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    Kitzingen

    Fall fürs Gericht: Kirchweihbesuch wird richtig teuer

    Trotz alkoholbedingten Filmrisses: Zwei junge Männer werden sich an den fröhlich gestarteten Ausflug lange erinnern. In Mittelfranken führten sie sich auf die Berserker.
    Ein Jurist nimmt das Strafgesetzbuch aus dem Regal. (Symbolbild) Foto: Oliver Berg, dpa

    Drei Kästen Bier und etliche Schnäpse waren dann doch ein bisschen zu viel. Eingedeckt mit viel Alkohol haben sich sechs junge Männer Ende Juni 2019 zu Fuß auf den Weg gemacht von Markt Einersheim nach Iphofen und dann mit der Bahn nach Neustadt an der Aisch. Zwei von ihnen sind auf der dortigen Kirchweih nicht angekommen. Sie gingen nach der Ankunft am Bahnhof mit einem Straßenstickel auf ein Auto los, fanden sich auf der Polizeiwache und jetzt vor dem Jugendrichter wieder. Dort wurde es richtig teuer, auch wenn das Verfahren eingestellt wurde.

    Das war schon heftig: Vorsätzlicher gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Nötigung und Sachbeschädigung standen in der Anklage. Den Vorwürfen sahen sich zwei junge Männer gegenüber, die von dem Vorfall nichts mehr wissen wollen. "Filmriss", sagte der eine, der sich nach mehreren Schnäpsen "und vielleicht zehn Bier" noch an die Ankunft am Bahnhof erinnern konnte, dann aber erst wieder an die Fahrt im Polizeibus. Dem zweiten Mann ging es nicht besser: keine Erinnerung, erst wieder an die Polizeiwache. Die Erklärung: gut zwei Promille bei dem einen, mehr als 1,5 bei dessen Kumpel.

    Schläge gegen das Auto

    Auch wenn sie sich nicht erinnern konnten oder wollten: "Wir gehen davon aus, dass sich der Vorfall so zugetragen hat", ließen beide über ihre Verteidiger erklären. Was passiert ist, schilderte ein 33-Jähriger als Zeuge. Der war mit seinem Auto und einem Baby darin auf dem Heimweg von der Kirchweih. Kurz nach dem Bahnhof sprangen die beiden jungen Leute plötzlich vom Gehsteig auf die Straße. Es gab einen Schlag mit dem Straßenstickel und mit der Faust gegen die Spiegel. Der ging zu Bruch, die linke Autoseite war zerkratzt und beim Ausweichen gab es einen Schaden an der Felge. Er sei aufgeregt gewesen, habe Angst um seine Tochter gehabt, sagte der Zeug. Er wollte die beiden dann aber doch stellen. Das musste er nicht mehr, die Polizei hatte die beiden schon aus dem Verkehr gezogen.

    "Warum die Geschichte so ausgeartet ist", konnte keiner der beiden erklären. Immerhin scheinen sie daraus etwas gelernt zu haben. Beide erklärten, sie hätten ihren Alkoholkonsum seit dem Vorfall drastisch reduziert und zum Jahreswechsel komplett eingestellt. Sie sind bereit, den Schaden gemeinsam zu regeln, und entschuldigt haben sie sich auch, schriftlich und in der Verhandlung.

    Blitzblankes Vorstrafenregister

    Nachdem die Jugendgerichtshilfe, die die Anwendung von Jugendstrafrecht vorgeschlagen hatte, blieb die Frage: Urteil oder Einstellung gegen Auflage. "Teuer wird's in jedem Fall", stellte Richter Wolfgang Hülle fest. Nachdem die Staatsanwältin mit Blick auf die juristisch betrachtet weiße Weste der Angeklagten einer Einstellung zustimmte, kamen die beiden mit den berühmten "zwei blauen Augen" und der Einstellung des Verfahrens davon. Aber der Kurzausflug in den Nachbarlandkreis wird – wie angekündigt – teuer. Die beiden müssen den Schaden an dem Auto in Höhe von gut 5400 Euro bezahlen. Hinzu kommt für jeden eine Geldauflage in Höhe eines Monatslohns. Für den 20-Jährigen sind das 2000 Euro, für den zwei Jahre Jüngeren 1000 Euro, zahlbar in jeweils zwei Raten.

    Und das alles für einen Kirchweihbesuch, der eigentlich keiner war, an den sich die beiden aber noch lange erinnern werden – Filmriss hin oder her.

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