist-Zustand wird gemessen. Immerhin, der Eindruck vom dichten und tiefgrünen Wald täuscht offenbar nicht. „Das bisher relativ feuchte Jahr war sicher gut für den Wald“, sagt Aichmüller. Die Kollegen stimmen zu. Mehr gibt es nicht, nur der Verweis auf den Herbst. Dann ist Brunner dran.

    Der Wald im Landkreis

    Fläche: Insgesamt gibt es im Landkreis Kitzingen auf seiner Gesamtfläche von 68 419 Hektar 15 290 Hektar Wald. Davon sind 7400 Hektar Privatwald, 5660 Hektar Kommunalwald, 2100 Hektar Staatsforsten und 130 Hektar Bundeswald.

    Baumarten: Die Wälder des Landkreises bestehen zu 61 Prozent aus Laub- und zu 39 Prozent aus Nadelholz. Die wichtigsten Baumarten sind: Eichen (50 Prozent), Kiefern (25), Fichten (13), Buchen (fünf), sonstige Laubhölzer (fünf) und Edel-Laubhölzer (ein Prozent).

    Besonderheiten: Wegen der fränkischen Realerbteilung gibt es eine starke Besitzzersplitterung im Privatwald. So haben 3000 Waldbesitzer eine Fläche von unter fünf Hektar. Die durchschnittliche Flächengröße liegt bei 0,69 Hektar. Quelle: AELF Kitzingen

    Zu Vergleichen: Um den Zustand der Kronen richtig beurteilen zu können, gibt es Hilfsmittel. Auch Bilder von Eiche mit unterschiedlichen Schadensbildern, wie sie Förster Peter Aichmüller zeigt, gehören dazu.
    Zu Vergleichen: Um den Zustand der Kronen richtig beurteilen zu können, gibt es Hilfsmittel. Auch Bilder von Eiche mit unterschiedlichen Schadensbildern, wie sie Förster Peter Aichmüller zeigt, gehören dazu. Foto: Sebelka
    Der Blick nach oben in Richtung Krone ist entscheidend für die Beurteilung des Gesundheitszustandes der Bäume. Speziell geschulte Förster kontrollieren an bestimmten Aufnahmepunkten Laub oder Nadeln vorher festgelegter Bäume. Ohne Ferngläser geht bei der Begutachtung bei Peter Aichmüller, Stefan Hanke und Frank Botha nichts.
    Der Blick nach oben in Richtung Krone ist entscheidend für die Beurteilung des Gesundheitszustandes der Bäume. Speziell geschulte Förster kontrollieren an bestimmten Aufnahmepunkten Laub oder Nadeln vorher festgelegter Bäume. Ohne Ferngläser geht bei der Begutachtung bei Peter Aichmüller, Stefan Hanke und Frank Botha nichts. Foto: Fotos (3): Siegfried Sebelka
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