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    SEINSHEIM

    Freilichttheater: Von Weingurglern und einem Toten im Heu

    Wir schreiben das Jahr 1840. Die gute alte Zeit im Königreich Bayern unter der Regentschaft seiner Majestät Ludwig I.. Nun, von der königlichen Herrschaft ist man im beschaulichen Seinsheim fast unberührt. Bis auf die Auswirkungen von Entscheidungen königlicher Beamter. Die haben nämlich erstmals eine Schulmeisterin in die Männerdomäne Seinsheim entsandt, was anfänglich mehr als skeptisch beäugt wurde. Doch die beweist kriminalistischen Spürsinn, was auch notwendig ist, liegt doch der Häfnerbauer mit einem Strick um den Hals tot im Heu.

    Mit viel lokalem Humor gewürzt

    Damit beginnt die ernste, aber mit viel lokalem Humor gewürzte Kriminalgeschichte „Der Galgenstrick“ aus Seinsheim, die die Laienspielschar in diesem Jahr als Freilichttheater auf die Bühne bringt. Das Stück stammt aus der Feder von Dieter Kleinhanß. Der 77-Jährige hat insgesamt sechs Stücke für die Seinsheimer geschrieben und hatte es sich nicht nehmen lassen, persönlich zur Premiere zu kommen.

    Mit dem „Galgenstrick“ kommt sein fünftes Stück zur Aufführung, wobei dieses überall spielen könnte. Die anderen haben direkten Bezug zu Seinsheim, so auch noch das nicht aufgeführte Stück, das sich um Kaiserin Kunigunde dreht.

    Buch über die ersten fünf Stücke

    Die ersten fünf Stücke hat Kleinhanß in einem Buch zusammengefasst. Ein Exemplar überreichte er zu Beginn der Vorstellung an Bürgermeister Heinz Dorsch, der in dem Stück einen verliebten Bäcker gab. Kleinhanß hat die Stücke in Hochdeutsch verfasst, wohl wissend, dass diese auf lokaler Ebene nur im Dialekt gut ankommen.

    Unter der Regie von Katharina Drobek wurde das Stück zum einen in Seinsheimer Dialekt übertragen, zum anderen an die Örtlichkeit angepasst. Denn erstmals diente der Innenhof des Seinsheimer ehemaligen Amtshauses als Spielort.

    Mehr Möglichkeiten am neuen Spielort

    Der eine oder andere trauerte zwar dem alten Spielort auf der Marktstraße beim Rathaus hinterher, doch der neue Spielort bietet weit mehr Möglichkeiten und Räume. So waren Marktstände, die Wohnung des Bürgermeisters, die Schule und Schloss Wässerndorf gut zu verwirklichen.

    Zum Inhalt: Eigentlich liebt es der Bürgermeister Georg Bögner (Dieter Böhm) lieber etwas ruhiger im Sinne von Pfeiferauchen und einen Schoppen trinken. Er hatte sich schon über die „Maulaffen in München“ geärgert, die ihm eine Schulmeisterin schicken. „Frauen sollen Kinder kriegen, sie nicht unterrichten“, ist er überzeugt und sieht schon das Ende der Welt nahen. Schließlich sei „Arschversohlen“ reine Männersache.

    Erste Gedanken an die Erbschaft

    Da stört auch noch die Frau des Häfnerbauern Karolina Häfner (Sonja Heppel) seine eh schon gestörte Ruhe, weil sie ihren Mann tot im Heu gefunden hatte. Der ist allerdings erst einmal das Vesper zur Stärkung wichtiger und auch schon erste Gedanken an die Erbschaft. Die genaue Klärung der Todesursache scheint ihr nicht so wichtig, ebenso den melodisch „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ gurgelnden Weingurglern, den Saufkumpanen des toten Häfnerbauern.

    Ob es ein Unfall, gar ein Mord war oder ob sogar dunkle Mächte ihre Hand im Spiel gehabt hatten, das alles untersuchen der Bürgermeister, seine Frau Mina Bögner (Iris Hönnl), Pfarrer Johannes Abelein (Hermann Schöller) und Lehrerin Margarete Moll (Katharina Drobek).

    Schon damals gab es „Fake News“

    Zuerst wird Fahrendes Volk verdächtigt, was die Lehrerin aber nicht im Bericht für die Zeitung geschrieben hatte, der Bürgermeister es aber im „persönlichen Gespräch“ mit dem Zeitungsschreiber so hatte umschreiben lassen. Schon damals gab es also schon „Fake News“.

    Intensiv wurde auch über den Kälberstrick recherchiert, den der Häfnerbauer um den Hals gehabt hatte und der dem Weingurgler Heiner Himmelein (Heiner Düll) gehört. Irgendwie kam der Strick wohl ins Wässerndorfer Schloss und muss von dort wieder „ins Dorf geflogen“ sein. Im Schloss ist man zudem besorgt, weil Dinge verschwinden.

    Ermittlergespann klärt alles auf

    So gerät der Prinz und Weingurgler David, genannt „das Dooferle“, in Verdacht. Doch in einer nächtlichen Aktion bringt das Ermittlergespann Licht ins Dunkle und findet mit Davids Bruder Prinz Philipp (ebenfalls Marlon Ackermann), dem reichsten Mann des Ortes, Michel „Großkotz“ Maier (Hermann Gebhard) und dem Weinhändler (Mike Volkamer) die wahren Gauner. Und auch der Tod des Häfnerbauern wird geklärt. Er wurde festgebunden, um die Gauner nicht bei ihrem Handwerk zu stören. Volltrunken, wie er war, erdrosselte er sich mit dem Strick dabei selbst.

    Viel Applaus gab es von den Zuschauern in der ersten von vier Vorstellungen für die Akteure, die sich stets selbst um den Umbau auf der Spielfläche kümmerten. Das Fazit von Autor Dieter Kleinhanß: „Mir machte es Spaß!“

    Kartenverkauf: Es gibt noch Karten für die Vorstellungen am Samstag und Sonntag, jeweils 20.30 Uhr.

    Kartentelefon: (0 93 32) 99 31.

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