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    Volkach

    Immer lächeln: Chinesinnen arbeiten in der Volkacher Altenpflege

     Evia, Ida und Ü machen ihre praktische Altenpflege-Ausbildung im ASB-Seniorenzentrum in Volkach. Warum kommen die Asiatinnen nach Deutschland und wollen sie auch bleiben?
    Wenn Johanna Nicola, Bewohnerin des Volkacher ASB-Seniorenzentrums, vom Rollator auf den Sessel wechselt, sind Ü, Ida und Evia (von links) schnell zur Stelle, um der aus Fahr stammenden Seniorin zu helfen. Foto: Peter Pfannes

    Evia, Ida und Ü haben fast immer ein Lächeln im Gesicht. Richtig heißen die drei jungen Frauen Hiongyan Guo, Thangyu Yuan und Runa Bao. Auf den Namensschildern der angehenden Altenpflegerinnen stehen die Kurzformen, leicht zu merken und einfach auszusprechen. Seit drei Wochen absolvieren die Auszubildenden aus Fernost ihre praktische Altenpflege-Ausbildung im ASB-Seniorenzentrum in Volkach. Sie sind begeistert von ihrer neuen Arbeit und von der für sie ungewohnten Umgebung.

    Am Mittwoch wurden die drei Auszubildenden, die die Berufsfachschule für Altenpflege in Würzburg besuchen, offiziell im ASB-Seniorenzentrum in Volkach begrüßt. Beim Empfang hießen die Verantwortlichen um ASB-Vorstandsvorsitzenden Hans Werner Loew und Einrichtungsleiterin Manuela Dengel unter den Gästen auch den stellvertretenden Landrat Paul Streng und Bürgermeister Peter Kornell willkommen. 

    Auch in Asien fehlt Pflegepersonal

    Im Gespräch mit dieser Redaktion erzählt Ü aus ihrer Heimat in der Inneren Mongolei in China. Wie in Deutschland gibt es dort immer mehr alte Menschen und nur wenige ausgebildete Fachkräfte, die die Bedürftigen pflegen. Zwischen den Berufsschulen in ihrer Heimat und Deutschland bestehe eine gute Kooperation, was die Ausbildung in Deutschland ermögliche. Ein Jahr haben die 20-jährige Ü und ihre Kolleginnen zu Hause einen Deutschkurs belegt. Sie können sich gut verständigen, zur Not in englischer Sprache oder mit "Händen und Füßen".

    Die Zukunft nach der Lehre ließ Ü offen: "Vielleicht nach Hause gehen, vielleicht in Deutschland bleiben." Sie weiß, dass die Arbeit als Pflegefachkraft "große Zukunft hat". Diese sozialen Probleme gebe es verstärkt auf der ganzen Welt, so Ü. In diesem Punkt sind sich alle drei Azubis einig.

    "In Deutschland gibt es viel weniger Autos und Menschen als bei uns."
    Evia, Altenpflege-Azubis aus China

    Ida stammt ebenfalls aus der Inneren Mongolei. Die 21-Jährige ist ein Einzelkind, wie es dort in vielen Familien üblich ist - eine Folge der chinesischen Ein-Kind-Politik zur Kontrolle des Bevölkerungswachstums. Erst seit vier Jahren dürfen Familien wieder zwei Kinder bekommen. Selbstbewusst schildert Ida ihre Beweggründe, den Beruf der Altenpflegerin zu erlernen: "Viele Menschen brauchen im Alter Unterstützung und Hilfe."

    Ältere Menschen zu betreuen ist für Ida, Ü und Evia (von links) eine Herzensangelegenheit. Rosemarie Mügge und Franz Wagenhäuser, beide Bewohner des Volkacher ASB, lieben die Bewegungseinheiten mit den drei Auszubildenden aus China. Foto: Peter Pfannes

    Zu helfen ist die Motivation

    Zu helfen ist auch für Evia Motivation. Die 19-Jährige kommt aus einer chinesischen Großstadt und sieht nicht nur ihren Beruf als neue Herausforderung. Städte anschauen und shoppen gehen lassen ihr Herz höher schlagen. "In Deutschland gibt es viel weniger Autos und Menschen als bei uns zuhause", hat sie bereits die "Ruhe hier" schätzen gelernt. Wehmütig gibt sie aber auch zu: "Ein bisschen Heimweh habe ich schon."

    Langweilig ist es den drei Azubis bislang nicht geworden. Für Schwimmen und die Natur haben sie reichlich Zeit. Die fränkischen Insider-Getränke haben sie auch schon ausprobiert: Ü mag Weißwein "egal welcher", Ida liebt Rotwein und Evia schlürft am liebsten ein "Zitrone-Bier" (Radler). Untergebracht sind die drei Azubis in einer Wohnung im ASB-Haus. Beim Unterricht in Würzburg treffen sie zweimal pro Woche vier weitere Kommilitoninnen aus ihrer Heimat. Im ASB-Heim in Volkach werden zurzeit auch Nadine Pörtner-Balz (Kleinlangheim), Maray Fröhlich (Volkach) und Constanze Becker (Wiesentheid) ausgebildet.

    Bleibechance liegt bei 50:50

    "Die Ausbildung dauert drei Jahre", schildert Manuela Dengel das Projekt mit den asiatschen Azubis. Persönlich hat sie die neuen Mitarbeiterinnen am Frankfurter Flughafen abgeholt. Ihr erstes Fazit nach drei Wochen: "Die drei Mädchen bringen sehr viel Lebensfreude in unser Haus." Vor allem bei der Pflege der Demenzkranken würden die teilweise vorhandenen Sprachbarrieren keinerlei Rolle spielen. Die Chance, dass die jungen Frauen nach ihrer Ausbildung in Deutschland bleiben, sieht Dengel hoffnungsvoll, aber auch realistisch: "50:50". Bislang gibt es in China nur wenige Altenheime. Mit ihren jungen Jahren kennen Ida, Ü und Evia die Probleme dort wie hier, was ihnen das Lächeln in den Gesichtern nicht rauben kann.

    "Wir bilden aus" lautet die Devise im ASB-Seniorenzentrum in Volkach. Über das Interesse junger Auszubildender, darunter die drei jungen Frauen aus China im Hintergrund, am Beruf des Altenpflegers freuen sich auch stellvertretender Landrat Paul Streng (vorn, Zweiter von links) und Bürgermeister Peter Kornell (vorn, Dritter von links). Foto: Peter Pfannes

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