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    Iphofen

    Empfang zum 80. Geburtstag: "Größtes Geschenk" für Baldwin Knauf

    Empfang der Stadt Iphofen zum 80. Geburtstag ihres Ehrenbürgers Baldwin Knauf (von links): Bürgermeister Josef Mend, Inge Knauf, Baldwin Knauf und Landrätin Tamara Bischof. Foto: Eike Lenz

    Was wünscht sich jemand, der schon vieles hat und sich so ziemlich alles leisten kann? Baldwin Knauf hebt den Blick, schaut auf die illustre Gesellschaft, die ihm zu Ehren am Montagabend in die Iphöfer Rathaushalle gekommen ist, und sagt schließlich: „Sie haben aus Ihrem Leben zwei, drei Stunden Zeit weggeschnitten. Das ist vielleicht das größte Geschenk.“ Das ist schon ungewohnt viel Pathos für einen, der als eher kühl und sachlich gilt, aber im Alter deutlich milder und empathischer geworden ist – und vielleicht liegt diese sanfte Metamorphose auch daran, dass Baldwin Knauf heute nicht mehr von ökonomischem Kalkül getrieben ist, sondern in erster Linie von der Sorge um sich und seine Familie.

    Iphofens Bürgermeister vermutet etwas Koketterie

    Mit 80 Jahren – das hat er kürzlich im Gespräch mit dieser Redaktion verraten – gebe er keine Anweisungen mehr, sondern sei nur noch Ratgeber. Ein bisschen Koketterie vermutet Iphofens Bürgermeister Josef Mend schon hinter diesen Worten. Er sei sich sicher, sagt er, dass Baldwin Knauf auch nach seinem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft „viele unternehmerische Entscheidungen“ auf dem Weg zum größten Gipskonzern der Welt mitgestaltet habe.

    Eine kleine Zahl geladener Gäste feierte in der Verkündhalle des Iphöfer Rathauses den 80. Geburtstag von Ehrenbürger Baldwin Knauf nach. Foto: Eike Lenz

    Viele politische und einige persönliche Weggefährten sind in die Verkündhalle des Rathauses gekommen, Vertreter örtlicher Vereine, aus Schule und Kirche, aktive und ehemalige Stadträte, an jenen Ort, an dem sich Knauf stets „sehr wohl gefühlt“ habe, wie er in seiner kurzen Ansprache sagt. 30 Jahre habe er Iphofen als Stadtrat dienen dürfen. Er verstand es nicht nur als staatsbürgerliche Pflicht, sondern auch als politische Kür, ein Stück Geschichte dieser ihm zur Heimat gewordenen Stadt mitschreiben und an ihrer Entwicklung mitarbeiten zu können.

    Seine Weggefährten betonen Knaufs Verlässlichkeit

    Alle, die man fragt und die in dieser Zeit mit Knauf zu tun hatten, heben eines hervor: seine Integrität, Loyalität und Verlässlichkeit. „Auf sein Wort konnte man zählen. Was abgesprochen war, das hielt er – immer“, sagt ein langjähriger Stadtrat. Und auch Mend stellt an diesem Abend fest: „Sie waren immer ein absolut offener, ehrlicher, selbstkritischer Partner. Ihre Verbundenheit zu Iphofen konnten wir immer erkennen.“ Nur das Ende als Stadtrat hätten sich viele anders gewünscht: Knauf trat zur Kommunalwahl 2008 nicht mehr an, weil sich seine Partei, die CSU, in der Frage eines eigenen Bürgermeisterkandidaten heillos zerstritten hatte. Ein unwürdiges Schauspiel – so lässt sich seine Sicht darauf wohl deuten. Knauf hat darüber nie öffentlich gesprochen, er tut es auch an diesem Abend nicht. 

    Auch ohne Mandat ist Knauf immer noch ein gerne konsultierter politischer Ratgeber. „Sie haben schon öfter dazu aufgefordert, Mut zu zeigen und Wünschen und Forderungen der Bürger mit einem Nein zu begegnen“, sagt Mend. Eine „vernünftige Finanzpolitik“ ist ihm wichtig: immer nur „so viel Geld auszugeben, wie man hat“. Das war auch seine Devise an der Spitze des Unternehmens, das immer aus sich selbst heraus wuchs und nur selten mit geliehenem Geld. Dieses Unternehmen, das er 40 Jahre lang Seite an Seite mit seinem Vetter Nikolaus (83) führte und das Iphofen bis heute Arbeit und Wohlstand sichert, hat er in jüngere Hände gelegt, aber natürlich kommt man an diesen vier Jahrzehnten nicht vorbei, wenn man Knaufs Lebensleistung würdigen will, wie es neben Bürgermeister Mend auch Landrätin Tamara Bischof tut.

    Auch die Region profitiert von Knaufs Expansionskurs

    Dass Knauf inzwischen der größte Gipskonzern der Erde ist mit einem Jahresumsatz von zuletzt sieben Milliarden Euro und Gewinnmargen im zweistelligen Prozentbereich, ist dem mutigen Expansionskurs der beiden Patriarchen zu verdanken. Immer bekam dabei – dank üppiger Gewerbesteuern – auch die Region, Stadt und Landkreis, etwas vom großen Kuchen ab. „Sie haben die Weichen gestellt, um Iphofen dauerhaft wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu sichern“, sagt Bischof.

    Zum Empfang im Rathaus ist Knauf mit Ehefrau Inge, mit der er im August Goldene Hochzeit feierte, und zwei seiner acht Enkel gekommen. Er wünsche sich, sagt er, dass zumindest einer von ihnen eines Tages in Iphofen sesshaft werde. So wie er, den es vor mehr als 70 Jahren mit der Familie, zwei Brüdern und einer Schwester, nach Franken verschlug – und der dort geblieben ist. Die Stadt hat ihn längst zu ihrem Ehrenbürger erhoben. Das Angebot, eine Straße nach ihm zu benennen, hat er vor Jahren abgelehnt, was für seine Bescheidenheit spricht. Wenn er heute über sein Verhältnis zu den Iphöfern sagt: „Wir sind immer pfleglich miteinander umgegangen“, dann ist dies schon höchstes Lob.

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