• aktualisiert:

    LANDKREIS KT.

    Im Weinberg: Ein Satz als Schatz

    Mitten drin in einer landwirtschaftlichen Fläche liegt der älteste Weinberg Frankens. Otmar Zang vermarktet dessen Erzeugnisse als „Alter Satz.“ Foto: Ralf Dieter

    Sie könnten eine Antwort auf den Klimawandel sein. Zumindest sind sie eine spannende Alternative zu Müller-Thurgau, Bacchus und Traminer.

    Josef Engelhart ist Rebsortenspezialist an der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim (LWG). Vor mehr als 20 Jahren hat er ein besonderes Projekt übernommen. Seither geht er der Frage nach, welche genetischen Ressourcen in den alten fränkischen Weinbergen stecken. Antworten findet er beispielsweise in Rimbach oder Zell am Ebersberg.

    Otmar Zang besitzt viele Weinbergsflächen, aber eine ist ganz besonders. In der Gemarkung Rimbach hat er Ende der 80er Jahre eine winzige Fläche von Georg Hufnagel erworben. „Ich wusste anfangs gar nicht genau, was da angebaut wurde“, erinnert sich der Sommeracher Winzer. Eines war ihm aber gleich klar: „Da ist ein außergewöhnlicher Wein gewachsen.“

    Mittlerweile ist längst bekannt: Der Weinberg bei Rimbach ist der älteste in Franken. Ein Eintrag im Kirchenbuch beweist: Die Stöcke stehen seit 1835 in der Gemarkung. Warum der Weinberg zwei Weltkriege und mehr als 180 Jahre überdauert hat? „Der Standort ist wichtig“, sagt Zang. Schwere Böden mit einem großen Lehmanteil speichern das Wasser. Ähnlich wie im Wald würden auch die Wurzeln des Weinbergs im Erdreich Informationen austauschen. „Da herrscht eine Symbiose, wie sie in jungen Anlagen gar nicht vorhanden sein kann“, erklärt Zang. Ein Jahr wie 2018 sei aus all diesen Gründen für so einen Weinberg deshalb auch keine echte Herausforderung“.

    „Das ist wie ein Orchester, das perfekt aufeinander

    abgestimmt ist.“

    Josef Engelhart über den Fränkischen Satz

    Trockene Jahre wie 2015, 2018 oder auch 2019 wird es in Zukunft immer häufiger geben. Das sagen jedenfalls die Klimaforscher voraus und prognostizieren Witterungsbedingungen, die im Mittelalter schon einmal so ähnlich vorherrschten. „Damals wurden schon spät reifende Sorten angebaut“, erklärt Engelhart. Sorten, die nicht nur resistent gegen die Hitze waren, sondern auch gegen Schädlinge wie die Kirschessigfliege. Sorten, die im so genannten „Fränkischen Satz“ gebündelt waren: Adelfränkisch, Vogelfränkisch, Muskateller, Heunisch, Kleinberger und viele mehr. Autochthone Sorten, die in der Versuchsanstalt der LWG gesammelt wurden. „Wir haben die Reben vegetativ vermehrt“, erklärt Engelhart. Aus einem geretteten Stock wurden 15 und mittlerweile 300 bis 500. Eine Interessensgemeinschaft „Alter Fränkischer Satz“ hat sich gegründet.

    70 erfahrene Winzer und Winzerinnen aus dem gesamten Anbaugebiet sind dort vertreten. Sie wissen schon jetzt: Als „Alter Fränkischer Satz“ lassen sich die alten Rebsorten gut anbauen und vermarkten. Mittlerweile ist er schon auf rund zehn Hektar Anbaufläche in Franken vertreten. „Der Fränkische Satz nach dem Vorbild der historischen gemischten Anbaumethode als Innovation mit neuen pilzwiderstandsfähigen Rebsorten braucht wenig ökologischen Pflanzenschutz“, erklärt Engelhart. „Das ist die Zukunft.“ Aber lassen sich die historischen Sorten auch einzeln anbauen?

    Fred Ruppert ist hin- und hergerissen. Sein Vater Ewald hat im Jahr 1981 einen Weinberg bei Kirchschönbach angelegt. „Nach zwölf Jahren Unterbrechung war er verwildert“, erinnert sich der Sohn. 2014 wurde der Weinberg komplett neu angelegt, ein Jahr später wurde ein „Fränkischer Satz“ angepflanzt. „Der Schwerpunkt lag auf neuen, robusten Sorten und nahezu ausgestorbenen Reben“, berichtet Fred Ruppert. Als in den trockenen und heißen Jahren 2018 und 2019 der Sonnenbrand die Beeren heimsuchte, kamen diese historischen Sorten, vor allem der Adelfränkisch super zurecht. Mit seinen dicken, ledrigen Blättern konnte er die Trauben schützen.

    „Dieses Kulturgut müssen wir bewahren.“
    Fred Ruppert über den Fränkischen Satz

    „Die Qualität ist auch super“, sagt der Bio-Winzer über den Adelfränkisch. Die Säure sei stabil, der Geschmack erinnere an ein Burgunder-Cuvée. Für einen wirtschaftlichen Betrieb ist der reinsortige Anbau von Adelfränkisch trotzdem kaum geeignet. „Der Ertrag ist viel zu niedrig.“

    Maximal 30 Hektoliter pro Hektar hat Ruppert im letzten Jahr gelesen und im Holzfass gelagert. Ein bisschen höher ist der Ertrag bei der Sorte „Grünfränkisch“. „Aber auch nicht ausreichend für einen reinsortigen Anbau“, bedauert er. Dennoch will er auf die alten Rebsorten nicht verzichten. Als Veredelung von Cuvées oder für den Fränkischen Satz seien sie bestens geeignet.

    Eine Einschätzung, die Josef Engelhart teilt. „Der Fränkische Satz ergibt sehr komplexe Weine“ freut er sich und vergleicht deren Komposition mit der Musik. „Das ist wie ein Orchester, das perfekt aufeinander abgestimmt ist.“ Die autochthonen Sorten würden jedenfalls sehr gut zu Franken passen und sollten auf jeden Fall erhalten werden. „Dieses Kulturgut müssen wir bewahren“, stimmt Fred Ruppert zu.

    „Grünfränkisch“: Alte Rebsorte im Weinberg von Fred Ruppert. Foto: Ruppert

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Anmelden