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    Marktbreit

    Einzigartiger Weg zur Freundschaft

    Kath Wanner, Harald Damm, Christine Basel, Herbert Biebelriether und Herbert Braun bei der Übergabe des Schlüssels zur Heimatstube Wernersreuth. Foto: Robert Haaß

    Es ist nur ein Schlüssel, der da am Samstagvormittag in der Markbreiter Tourismusinformation übergeben wurde. Es ist aber ein Schlüssel mit hoher Symbolkraft, ein Schlüssel der Völkerverständigung und ein Schlüssel, der keinesfalls das Ende eines langen Wegs bedeutet – es ist der Schlüssel zur "Heimatstube der Wernersreuther" in Marktbreit.

    Übergeben haben den Schlüssel Herbert Braun, Vorsitzender des Heimatvereins Wernersreuth e.V. und dessen Geschäftsführerin Kathi Wanner an Marktbreits Bürgermeister Herbert Biebelriether, Christine Basel von der TI und den Tourismusreferent Harald Damm. Mit dem Schlüssel soll die Heimatstube der Wernersreuhter nach der in den vergangenen Monaten erfolgen Sanierung nun auch Besuchern Marktbreits bei Stadtführungen offen stehen.

    40 Jahre lang suchten die aus dem grenznahen böhmischen Dorf Wernersreuth nach dem Krieg Heimatvertriebenen nach einer "guten Stube für ihre alljährlichen Wiedersehensfeste", so Braun und wurden auf Vermittlung des damaligen Landrats Siegfried Naser 1983 in Marktbreit fündig. Unter Bürgermeister Karl Schubert wurde ein Jahr später, also vor 35 Jahren, die Patenschaft zwischen Wernersreuth und Marktbreit geschlossen, unter Walter Härtlien kurz darauf die "Heimatstube" als Heimatmuseum errichtet und unter Erich Hegwein nun renoviert. "Sie zeigt nicht nur Objekte der Nostalgie, sondern auch Zeugnisse eines einzigartigen Wegs der Wernersreuther zur Freundschaft mit den tschechischen Neubewohnern in der alten Heimat", so Herbert Braun.

    Verständigung

    Denn mit Unterstützung aus Marktbreit haben die Wernersreuther bereits seit den 1990er Jahren einen Weg der Verständigung mit Tschechien beschritten, auf den andere sudetendeutsche Organisationen erst jetzt langsam einschwenken.

    Und so ziert die Heimatstube der Patenschaftsvertrag des Tschechischen Asch mit den Wernersreuthern, in dem "auf die Aufrechnung gegenseitigen wirklichen oder vermeintlichen Unrechts" verzichtet wird. Eine in Tschechien einzigartige Übereinkunft aus dem Jahr 2002, an der schon seit dem Jahr 1992 gearbeitet wurde. Damals feierten die Wernersreuther erstmals ihre "Herbstkirchweih" in alten Dorfwirtshaus ihrer ehemaligen Heimat und Herbert Braun zerstreute aufkeimende Ressentiments der neuen Bewohner mit den Worten "Wir erheben keine Ansprüche außer dem Wunsch nach Eurer Freundschaft." Ein Satz, der 1995 von Bürgermeister von Asch gekontert wurde: "Fühlt Euch nicht nur wie zuhause, seid zuhause." Und so übernahm parallel zu Marktbreit im Jahr 2002 Asch ebenfalls die Patenschaft über die Wernersreuther.

    Offizielle Partnerschaft

    Nachdem 2008 der Wernersreuther Friedhof mit Beistand von Asch und Marktbreit renoviert wurde, gingen Asch und Marktbreit 2015 ganz offiziell eine Städtepartnerschaft ein. All dies ermöglicht es dem Verein, dem so langsam die Mitglieder wegstarben, auch in die Zukunft zu blicken. Denn etliche Bürger Marktbreits und auch aus Asch sind heute Vereinsmitglieder und tragen so nicht nur die Erinnerung weiter, sondern beleben damit auch die Verständigung zwischen den Deutschen und den Tschechen.

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