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    GLOSSE

    Die Woche: Ein Button für die Wut

    Eine Suppenzeit mit Anhaltung       -  _
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    Bisher dachten wir immer: Egal wie schlimm es kommt, egal welcher Lebensmittelskandal uns gerade mal wieder erschüttert – unseren Mars-Riegel und das Feierabendbierchen kann uns keiner nehmen. Und nun? Plastik im Schokoriegel – wobei man das ja eigentlich vom Überraschungsei nur zu gut kennt – und Pestizid in deutschem Bier. Ausgerechnet zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes. Unkrautvernichtungsmittel und Malz – Gott erhalt's.

    Und nun? An was glauben wir jetzt noch? An die Schummler von VW, ADAC oder Fifa? An das deutsche Sommermärchen? An Europa?

    Oder nehmen wir die Meldung von de A 3 vor unserer Haustür. Da entdeckte der Zoll diese Woche in einem Kleintransporter 900 Kilo Geflügelfleischpastete und 200 Kilo Milchprodukte. Alles ohne entsprechende Papiere – und auch ohne Kühlung.

    Alles ziemlich unappetitlich. Was viele auch dachten, als diese Woche die Meldung erschien, dass es jetzt einen Wein gibt, der mit Fledermaus-Kot gedüngt wurde. Wobei sich gerade im Internet viele fragten, ob man den „2015er Fledermaus“ wirklich trinken kann und ob das nach Fledermaus-Hinterlassenschaft schmeckt.

    Dabei ist das Gegenteil der Fall: Es dürfte sich um eine der ehrlichsten Arten handeln, um ein Genussmittel herzustellen. Und Batman hat endlich seinen eigenen Batwine aus Kitzingen.

    Weil wir gerade im Internet waren: Es gibt Neues von Facebook. Da musste man bisher mit dem „Like“-Button Vorlieb nehme. Das war ein bisschen wenig, wie sich immer dann zeigte, wenn jemand – wie jetzt unser Kindheitserklärer Peter Lustig – gestorben war und alle wie wild „Gefällt mir“ drückten.

    Neuerdings gibt es mehr Möglichkeiten, um Gefühle zu zeigen. Die Dinger heißen „Reactions“, was wie eine Sonde klingt, die zum Mars fliegt, um Plastikmüll zu suchen.

    Jedenfalls kann man jetzt differenzierter auf die Nachrichten reagieren, die von VW oder den Bierbrauern kommen. Die wichtigste Neuerung besteht darin, Trauer und Wut zu zeigen. Genau diese Wut, die einen jeden Tag ein bisschen mehr erfasst.

    Zu viel Wut schadet allerdings der Gesundheit. Weshalb wir hier zum Abschluss und zu Ehren des ebenfalls neuen Buttons „schallendes Gelächter“ noch unbedingt darauf hinweisen, dass es in Zeiten wie diesen ganz normal ist, wenn man Stimmen hört. Vor allem beim Anblick von Schokolade. Dann sagt die eine Stimme: „Iss sie!“ Und die andere: „Hast Du gehört! Du sollst sie essen!“

    Die Woche blickt immer samstags zurück, was unseren Autoren in den vergangenen sieben Tagen aufgefallen ist.

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    Von Frank Weichhan frank.weichhan@mainpost.de

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