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    KREIS KITZINGEN

    Forstamtsleiter: „Auch die Jäger stehen in der Verantwortung“

    Alle drei Jahre gibt es ein Forstliches Gutachten. Alle drei Jahre gibt es Diskussionen mit den Jägern. Eine Petition der Jäger an den Bayerischen Landtag hat es allerdings noch nicht gegeben. Der Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft in Kitzingen, Klaus Behr, wünscht sich grundsätzlich ein Miteinander von Waldbesitzern, Förstern und Jägern, damit gerade in Zeiten des Klimawandels gemischte und klimatolerante Waldbestände aufgebaut werden können. Dazu sind angepasste Wildbestände jedoch eine unverzichtbare Voraussetzung.

    Können Sie die Eingabe dieser Petition nachvollziehen?

    Behr: Ehrlich gesagt: Nein! Gerade in diesen Zeiten des Klimawandels ist es nach meiner Ansicht Aufgabe aller für den Wald Verantwortlichen, am Aufbau zukunftsfähiger Wälder mitzuarbeiten. Das sind wir unseren Kindern und Enkeln schuldig! Auch die Jäger stehen dabei in der Verantwortung.

    Indem man die Abschusszahlen erhöht?

    Behr: Indem Sie die Wildbestände so bejagen, dass sich alle standortheimischen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen natürlich verjüngen können. Dieses Ziel, verbunden mit der Zusage an die Waldbesitzer, ist im Übrigen auch so im Bayerischen Jagdgesetz verankert.

    Die Jäger argumentieren, dass erhöhter Rehwildabschuss keineswegs zu einem besseren Zustand des Waldes führen wird.

    Behr: Wir haben auch im Landkreis Kitzingen durchaus positive Beispiele, dass sich mit waldfreundlichen und nachhaltigen Bejagungsstrategien stabile, klimatolerante und zukunftsfähige Wälder entwickeln lassen.

    Warum ist das gerade in unseren Breiten so schwer?

    Behr: Als „Weinlandkreis“ mit seinen geringen Jahresniederschlägen und seinen hohen Durchschnittstemperaturen stehen wir bei der vorsorgenden Umsetzung dieser Ziele besonders unter Druck. Die Trockenjahre 2003, 2015 und 2018 haben uns das noch einmal unmissverständlich klar gemacht!

    Welche Auswirkungen hatten diese Jahre?

    Behr: Unsere Wälder können sich nicht mehr ausreichend erholen und sind geschwächt, sodass ihnen auch immer mehr Krankheiten und Schädlinge zusetzen. Deshalb braucht der Wald dringender denn je Nachwuchs, der sich zielgerecht entwickeln kann. Auch bei reduzierten Wildbeständen kann die Jagd ja dennoch Freude machen!

    Helfen Zäune, wie sie von den Jägern gefordert werden?

    Behr: Nach den Aussagen im Bayerischen Waldgesetz sowie im Bayerischen Jagdgesetz soll die Naturverjüngung im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen aufwachsen können – zumal die Zäunung sehr teuer und mit hohem Aufwand für Kontrolle, Unterhalt und Reparatur verbunden ist. Dennoch ist der waldbauliche Erfolg der Zäunung über einen Zeitraum von cirka zehn Jahren hinweg nicht automatisch garantiert, denken Sie nur an Stürme, Pilzsammler und Wildschweine, die zum Teil nicht viel von Zäunen halten! Zudem sind Zäune in aller Regel viel zu kleinflächig, sodass wir damit unsere Waldumbauziele nicht erreichen können.

    Die Jäger schlagen auch vor, kleinere Verjüngungsflächen zu gießen, wenn das möglich ist.

    Behr: Im Trockenjahr 2018 sind alleine im Landkreis Kitzingen wahrscheinlich rund 100 000 gepflanzte Jungbäume vertrocknet. Dagegen haben viele Pflanzen der Naturverjüngungen diese schwierige Zeit unbeschadet überstanden. Auch deshalb wird die Naturverjüngung in Zeiten des Klimawandels immer wichtiger. Wenn wir Baumarten pflanzen, dann vor allem solche, die klimatolerant und momentan noch nicht in unseren Altbeständen vertreten sind, um unsere Wälder noch gemischter und widerstandsfähiger zu machen. Wenn uns die Jäger helfen möchten, diese Bäumchen in extremen Trockenjahren zu gießen, dann sind sie herzlich willkommen!

    Was halten Sie von der Forderung, mehr Wildbiotope in der Flur anzulegen?

    Behr: Grundsätzlich halte ich es für einen guten Ansatz, solche Strukturen im Interesse der Gesamtökologie wieder verstärkt zu etablieren – mit oder ohne Förderprogramme. Es sollte mit der Umsetzung dieses Ziels allerdings nicht der Eindruck erweckt werden, man könne damit die Rehe vom Wald fernhalten und so den Verbiss beseitigen.

    In waldarmen Gebieten regen die Jäger an, mehr Zwischenfrüchte zu pflanzen, um den Nahrungsdruck zu nehmen.

    Behr: Der verstärkte Zwischenfruchtanbau ist grundsätzlich sinnvoll. Durch Förderprogramme und die „Greening“-Maßnahmen ist da in den letzten Jahren auch viel Positives passiert! Es sollte aber auch der Eindruck vermieden werden, dass der Anbau von Zwischenfrüchten den Wildverbiss vermeiden kann.

    Das heißt: Wir brauchen stabile Wälder?

    Behr: Na klar. Und die sind in ganz Bayern wichtig. Denken Sie nur an den Lawinen- und Erosionsschutz im Alpengebiet. Und bei uns, auf der Fränkischen Platte, ist der Klimawandel das große Thema.

    Damit wir diese Herausforderungen bewältigen können, müssen alle an einem Strang ziehen! Seit 2008 haben wir hier bei uns etwa zehn Prozent der Waldfläche verjüngt, aber das reicht nicht. Wir müssen noch viel mehr machen.

    Dazu brauchen wir auch ein verständnis- und verantwortungsvolles Handeln der Jägerschaft!

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