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    Kitzingen

    Glück für Angeklagten: Handel mit Kokain nicht zu beweisen

    Als Polizisten einen 26-Jährigen auf der A 3 stoppten, sah alles so aus, als ob ihnen ein Drogenhändler ins Netz gegangen ist. Doch am Ende waren die Beweise zu dürftig.
    Konsum von Kokain (Symbolbild) Foto: Frank Leonhardt, dpa

    Obwohl viel gegen ihn sprach ist ein 26-Jähriger nur wegen des unerlaubten Besitzes von 3,8 Gramm Kokain zu einer Geldstrafe von 8400 Euro verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe wegen unerlaubten Handels gefordert. Dem folgte das Gericht in Kitzingen nicht. Am Ende sah Strafrichterin Helga Müller zwar Anhaltspunkte für einen Handel, hatte aber "zu viele Zweifel".

    Solche hatte die Staatsanwältin nicht. Für sie stand am Ende der Verhandlung das fest, was schon in der Anklage stand. Danach ist der 26-Jährige im November 2019 auf der A 3 in seinem Fahrzeug kontrolliert worden. Die verdachtsunabhängige Kontrolle lief nach Aussagen eines Zeugen "atypisch" ab. Als eine Zivilstreife ihn anhielt, verbarrikadierte sich der Mann in seinem Auto und telefonierte. Erst als die Beamten androhten, das Fenster einzuschlagen, öffnete er. Die Polizisten wurden fündig. Vier "verkaufsfertige Tütchen" mit knapp vier Gramm Kokain fanden sie in dem Auto. Ein Drogentest bei dem Mann fiel negativ aus. Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung  fand die Polizei weißes Koffein-Pulver und kleine Schraubampullen sowie 3000 Euro in Bar.

    Vier Päckchen Koks im Auto

    Für die Staatsanwaltschaft war klar: Das Koffein war zum Strecken des hochkonzentrierten Kokains gedacht. Das Geld stammt aus früheren Drogengeschäften. "Alles spricht für ein Handeltreiben", sagte die Staatsanwältin. Auch und vor allem die Tatsache, dass der Mann "mit Drogen nichts am Hut hat", aber vier verkaufsfertige Päckchen im Auto hatte.

    Das war die eine Seite: Die andere sagte zu den vier Päckchen nichts: "Keine Angaben dazu", sagte der Rechtsanwalt für seinen Mandanten. Dann stellte er die Rechtmäßigkeit der Kontrolle und der Hausdurchsuchung sowie die Verwertung der gefundenen Gegenstände in Frage, ohne überzeugen zu können. Für das Koffein allerdings hatte er eine Erklärung. Sein Mandant sei Kampfsportler und setze Koffein zur Leistungssteigerung ein, deshalb auch die Schraubampullen.

    Das gefundene Geld stamme aus der Zahlung einer Versicherung nach einem Autounfall. Zudem stellte er die Frage, warum das Handy des Angeklagten – wie bei Verdacht auf Drogenhandel üblich – nicht ausgewertet worden sei. Für ihn blieb am Ende der Besitz des Rauschgifts. Und da hoffe er auf ein mildes Urteil des Gerichts, das dem nicht vorbestraften Mann nicht die Zukunft verbaue.

    500-Euro-Scheine und Koffein

    "Es stinkt zwar zum Himmel, aber ich kann den Handel nicht beweisen", stellte die Strafrichterin fest. Was man habe, seien die gefundenen Drogen, für den Handel gebe es keine weiteren Anhaltspunkte. Die Stückelung des gefundenen Bargelds sei mit mehreren 500er-Scheinen nicht typisch für Drogengeld, die Sache mit dem Koffein für den Sporteinsatz nicht auszuschließen. "Das reicht nicht aus, es bleiben zu viele Zweifel."

    Für den Besitz aber reichte es. Eine Geldstrafe hielt die Amtsgerichtsdirektorin für tat- und schuldangemessen. Weil Kokain zu den harten Drogen zählt und "der Besitz keine Kleinigkeit ist", liegt die Geldstrafe mit 120 Tagessätzen im oberen Bereich. Die Tagessatzhöhe von 70 Euro ergibt sich aus dem verfügbaren Nettoeinkommen.

    Zufrieden war zumindest die Staatsanwältin mit dem Urteil nicht. Dass es rechtskräftig wird, ist eher unwahrscheinlich, eine Berufung und damit der nächste Versuch, den Handel zu beweisen, schon eher.

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