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    Volkach

    Die letzte Sammlung

    Nach 50 Jahren hat die Volkacher Kolpingfamilie ihre Altkleidersammlungen eingestellt. Am Samstag schleppten die Helfer, darunter Vorsitzender Reinhard Zwicker (Dritter von links) zum letzten Mal über vier Tonnen Klamottensäcke zu den bereitstehenden Lieferwägen. Foto: Peter Pfannes

    "Man muss den Tatsachen einfach ins Gesicht sehen. Wir sind mit 74 im Durchschnitt für solche Aktionen zu alt", sagt Reinhard Zwicker mit traurigem Blick. Seit über 50 Jahren sammeln der Vorsitzende des Volkacher Kolpingfamilie und seine Wegbegleiter Altkleider für einen guten Zweck. Mit den Straßensammlungen ist jetzt Schluss.

    Am Samstag hievten die eifrigen Helfer zum letzten mal Säcke mit ausgedienten Klamotten in bereitstehende Lieferwägen. Über vier Tonnen kamen wieder zusammen – ein schwerwiegendes Finale einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte.

    Drei Waggons voller Altkleider zum Start

    Seit 1968 führte die Kolpingfamilie Sammlungen durch. Der Startschuss fiel am Bahnhofsgelände mit etwa drei Waggons Altkleidern und zehn Waggons mit Papier. Der Einzugsbereich umfasste damals die gesamte Region um Volkach. "Die Gemeinden haben ihre Ware direkt am Bahnhof Volkach angeliefert", erinnert sich Zwicker.

    Bereits in jungen Jahren hat der Astheimer diese Sammlungen organisiert und mit vielen Helfern gestemmt. Fünf Jahrzehnte lang hatten sie stets den Leitspruch des Gründervaters Adolph Kolping "Schön reden tut's nicht, die Tat ziert den Mann" im Hinterkopf. Einige Veteranen waren am Samstag wieder dabei, unter ihnen Theo Peters und Edmund Berz. "Wir waren bei jedem Wetter unterwegs" erinnert sich Berz. Die Energie für die ehrenamtliche Tätigkeit schöpften sie aus der guten Sache. "Helfen macht halt Sinn", ergänzt Peters. Sie und ihre Helferkollegen führten zweimal im Jahr die Sammlungen durch.

    Papierwaggons wurden von Hand umgeladen

    Viele Tonnen an Papier und Altkleidern wurden in 50 Jahren körperlich bewegt. Genaue Aufzeichnungen über die gesammelten Mengen existieren nicht vollständig, bedauert Zwicker. Er erinnert sich an manch unvergessliche Begebenheit wie "überladene Papierwaggons", die am Güterbahnhof in Würzburg von Hand wieder durch Umladen "erleichtert" wurden. "Kolpingmitglied Max Schlereth als Eisenbahner hat dann immer auf die Waggonfedern geschaut, bis diese wieder leicht nach oben gebogen waren und damit das Maximalgewicht nicht mehr überschritten war."

    Mit Einführung der blauen Tonne wurden dann nur noch Altkleider gesammelt, unterstützt von den Kolpingfamilien in Gaibach und Zeilitzheim sowie den Pfarrgemeinden in Escherndorf mit Köhler und Fahr. Diese lieferten die von der Bevölkerung bereitgestellten Altkleider zu den Lastern nach Volkach. Von dort aus gingen die Textilien über die Kolping Recycling Fulda zu den jeweiligen Abnehmern, um sie nach Qualität und Wiederverwertbarkeit zu sortieren.

    Das Risiko, dass etwas passiert, steigt

    Wegen des hohen Alters der Helfer beschlossen die Mitglieder in der jüngsten Hauptversammlung, die Sammlungen einzustellen. "Das Risiko, dass etwas passiert, steigt mit zunehmendem Alter kontinuierlich an", erklärt Zwicker. "Zum Glück hatten wir mit einer Ausnahme all die Jahre keine Blessuren bei den Helfern." Damit endet in Volkach und Astheim eine Ära, in der die Kolpingfamilie als Vorreiter bei der Wertschöpfung mitgewirkt hat.

    Wertvolle Rohstoffe wie Papier, Altglas, und Textilien wurden so in den Wirtschaftskreislauf zurückgebracht, ohne dass es kommunale oder gewerbliche Unternehmen gab, die diese Aufgaben erfüllten. Uneigennützig hat die Kolpingfamilie die Erlöse zum Großteil caritativen Zwecken zugeführt. Auch in Zukunft hat die Bevölkerung die Möglichkeit, soziale und caritative Maßnahmen zu unterstützen. An 13 Standorten im Stadtgebiet und in den Ortsteilen stehen Altkleidercontainer mit dem Logo des Kolpingwerkes und dem Emblem von Fair-Wertung.

    Wohin die Spenden gingen:
    An alle Kindergärten im Einzugsgebiet, für Brunnenbohrungen zur Wasserversorgung in Burkina Faso, als Unterstützung der Rumänienhilfe von Elmar Karl aus Bibergau, für die Arbeit in Afrika von Tabanka aus Astheim, an die evangelische und katholische Kirche für den Kirchberg, die Projekte des Internationalen Kolpingwerkes in den verschiedensten Ländern und letztlich eine großzügige Spende für die Anschaffung einer neuen Kirchenorgel in Volkach.

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