• aktualisiert:

    KITZINGEN

    Der schleichende Tod

    Problem Kohlenmonoxid: Ein Holzkohlegrill war die Ursache für einen Großeinsatz der Rettungsdienste vor kurzem in Würzburg. Eine Familie hatte auf dem Balkon eines Hochhauses in Würzburg gegrillt und dabei die Balkontür offen stehen lassen. Durch einströmendes Kohlenmonoxid verloren drei Kinder das Bewusstsein, noch bevor ein Erwachsener den Rettungsdienst informieren konnte. Auch die anwesenden Erwachsenen klagten über Unwohlsein.  FOTO Berthold Diem
    Problem Kohlenmonoxid: Ein Holzkohlegrill war die Ursache für einen Großeinsatz der Rettungsdienste vor kurzem in Würzburg. Eine Familie hatte auf dem Balkon eines Hochhauses in Würzburg gegrillt und dabei die Balkontür offen stehen lassen. Durch einströmendes Kohlenmonoxid verloren drei Kinder das Bewusstsein, noch bevor ein Erwachsener den Rettungsdienst informieren konnte. Auch die anwesenden Erwachsenen klagten über Unwohlsein. FOTO Berthold Diem

    Es ist farb-, geruch- und geschmacklos, unhörbar und gefährlich. Schon eine geringe Menge kann tödlich sein. Die Rede ist von Kohlenmonoxid (chemische Formel CO). Wie gefährlich das Gas ist, zeigte sich erst kürzlich bei zwei Unfällen in Würzburg und Erlabrunn, bei denen es zu Kohlenmonoxid-Vergiftungen gekommen war.

    Diese Unfälle sind Anlass für den Kitzinger Stadtbrandinspektor Markus Ungerer, auf Gefahrenquellen hinzuweisen, die häufig Auslöser von CO-Vergiftungen sind. Gerade in der kalten Jahreszeit steige das Risiko einer Vergiftung mit Kohlenmonoxid: 481 Unfälle wurden im Jahr 2010 beim Statistischen Bundesamt gezählt. Immer wieder gebe es Todesfälle durch CO-Vergiftungen im häuslichen Umfeld.

    Dass man in seiner Wohnung oder auf einem von drei Seiten umschlossenen Balkon keinen Holzkohlegrill betreibt, wie bei dem Würzburger Unfall geschehen, sollte jedem Kind bekannt sein, findet Ungerer. „Ein nachglimmender Holzkohlegrill innerhalb einer Wohnung erzeugt ausreichend CO, um die Atemluft mit einer lebensgefährlichen Konzentration anzureichern“, so der Fachmann. Gefährlich sei auch der Einsatz von gasbefeuerten Heizpilzen, Infrarotstrahlern oder von Geräten, die von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden, so Ungerer.

    Leichtsinniger Umgang mit Feuer

    Daneben gibt es zahlreiche weitere Gründe, die zu einer Vergiftung führen können, weiß der Brandschutzexperte. Oft seien defekte Gasthermen oder der leichtsinnige Umgang mit offenem Feuer bei Kaminen oder Kaminöfen der Auslöser. Auch durch Sturmschäden beschädigte, undichte oder durch Vogelnester verstopfte Schornsteine können zur tödlichen Gefahr werden.

    Nicht zu unterschätzen sei fehlende Frischluftzufuhr bei Heizräumen oder der Betrieb von Ablufttrocknern, Dunstabzugshauben oder Lüftungsgeräten in der Nähe von Fenstern, da diese dem Raum Luft entziehen. Kaum bekannt sein dürfte, dass die Verwendung von Haarspray in der Nähe einer Gastherme dazu führen kann, dass deren Brenner unter Umständen verkleben.

    „CO entsteht immer bei der unvollständigen Verbrennung von Holz, Kohle oder Gas. Kann das giftige Gas nicht nach draußen abziehen, weil Ventile defekt sind oder der Abzug verstopft, bleibt es in der Wohnung. Luftdicht schließende Fenster oder eine Abzugshaube verstärken diese Gefahr. Die Konzentration an gefährlichem Kohlenmonoxid steigt, der Gehalt an lebenswichtigem Sauerstoff sinkt“, so Ungerer.

    Das Problem dabei: Da der Mensch CO nicht wahrnehmen könne, sei eine Vergiftung kaum zu erkennen. Zwar führe bereits eine schwache Konzentration von Kohlenmonoxid zu Kopfschmerzen oder Schläfrigkeit, werde aber kaum mit einer CO-Vergiftung in Verbindung gebracht und das Gas werde weiter eingeatmet. Es könne zu Übelkeit und Erbrechen kommen.

    In der Folge führe CO zur Bewusstlosigkeit und zum Erstickungstod. „Bei hoher Konzentration treten binnen weniger Minuten Atemlähmung, Herz-Kreislaufversagen ein“, sagt der Fachmann. Auch für Rettungskräfte gehe bei einem CO-Unfall eine hohe Gefahr aus, wie der Unfall in Würzburg gezeigt habe.

    Nicht umsonst bezeichnet man Kohlenmonoxid-Vergiftungen als „Chamäleon der Notfallmedizin“, da die Symptome bei einer Vergiftung unterschiedlich sind und die Ursache nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Ungerer rät, bei einem Verdacht auf CO-Vergiftung sofort das Gebäude zu verlassen und Mitbewohner ebenfalls dazu aufzufordern. Dann die Notrufnummer 112 wählen und die Symptome schildern.

    Um Vergiftungen zu verhindern, sei die regelmäßige Wartung von Heizanlagen und Feuerstätten wichtig. Für Häuser oder Wohnungen, mit offenen Feuerstellen, Kaminen, Kaminöfen oder Gasthermen empfiehlt die Feuerwehr den Einbau von Kohlenmonoxid-Meldern. Sie geben bei erhöhter CO-Konzentration ein lautes akustisches Signal und kosten zwischen 20 und 60 Euro.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Kitzingen-Newsletter!

    Weiskopf Ralf

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!