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    Schwarzenau

    Forschung für mehr Tierwohl: Ställe für 1250 Schweine werden modernisiert

    So sehen derzeit die Ställe aus. Bald dürfen sich die Tiere noch wohler fühlen. Foto: Gerhard Krämer

    Der Spatenstich für die neue Sauenarena am Ausbildungs- und Versuchszentrum für Schweine ist getätigt. Damit wird den sich ändernden gesellschaftlichen Anforderungen an die Tierhaltung Rechnung getragen und die Schwarzenauer Kompetenz in Sachen Schweinehaltung gestärkt. 4,2 Millionen Euro werden in das Projekt investiert, das Ende nächsten Jahres fertig sein soll.

    Nebel bedeckte am Montagmorgen das Gelände der  Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum (LVFZ) für Schweinehaltung in Schwarzenau. Doch im Nebel soll dort niemand bleiben und vor allem nicht das dortige Tun. Nach einer intensiven Planungsphase beginnen die Bauarbeiten an den neuen Demonstrations- und Versuchsställen. Die befinden sich bereits auf Neuseser Gemarkung.

    Spatenstich im Nebel: Das Bild zeigt (von links) Robert Sterk (Technischer Leiter), Reiner Laudenbach (Architektenforum Laudenbach), Andres Keller (Gillig und Keller Uffenheim), Bürgermeister Volker Schmidt, Landrätin Tamara Bischof, Ute Krauß-Mündlein (Staatliches Bauamt Würzburg), Hartmut Dittmann (Betriebsleiter), Jakob Opperer (Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft) und Thomas Schwarzmann (Leiter Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum). Foto: Gerhard Krämer

    Westlich der Stallungen aus dem Jahr 2008, die damals nach den Worten von Jakob Opperer, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, auf den neuestem Stand und das Beste waren, was es im deutschsprachigen Raum gab, werden nun drei Stallgebäude als "Versuchstechnikum Schweinehaltung" neu errichtet.

    Der neue Leiter des LVFZ, Thomas Schwarzmann, bezeichnete den jetzigen Neubau als Teil der laufenden Generalsanierung. Dafür seien 6,1 Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt genehmigt, in denen die 4,2 Millionen Euro für den Neubau der Schweineställe enthalten sind. Dazu kommen die Sanierung des Internats, der Hygieneschleuse, die Fertigstellung des Güllebehälters und als weiterer Schritt der Bau eines Auslaufs für die Schweine.

    Tiergerechte Haltung

    Die neuen Ställe erfüllen die Anforderungen des Tierwohls durch eine tiergerechte Haltung. Dazu zählen die Haltung von Muttersauen im Deckzentrum in Gruppen und die Ferkelaufzucht in Drei-Flächen-Buchten, in denen die Tiere mehr Platz haben als gesetzlich vorgeschrieben. Durch die Buchtenstrukturierung würden auch die Voraussetzungen geschaffen für eine Aufzucht und Mast von Schweinen mit unkupierten Schwänzen, erläutere Schwarzmann. Zur weiteren Mast werden die Tiere umgestallt in einen Pigport Außenklima-Maststall. Alle Liegebereiche der drei Ställe sind befestigt und mit Einstreu versehen, um den Tieren ein behagliches Ruhen zu ermöglichen.

    Die Bayerischen Staatsgüter eröffnen mit dem Bau der Tierwohlställe die Möglichkeit, "herkömmliche und alternative Haltungen in ihren Auswirkungen darzustellen und den Landwirten zu zeigen", sagte Schwarzmann. Mit Blick auf die "alten" Ställe aus dem Jahr 2008 meinte Schwarzmann, dass man viel Geld in die Hand nehme, um auf dem neuesten Stand zu sein. Das macht auch Landrätin Tamara Bischof nachdenklich, die um die Bedeutung der Landwirte für den Landkreis weiß. Nach getätigten Investitionen könne ein einzelner Landwirt nicht nach wenigen Jahren schon wieder seinen Betrieb umkrempeln.

    "Die gesamte Schweinekompetenz liegt in Schwarzenau."
    Jakob Opperer, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft

    "Die gesamte Schweinekompetenz liegt in Schwarzenau", betonte Jakob Opperer. Er kündigte an, dass auch die Leistungsprüfung der Tiere, derzeit noch in Grub angesiedelt, hier in Schwarzenau etabliert werde. Viele Forschungsergebnisse würden hier gewonnen. Reagiert werde auf fachliche und gesellschaftliche Veränderungen.

    Bild über demEingang zum Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweine in Schwarzenau. Foto: Gerhard Krämer

    Trotz Zunahme von veganer Ernährung ist Opperer überzeugt, dass auch das Fleisch, insbesondere das von Schweinen, seine Wertschätzung behalte. "Die Fütterung bei den Schweinen ist jetzt schon gezielter, als das, was die Menschen so essen", weiß der Präsident.

    Sechser im Lotto

    Schwarzachs Bürgermeister Volker Schmitt bezeichnete es als einen Sechser im Lotto, als im Oktober 1952 die Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft sich in Schwarzenau ansiedelte. Die Stärkung des Standortes freue ihn. In seinem Grußwort verschwieg Schmitt nicht, dass es, wie jüngst auch berichtet, Beschwerden über Geruchsbelästigungen gebe.

    Im Gespräch mit dieser Zeitung betonte Schwarzmann, dass man hier an einer Optimierung arbeite. Derzeit seien 250 Zuchtsauen und 1000 Mastschweine da. Der Bestand werde aber eher weniger als mehr, versicherte er.

    Kompetenzzentrum für Schweinehaltung
    Das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum (LVFZ) für Schweinehaltung Schwarzenau ist eine Organisationseinheit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Als Kompetenzzentrum für Schweinehaltung ist das LVFZ bayernweit zuständig für die überbetriebliche Berufsaus- und Fortbildung in der landwirtschaftlichen Schweinehaltung.  In Zusammenarbeit mit den Instituten der LfL betreibt das LVFZ Schwarzenau praxisorientierte Forschung in den Bereichen Fütterung, Haltung und Zucht von Schweinen. Auch Pflanzenbauversuche gibt es. Zudem findet hier die stationäre Leistungs- und Qualitätsprüfung beim Schwein zur Verbesserung der Fleischqualität des Schlachtkörpers und der Mastleistung als Grundlage für das bayerische Schweinezuchtprogramm statt.

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