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    Sommerach

    Diese Fettnäpfchen sollten Weinprinzessinnen vermeiden

    Alles im Griff? Wohl kaum. Die angehenden Weinprinzessinnen lernen auch, wie sie das Glas richtig halten müssen. Foto: Nicolas Bettinger

    "Breitschuldriger" schmeckt der Wein aus dem Süden im Gegensatz zum Frankenwein mit seiner Säure. Außerdem wird "terroir f" nicht wie "Terror" ausgesprochen. Nur zwei Fakten von vielen, die beim zweitägigen Seminar in der Sommeracher Info-Vinothek vermittelt werden. Die 30 Teilnehmerinnen sind die aktuellen und angehenden Weinprinzessinnen aus der Region. In diesem nicht ganz alltäglichen Prinzessinnen-Workshop der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) müssen die Frauen, neben der Vermittlung von Fachwissen, auch an Auftreten und Darstellung feilen.

    Da gehört es dazu, dass sich die jungen Damen mit Anbaugebieten und der Maßeinheit für das Mostgewicht des Traubenmostes Grad Oechsle beschäftigen müssen. Auch der Ablauf eines anspruchsvollen Weinmenüs, der Umgang mit der Presse und das richtige Kleiden werden geschult. Ganz schön viel also, worauf die Kronenträgerinnen in Zukunft achten müssen. Klar, dass bei so vielen Anforderungen auch Fehler passieren. Was aber sind die schlimmsten Fettnäpfchen, in die eine Wein-Repräsentantin niemals treten sollte?

    Volle Konzentration: Die 30 amtierenden oder angehenden Weinhoheiten verfolgen einen Vortrag über Silvaner. Foto: Nicolas Bettinger

    Kein Stil ohne Stiel

    Darüber sind sich wohl alle einig: ein guter Wein schmeckt nur gut, wenn er auch im richtigen Gefäß serviert wird. Doch Weinglas ist nicht gleich Weinglas. Und somit begegnet man schon hier dem ersten drohenden Fettnäpfchen: der falschen Glaswahl. "Das sieht schon gut aus und wird gerne noch genommen", antwortet eine Teilnehmerin auf die Frage von Institutsleiter Georg Bätz, ob denn der Römer noch zeitgemäß sei. Nein, das ist er nicht. "Nehmt unbedingt ein Schoppenglas ohne Rollrand, da hat man ein ganz anderes Geschmacksempfinden", fachsimpelt Bätz. Ein weiterer Fauxpas, erklärt Bätz, ist das falsche Einschenken. Dies sei nur bis zur breitesten Stelle des Glasbauchs, also der "Schulter" gestattet. "Ihr dürft auf keinen Fall den ganzen Humpen voll machen." Den Platz im Glas, so sind sich alle Teilnehmerinnen einig, braucht man, damit der Wein noch geschwenkt werden kann. Wie soll er auch sonst seinen Duft, pardon, sein Bouquet entfalten können?

    Der dritte, gleichwohl einer der schlimmsten Fehler ist der falsche Griff zum Glas. "Es ist ein absolutes No-Go, wenn man das Glas oben hält. Das zeigt Unwissenheit", sagt Anni Dietz, Weinprinzessin für Würzburg-Heidingsfeld. Das Glas müsse immer am Stiel gehalten werden, so die 20-Jährige. Nur so kann man vermeiden, dass der Wein warm werde. Außerdem sehe es einfach nicht so gut aus. Das bestätigt auch Georg Bätz und fügt hinzu. "Oben halten ist nur was für Politiker und TV-Kommissare."

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    Kippe, Rock und Vollrausch

    Prinzessinnen-Krone auf dem Kopf und Zigarette im Mund: das geht gar nicht. Das wissen nicht nur die Referenten des Workshops, das ist auch allen Teilnehmerinnen klar. Dieses Fettnäpfchen gilt es also immer zu umschiffen. Immerhin repräsentieren die jungen Frauen ihre Gemeinden und da zähle nun mal ein ordentliches Auftreten. Zum Glück, so Bätz, rauchen immer weniger der Damen. Doch das sei leider nicht das einzige Fehlerchen. Auch eine Kaugummi kauende Prinzessin, oder eine, die nur am Smartphone hängt, machten die gleichen Probleme. Ein weiteres Unding, worauf die Weinprinzessinnen achten sollten, ist die falsche Kleidung. "Wenn wir auf der Bühne stehen, dann sollten unsere Röcke nicht zu kurz sein", sagt Lea Konrad. Die Himmelstädter Weinprinzessin weiß, worauf es beim Outfit ankommt. Bei Weinfesten sei häufig ein Dirndl die richtige Wahl, bei einer Weinwanderung sollten es dann auch mal feste Schuhe sein.

    Und wie viel darf eine Weinprinzessin bei öffentlichen Anlässen trinken? Auch hier bewegt sich der oder die Unwissende auf Fettnäpfchen-Terrain. "Wir sollten nicht zu tief ins Glas schauen, wir müssen immer grazil wirken", weiß Mareike Fries, angehende Prinzessin aus Tauberrettersheim. Es gebe als Weinhoheit nichts Peinlicheres, als völlig betrunken auf einer Veranstaltung zu sein. Ein Schluck Wasser im Weinglas dagegen sei kein Vergehen. Laut Georg Bätz sollen die Weinrepräsentantinnen, die etwas moderieren, nicht mehr als 0,2 Liter Wein am Tag trinken.

    Georg Bätz, Leiter des Instituts für Weinbau und Önologie, erklärt den Damen den Umgang mit Wein. Foto: Nicolas Bettinger

    Zu warm, zu kalt, zu unwissend

    Als Fauxpas ist auch die falsche Temperatur der servierten Weine zu bezeichnen. "Rotweine werden in unserer Region eigentlich immer zu warm serviert", sagt Bätz. "Da haste manchmal fast einen Glühwein im Glas", scherzt er. Statt sich mit einer wagen Raumtemperatur zu beschäftigen, sollte man den Rotwein immer zwischen 16 und 18 Grad ausschenken. Beim Weißwein aus dem Bocksbeutel sind dagegen elf bis zwölf Grad ideal. Bätz' Rat: Lieber immer etwas kühler servieren, Weine werden ohnehin von alleine warm.

    Einen kühlen Kopf sollten auch Weinprinzessinnen bewahren, wenn sie sich nicht gut auskennen. "Wer nicht viel Erfahrung mit Wein hat, sollte dies nicht so offen zeigen", glaubt Mareike Fries. Immerhin würden die meisten Menschen von Weinprinzessinnen erwarten, dass diese sich auskennen. Welchen Jahrgang und welche Rebsorte sie da im Glas haben, das sollten sie also zumindest wissen, wenn sie darüber sprechen.

    Falsches Getränk und Name vergessen

    Die letzten beiden Fettnäpfchen machen ihrem Namen alle Ehre. Da wäre zum Beispiel das falsche Getränk am falschen Ort. Richtig, ein Bier auf einem Weinfest, dass passe einfach nicht. Zumindest eine Weinprinzessin sollte das nicht trinken. Das weiß auch Heidingsfelds Weinhoheit Anni Dietz. "Eine Weinprinzessin mit einem Maßkrug auf einem Weinfest, das würde einfach einen falschen Eindruck hinterlassen." Zehntes und letztes No-Go für heute: wichtige Namen vergessen. "Ich habe es zum Glück noch nie erlebt, aber man sollte die wichtigen Leute immer begrüßen und niemals den Namen des Bürgermeisters vergessen", sagt Franziska Baumann, Weinhoheit in Oberschwarzach.

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