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    Kitzingen

    Eine etwas andere Sprechstunde

    Im vollbesetzten Sitzungssaal des Landkreises referierten Chefarzt Wolfgang Karmann (im Bild) und Stefanie Held und gaben praktische Ratschläge für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit älterer Menschen. Foto: Gerhard Bauer

    Die Aktionswochen 60+ für Senioren gingen am Montag mit der Abschlussveranstaltung als "etwas anderer Sprechstunde" im großen Sitzungssaal des Landratsamtes zu Ende.

    In ihrer Begrüßung bezeichnete Gastgeberin Landrätin Tamara Bischof den Begriff Seniorenwochen als nicht mehr zeitgemäß, die Bezeichnung Aktionswochen 60+ sei daher vorzuziehen. In den vergangenen vier Wochen seien nach dem Auftakt mit dem Nachmittag für Senioren jenseits der 90 mehr als 160 Veranstaltungen für die Altersgruppe 60+ angeboten worden.

    Die Landrätin verwies auf den aktuellen Glücksatlas, der bezüglich der Lebenszufriedenheit Franken auf Platz 4 von 19 deutschen Regionen einstufe. Lebenszufriedenheit nehme ab dem 65. Lebensjahr deutlich zu. Bereits 2014 habe eine Zeitschrift festgestellt, dass der Landkreis Kitzingen zu den lebenswerten Landkreisen in Deutschland zähle und in Unterfranken sogar die Spitzenposition belege.

    Zur Abschlussveranstaltung kamen der Internist und Kardiologe an der Klinik Kitzinger Land  Wolfgang Karmann und seine Kollegin Internistin und Pneumologin Stefanie Held, um die wichtigsten Fragen zum Thema Gesundheit und Fitness im Alter aufzugreifen und zu beantworten. In einer Fallvorstellung schilderte Karmann den Verlauf eines Vorhofflimmerns, das über einen unregelmäßigen Puls erkannt werden konnte. Vorhofflimmern sei ein chaotischer Verlauf der Herztätigkeit, der mit zunehmendem Lebensalter vermehrt auftrete und in rund 20 Prozent der Fälle Ursache für einen Infarkt sei.

    Beim Arztbesuch sollte daher regelmäßig Herz- und Pulsschlag kontrolliert und Unregelmäßigkeiten mit einem EKG untersucht werden. Wichtig für die Gesundheit auch im Alter sei, dass Vorhofflimmern überhaupt erkannt werde. Brustbeschwerden und Schmerzausstrahlungen in beide Arme bezeichnete er als Warnsignale, dass das Herz nicht richtig arbeite. Im Ruhezustand reiche dessen Durchblutung meist noch aus, erst bei Anstrengung komme es zu plötzlichem Schmerzempfinden durch koronale Herzerkrankungen. Ursache dafür sei meist der Lebensstil wie falsche Ernährung mit jeweils zu viel Kalorien, Fett und Zucker sowie gleichzeitig zu wenig Bewegung, Rauchen und Stress. "Bewegung ab 60+ steigert die Lebenserwartung und zugleich die Leistungsfähigkeit", unterstrich Karmann.

    Leitthema seiner Kollegin Stefanie Held war die Grippeschutzimpfung gegen Influenza-A- und -B-Viren. Viren besäßen an der Oberfläche ein hohes Mutationspotenzial und zeigten daher ständige Veränderungen der maßgeblichen Proteine. Dadurch sei eine dauerhafte Immunisierung nicht möglich und Impfungen müssten stets angepasst an die neue Situation erfolgen.

    Influenza-Erkrankungen erfolgten meist ab Weihnachten bis Ende März. Im Vorjahr erkrankten rund neun Millionen Menschen zwischen dem 35. und 60. Lebensjahr, oft auch mit schweren Verläufen bis hin zum Tod. Im Vorjahr werden knapp 1700 Todesfälle vermutet. Erste Anzeichen seien plötzliches Auftreten von Fieber, Gliederschmerzen und Husten. Die Übertragung erfolge als Tröpfcheninfektion mit einer Inkubationszeit von ein bis vier Tagen. Werde die Erkrankung durch die Impfung auch nicht abgewehrt, so zeige sie doch zumindest einen weniger heftigen Verlauf.

    In einem weiteren Beitrag schilderte Held Entstehung und Verlauf von Embolien, die oft aus Thrombosen in den Beinen entstehen, wenn Blutgerinnsel in die Lunge gelange. Kaum bekannt sei, dass Lungenembolien die dritthäufigste Todesursache seien. Mit unterschiedlichen Ursachen und Verläufen blieben sie oftmals unbemerkt, könnten aber mit Notfalldiagnostik erkannt und therapiert werden.

    Zahlreiche Fragen aus den Reihen der Zuhörer im vollbesetzten Sitzungssaal ließen erkennen, dass die Thematik genau auf die Aktionswochen 60+ abgestimmt war.

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