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    Kitzingen

    Ihre Rechnung ging auf: SoLaWi-Initiatoren ziehen Bilanz

    Gelungener Start für die drei unterfränkischen Solidarischen Landwirtschaften mit den Initiatoren (von links) Erich Gahr und Thomas Rödl für Kitzingen, Sebastian Hausmann und David Kraus-Egbers für Würzburg, Moderator Wolfgang Väth, Til Brather und Erich Morgenstern für Schweinfurt. Foto: Antje Roscoe

    "Es hat mich fast umgehauen", das sagte Erich Morgenstern über das Feedback der Vereinsmitglieder in der SoLaWi Schweinfurt. Laut Pressemitteilung  haben sich vor einem Jahr drei  Vereine für Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) in Mainfranken gegründet. Jetzt stellten sie gemeinsam ihre Bilanz vor und gaben eine Einschätzung für die Zukunft.

    "Es ist genauso gekommen, wie wir das geplant haben", resümierte Morgenstern über die SoLaWi in Schweinfurt, deren Vorsitzender er ist und die mit 112 Mitgliedern mächtig Fahrt aufgenommen hat. Für Würzburg und Kitzingen gilt das mit 77 bzw. 61 Mitgliedern zwar gleichfalls, Schweinfurt musste allerdings große Aufbauarbeit leisten und erst einmal einen Acker, Gerätschaften sowie Finanzmittel  beschaffen. In Kitzingen und Würzburg hatten die SoLaWi-Vereine an bestehende Betriebe andocken können, an die Bio-Gärtnerei Gahr in Etwashausen und den Bioland-Bauernhof Kraus-Egbers-Mosmann in Oberaltertheim.

    Regionalität soll erhalten werden

    Rund 60 Anwesende interessierten sich bei der Volkshochschule in Kitzingen für diese Art des marktunabhängigen Vertragsanbaus, der seit Ende der 1980er Jahre in Deutschland Land gewinnt und inzwischen ein Netzwerk von 260 SoLaWi bildet (www.solidarische-landwirtschaft.org).  Erich Morgenstern: "Das ist ganz klar auch eine politische Aktion, die wir hier umsetzen, nachdem es schwierig geworden ist, mit Landwirtschaft sein Geld zu verdienen". Es gelte Regionalität und Arbeitsplätze zu erhalten, heißt es weiter.

    Für drei Gärtner ist die SoLaWi Schweinfurt auch Arbeitgeber. 14 Euro Gärtner-Stundenlohn sind derzeit geboten. Vollzeitarbeitsplätze seien das Ziel. Es werden die Kosten des Erzeugers mitfinanziert und dieser bekommt damit Planungssicherheit – das solidarische Element, erklärt es Sebastian Hausmann, der in Würzburg Mitinitiator war und nach seinem Landwirtschaftsstudium jetzt im Familienbetrieb Kraus-Egbers-Mosmann arbeitet.

    Ziel sei es, so formuliert es Bio-Gärtner Erich Gahr, die Landwirtschaft zu unterstützen und die Verbraucher zu schützen. Ein Kostenvorteil ergebe sich vor allem im Vertrieb. Preis, Größe und Inhalt der Ernteteile seien bei jeder SoLaWi unterschiedlich.

    Neue Depots in Kitzinger Region geplant

    Während der Verein in Würzburg die Zahl der Ernteteiler, wie die Verbraucher heißen, zunächst begrenzt hat, um Erfahrungen zu sammeln, sind Schweinfurt und Kitzingen dabei, die Anzahl ihrer Ernteteiler und Verteildepots zu erweitern. Für Volkach, Iphofen und Marktbreit plant die SoLaWi Kitzingen neue Depots. Aus Wiesentheid wurde spontanes Interesse kund. "Wenn ich selbst im Garten anbaue, kostet mich das mehr als das, was ich bei der SoLaWi bezahle", kalkulierte eine Besucherin. 

    Mitarbeit ist bei allen drei SoLaWi nicht zwingend, bislang aber überall engagierter als erwartet eingebracht worden. Das gemeinsame Arbeiten über Generationen hinweg und das soziale Miteinander wird offenbar ähnlich geschätzt, wie die Ernte, so die SoLaWi-Vertreter. Die drei SoLaWi haben sich deshalb auch einen Bildungsauftrag gegeben. Sie sind als gemeinnützig anerkannt.

    Bienen-Genossenschaft macht mit

    Laut Hausmann hätten sich die Mitglieder in Würzburg bei einer Befragung kürzlich für mehr Info-Veranstaltungen zu Landwirtschaft und Klima ausgesprochen, wollen Multiplikator für saisonale, biologische Ernährung werden, als Reaktion auf die Klimakrise.

    In Schweinfurt haben die Verantwortlichen einen zweiten Acker im Visier und in Gerolzhofen haben sich fast 20 Interessierte für ein neues Depot gemeldet. Das Sortiment könnte vielleicht um Käse und Eier erweitert werden, was auch Gahr für Kitzingen anstrebt. Man wolle sich noch besser vernetzen, auch mit anderen Produzenten. In Würzburg ist beispielsweise die Main-Streuobst-Bienen-Genossenschaft mit Sitz in Margetshöchheim dazu gestoßen, heißt es am Ende der Pressemitteilung.

    Bearbeitet von Karin Angerer

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