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    Kitzingen

    Digitaler Orgelgruß und Chorprobe per Videochat

    Orgelgruß per Internet: Regionalkantor Christian Stegmann bei seiner Videoaufnahme in der Pfarrkirche St. Johannes.
    Orgelgruß per Internet: Regionalkantor Christian Stegmann bei seiner Videoaufnahme in der Pfarrkirche St. Johannes. Foto: Andreas Ruhsert

    Gottesdienste, Chorproben, Konzerte, alles abgesagt. Doch das kirchenmusikalische Leben muss wegen Corona nicht komplett zum Erliegen kommen. "Mir ist wichtig, dass ich musikalisch den Bezug zu den Leuten halte und die Orgel lebendig weiterspielt", sagt Christian Stegmann, Regionalkantor im katholischen Dekanat Kitzingen.

    So kam ihm schnell die Idee für das digitale Format "Orgelgruß aus St. Johannes". Diesen veröffentlicht er mehrmals pro Woche im Internet. "Die Resonanz ist sehr groß, das sehe ich an den Klicks", freut er sich. Über 550-mal wurde sein erstes Video, Bachs Toccata und Fuge in d-Moll, innerhalb einer Woche bereits aufgerufen. Das Werk hat er bewusst ausgewählt, weil er es beim letzten Gottesdienst in St. Johannes gespielt hatte.

    Über einen Aufruf haben sich bereits mehr als 200 Musikfans rückgemeldet, die er per E-Mail und Messenger über neue Videos benachrichtigt. Tagsüber ist die Pfarrkirche für Einzelbesucher geöffnet, deswegen macht Stegmann seine Aufnahmen lieber nach 18 Uhr. Bevor er spielt, erklärt er, warum er ein Stück oder eine eigene Improvisation ausgewählt hat. "Dann haben die Leute ein Gesicht dazu, einfach nur spielen finde ich nicht ganz so persönlich", so der Kirchenmusiker.

    Einfachste Technik genügt

    Einem professionellen Tonstudio gleicht die Orgelempore der Kirche dabei nicht. Mit dem Smartphone nimmt Stegmann seine Videos auf, als Stativ dienen ein Notenständer und ein Gesangbuch. Pünktlich zur Aufnahme für das Video zur Osternacht kam noch ein externes Mikrofon dazu. "Die Aufnahmen haben keinesfalls CD-Qualität, sollen aber auch kein Ersatz sein", sagt der Regionalkantor, "ich achte auch nicht darauf, dass ich alles hundertprozentig fehlerfrei spiele, sondern, dass es schön musiziert ist."

    Einfachstes Equipment genügt: Mit dem Smartphone und einem Mikrofon nimmt Christian Stegmann seine Videos auf. Als Stativ dienen ein Notenständer und ein Gesangbuch.
    Einfachstes Equipment genügt: Mit dem Smartphone und einem Mikrofon nimmt Christian Stegmann seine Videos auf. Als Stativ dienen ein Notenständer und ein Gesangbuch. Foto: Andreas Ruhsert

    Jedes Video, insbesondere die Improvisationen nimmt er mehrfach auf und wählt später am Computer die beste Version aus. "Musik kann die Liturgie nicht ersetzen", so Stegmann. Mit der Auswahl seiner Stücke und Improvisationen möchte er aber "die Liturgie der Ostertage nachzeichnen." So hat er Improvisationen zum Abendmahl und zur Kreuzigung veröffentlicht.

    Das Video für die Osternacht hat er nach Sonnenuntergang in der dunklen Kirche aufgezeichnet. Auch nach Ostern will er weitermachen: "Ich habe keinen Fahrplan für die nächsten Wochen, sondern überlege mir recht spontan, was als nächstes kommt. Der Orgelgruß soll auch Appetit machen, in normaler Zeit wieder Orgelkonzerte zu besuchen."

    Chorprobe per Videochat

    Der Kinderchor, der sich regulär mittwochs trifft, muss auch unter aktuellen Umständen nicht gänzlich auf seine Proben verzichten. Christian Stegmann kam die Idee, Videokonferenzen als Format für Chorproben auszuprobieren. Mit seinem Laptop auf dem Klavier dirigiert er in die Webcam. Eine Bildschirmübertragung ersetzt die Notenblätter. "Wir haben sehr schnell festgestellt, dass die unterschiedliche Zeitverzögerung übers Internet gemeinsames Musizieren nicht möglich macht", erzählt der Chorleiter.

    Probe per Videochat: Christian Stegmann (oben links) dirigiert die Sängerinnen und Sänger des Kinderchors und des Jugendchors.
    Probe per Videochat: Christian Stegmann (oben links) dirigiert die Sängerinnen und Sänger des Kinderchors und des Jugendchors. Foto: Andreas Ruhsert

    Während des Singens bleiben daher die Mikrofone ausgeschaltet. "Es ist ein komisches Gefühl, über das Bild zu sehen, wie alle singen und nichts zu hören", sagt er, "aber zur Kontaktpflege und um sich zu unterhalten funktioniert es super."

    Bei den 18 jungen Sängern, die sich aus 14 Haushalten zugeschaltet haben, kommt die Idee der Online-Chorprobe gut an. "Wir haben ja aktuell wenig zu tun", freut sich ein Sänger über das musikalische Alternativprogramm in der Quarantäne. "Ältere Sänger kann ich mit der Online-Chorprobe leider nicht erreichen", bedauert Christian Stegmann. Etwa 100 aktive Stimmen dirigiert er in vier verschiedenen Chören.

    Gottesdienst per Live-Stream

    In Zeiten des Versammlungsverbots suchen auch die Kirchen kreative Lösungen, um die Menschen zu erreichen, nicht nur mit überregionalen Fernseh- und Radioübertragungen. Für das Dekanat Kitzingen wird jeden Abend aus der Mauritiuskirche in Wiesentheid ein Gottesdienst auf YouTube übertragen. "Daran finde ich gut, dass es einen lokalen Bezug gibt", sagt Christian Stegmann, der im Wechsel mit anderen Organisten die Gottesdienste musikalisch gestaltet, "ich glaube, es ist emotional etwas anderes, wenn man hier die Wiesentheider Kirche sieht. Je näher es ist, desto mehr kann man sich damit verbunden fühlen."

    Orgelgruß per Internet: Regionalkantor Christian Stegmann bei seiner Videoaufnahme in der Pfarrkirche St. Johannes. Vor dem Spielen erläutert er die Auswahl der Werke.
    Orgelgruß per Internet: Regionalkantor Christian Stegmann bei seiner Videoaufnahme in der Pfarrkirche St. Johannes. Vor dem Spielen erläutert er die Auswahl der Werke. Foto: Andreas Ruhsert

    Den abgesagten Gottesdienst an Ostern in Kitzingen hätte der Kirchenchor mitgestaltet, die Erstkommunion am Weißen Sonntag der Jugendchor. Kurz vor Verhängung der Ausgangsbeschränkung hat Stegmann gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen Martin Blaufelder das kirchenmusikalische Jahresprogramm erstellt. Verteilt werden konnten die druckfrischen Exemplare nicht mehr. Ob die nächste gemeinsam geplante Veranstaltung, der ökumenische Orgelspaziergang am Nachmittag des 3. Mai stattfinden kann, bleibt abzuwarten.

    Orgelgruß aus St. Johannes: Veröffentlicht werden die Orgelvideos auf der Facebook-Seite "Orgelgruß aus St. Johannes Kitzingen" und dem YouTube-Kanal "Christian Stegmann". Wer per E-Mail über neue Videos informiert werden möchte, kann sich per Nachricht an christian.stegmann@bistum-wuerzburg.de in den Verteiler aufnehmen lassen.

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