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    WÄSSERNDORF

    Eintauchen in ein Stück Geschichte vor Ort

    Theresa Rützel (hinten, links) und ihre Schwester Julia Volkamer haben mit (vorne, von links) Franz Mark, Marga Rückel u... Foto: Klaus Rützel

    Ein Ort voller Geschichte ist der Seinsheimer Ortsteil Wässerndorf – und voller Geschichten. Viele ranken sich natürlich um die Schlossruine. Marga Rückel, Hans Braun und Franz Mark können über die Zeit vor, während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg viel erzählen. Ihre Erinnerungen haben Julia Volkamer und Theresa Rützel aufgeschrieben. In gedruckter Form wird das über 80-seitige Werk in der Wässerndorfer Schriftenreihe als Band 6 rechtzeitig zum Schlossruinenfest am kommenden Wochenende erscheinen.

    Die Geschichte im Allgemeinen ist hinreichend bekannt, das Spannende sind jedoch die vielen kleinen Details in der Heimat. Mit dem Blick auf das Große wird das Kleine oft vernachlässigt. Angeregt und ermuntert von Lothar Huthöfer, dem Herausgeber der Wässerndorfer Schriftenreihe, nutzten Julia Volkamer (30) und ihre Schwester Theresa Rützel (26) die Möglichkeit, mit Zeitzeugen zu sprechen, deren Erzählungen aufmerksam und interessiert zu lauschen – und für die Nachwelt festzuhalten.

    Die beiden ehemaligen Seinsheimer Weinprinzessinnen und Mitglieder im Schlossruinenverein befragten so ihre Oma Marga Rückel (85), deren Schwager Hans Braun (81) und Franz Mark (80).

    Julia Volkamer und Theresa Rützel hatten sich alle bei ihrer Oma in Seinsheim getroffen. Das sei gut gewesen, meint Julia Rützel. „Alle saßen an einem Tisch und inspirierten sich gegenseitig“, erinnert sie sich. „Bei uns war es so, wie war es bei euch?“, habe beispielsweise ihre Oma gefragt. So hätten sich alle in ihren Erinnerungen wunderbar ergänzt. Über zwei Stunden habe das Gespräch gedauert, natürlich bei einer guten Brotzeit, sagt Theresa Rützel.

    Ein Wort ergab das andere – und im Laufe der Unterhaltung wurde die Vergangenheit, die mehr als 70 Jahre zurückliegt, immer gegenwärtiger. „Die Zeit vor, während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ist fest im Bewusstsein älterer Menschen, die diese Zeit miterlebt haben, verankert. Die jetzt noch lebenden Personen aus dieser Zeit waren damals meist Kinder oder Jugendliche. Sie haben diese Erlebnisse mit Kinderaugen wahrgenommen, was aus dem Gespräch immer wieder sichtbar ist“, schreibt Lothar Huthöfer in seinem Vorwort zu den „Erzählungen, die Geschichte schreiben“.

    Es waren viele Erlebnisse, die aufgezeichnet und dann schriftlich festgehalten wurden. Viel mehr als erwartet. Und auch weiter gefächert. „Aber so was kannst Du nicht rausstreichen“, meint Julia Volkamer. Also blieb alles enthalten. Wort für Wort.

    Zu lesen ist im Buch zum Beispiel eine Geschichte, wie dank gefundener Patronenhülsen am Abend Feuerwerk gemacht wurde. Aber auch vom Einschlag einer Granate in Wässerndorf ist die Rede, auch von grausamen Geschehnissen. „Dinge, die man sich nicht vorstellen kann“, formuliert es Theresa Rützel.

    Die Erlebnisse, wie sie in dem Buch geschildert werden, könnten sich ähnlich andernorts in Franken zugetragen haben, schreibt Lothar Huthöfer. Ein besonderer Reiz für den Leser ist es jedoch, gleich in die Geschichte eintauchen zu können. Er fühlt sich, als wäre er dabei – als stiller Zuhörer der Gesprächsrunde.

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