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    KITZINGEN

    Im Dietz-Haus: Vom Pop-Up-Store bis zur Vinothek

    Jede Menge Arbeit hatten die Verantwortlichen vor der Eröffnung des Pop-Up-Stores in der Oberen Kirchgasse. Fotos: Ralf Dieter Foto: Ralf Dieter

    Seit Sonntag ist er offiziell geöffnet, der erste Pop-Up-Store in Kitzingen. Frank Gimperlein setzt große Hoffnung in die Räumlichkeiten in der Oberen Kirchgasse. Der neue Laden soll verschiedene Aspekte miteinander verknüpfen. Nicht zuletzt hilft er dabei, den Traum von einer Vinothek am Kitzinger Marktplatz zu erfüllen.

    Jahrelang standen sie leer, die rund 160 Quadratmeter gegenüber von Elektro Will. Alteingesessene Kitzinger werden sich noch erinnern, dass hier einmal die „Quelle“ zu finden war. Jetzt hat ein Kitzinger Immobilien-Unternehmer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, dem Stadtmarketingverein (STMV) die Räumlichkeiten überlassen. Für ein Jahr, fast kostenfrei. Das Ziel lautet: Die Straße neu beleben. „Hier gibt es einige Leerstände“, bedauert Frank Gimperlein, Vorsitzender des STMV, und deutet Richtung Kirchtürme von St. Johannes. „Dabei sind wir so nah am Stadtzentrum.“

    Gimperlein und sein Team wollen einen neuen Impuls setzen – und haben etliche Mitstreiter gefunden. Im Pop-Up-Store kann letztendlich jeder seine Geschäftsidee und seine Waren anbieten. Mit Nina Will aus Etwashausen und der Firma Arauner hat Gimperlein zwei etablierte Kitzinger Firmen gewonnen. Sie bieten Vintage-Möbel beziehungsweise Kellerei-Artikel an. Auch Neueinsteiger finden im Pop-Up-Store ein Zuhause. Zwei Kitzinger Gin-Manufakturen werden ihre Erzeugnisse in der Oberen Bachgasse präsentieren.

    Die Abwechslung ist durchaus gewollt, sie liegt Gimperlein am Herzen. „Hier soll Leben rein“, fordert er. Und deshalb ist jeder Landkreisbürger mit einer neuen Geschäftsidee willkommen. Auch Privatpersonen dürfen ihre Waren in dem neuen Laden gerne verkaufen. Klingt ein wenig nach Flohmarkt, ist Gimperlein angesichts der bestehenden Situation aber recht. „Alles ist besser als gar nichts“, sagt er, wohl wissend, dass in Kitzingen immer wieder Geschäfte schließen. Im letzten Quartal eines Jahres sei eine Häufung relativ normal, es gebe für fast alle Leerstände auch Interessenten. „Aber die Mieten sind in den meisten Fällen viel zu hoch“, bedauert er. Dennoch: Mit einer Leerstandsquote von rund 25 Prozent liege Kitzingen im Vergleich zu ähnlich großen Städten in Unterfranken noch im grünen Bereich. Gefährlich sei allerdings der Trend, bisherige Geschäftsräume als Büroräume zu vermieten, so wie es beim „Oppenländer“ oder beim „Glashaus“ der Fall ist. „Für die Frequenz von Besuchern wäre Einzelhandel natürlich besser“, weiß Gimperlein.

    Der neue Pop-Up-Laden soll für diese Frequenz sorgen. Dass er schon nach wenigen Tagen des Einräumens voll mit Waren ist, liegt an der Räumung eines Hauses rund hundert Meter Luftlinie entfernt. Das „Dietz-Haus“, direkt am Marktplatz gelegen, soll das neue Schmuckstück Kitzingens werden. Gimperlein plant im Erdgeschoss und in den ehemaligen Räumen von Elektro Kelber eine Vinothek. Entsprechende Gespräche mit Vertretern des Denkmalschutzes, der Stadt und interessierten Winzern sind schon weit gediehen. Bis Ende dieses Jahres will er alle nötigen Verträge unter Dach und Fach haben. Läuft alles nach Plan, könnte die Vinothek auf rund 140 Quadratmetern Fläche schon Ende nächsten Jahres eröffnet werden. „Da helfen uns natürlich die guten Beziehungen von unserem Stadtschoppen“, sagt der STMV-Vorsitzende und betont: „Ohne Stadtschoppen keine Vinothek.“

    Rund 20 renommierte Weingüter hatten sich und ihre Erzeugnisse in diesem Jahr auf der Mainbrücke präsentiert. Die meisten haben bereits zugesagt, sich auch in einer Kitzinger Vinothek zu engagieren. Rund 15 Winzer sind im Gespräch.

    „2020 wird ganz im Zeichen der Vinothek stehen.“
    Frank Gimperlein, Vorsitzender Stadtmarketingverein

    Aktuell sucht Gimperlein nach einem Betreiber beziehungsweise einer Betreiberin. Fränkisches Essen soll in der Vinothek angeboten werden. „Damit können wir in Kitzingen bald einen Brücken- und einen Brunnenschoppen anbieten“, frohlockt Gimperlein, der mit Kosten in Höhe von rund 300.000 bis 350.000 Euro für das Projekt rechnet.

    Vorher müssen das Erdgeschoss von „Dietz“ geräumt und die Waren verkauft sein. So hat es die Besitzerin verfügt. Und so wird es ihr Nachlassverwalter Volker Schmitt auch umsetzen. Er wird die Waren im Pop-Up-Store anbieten und nach Gimperleins Überzeugung deutlich mehr Absatz erzielen als im ehemaligen „Dietz“. „Das Ambiente hier ist einfach schöner“, betont der STMV-Vorsitzende, der fürs nächste Jahr genug Arbeit auf sich zukommen sieht.

    „2020 wird ganz im Zeichen der Vinothek stehen“, kündigt er an. Viele Gespräche will er führen, ein neues Wir-Gefühl entwickeln. An den erfolgreichen Veranstaltungen der letzten Jahre – Stadtfest, Weihnachtsmarkt und Stadtschoppen – will er mit seinem Team festhalten, neue Ideen vorerst hinten anstellen, gemäß dem Motto: erfolgreiche Veranstaltungen stärken. „Der Stadtschoppen hat uns ja gezeigt: Wenn das Angebot stimmt, dann kommen die Leute auch in die Stadt.“

    Mit dem Pop-Up-Store hofft Gimperlein auf ein weiteres zugkräftiges Angebot für Gewerbetreibende und Kunden gleichermaßen. Die ersten Reaktion sind viel versprechend. Passanten schauen während des Pressegespräches immer wieder in die Räumlichkeiten hinein und freuen sich sichtlich, dass Bewegung in die Obere Kirchgasse kommt. „Schön, dass Sie etwas für die Straße tun“, sagt eine Dame. Und Frank Gimperlein lächelt zufrieden.

    Sie haben den Laden eingerichtet – und freuen sich auf viele Besucher: Frank Gimperlein, Katrin Weber und Christine Pfanzer vom Stadtmarketingverein. Foto: Ralf Dieter

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