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    Iphofen

    In Iphofen wurde die letzte Fuhre eingeholt

    Nur beim Weingut Wirschung wurde Bremser ausgeschenkt. Foto: Anja Schroth

    "Die letzte Fuhre in Iphofen symbolisiert nicht nur das Ende der Weinlese und den Prozess, den der Wein jetzt braucht, um zu seiner Reife zu gelangen. Es ist auch eine gewaltfreie Feier, bei der die Leute zusammenkommen, die den Iphöfer Wein schätzen und lieben."

    Das sagte Iphofens Bürgermeister Josef Mend zur Eröffnung der "Letzten Fuhre" und griff damit die jüngsten Ereignisse in Halle auf, wo zwei Menschen bei einem Anschlag getötet worden waren. Mend gab eindrücklich zu verstehen, "dass es in Iphofen keinen Platz für radikales Denken gibt." 

    Bürgermeister Mend und Weinprinzessin Valentina die I. beim Einzug. Foto: Anja Schroth

    Iphofen feiert das Fest seit dem Jahr 2000. Auslöser war damals der Versuch rechtsradikaler Gruppen, in Iphofen Fuß zu fassen und einen Aufmarsch zu veranstalten. Diesem Ansinnen wollte man keinen Raum lassen und belebte eine untergegangene Tradition wieder, die letzte Fuhre Trauben zu feiern und zu segnen. 

    Strahlendes Wetter lockte viele auf den Iphöfer Marktplatz

    Bei strahlendem Wetter erwarteten zahlreiche Besucher aus Nah und Fern den Festzug der "Letzten Fuhre", der vom Musikzug Iphofen unter Leitung von Dieter Lenzer sowie der Trachtentanzgruppe unter Maria Lorenz unterstützt wurde. 

    Während und nach dem Einzug wurde von den teilnehmenden Weingütern Dorsch, Wintzheimer und Claußen, Muth, Wirsching, Popp, Ruck, Weigand und dem Kirchenburgmuseum Mönchsondheim fleißig Wein und Bremser ausgeschenkt, während Weinprinzessin Valentina I. die Arbeit der Winzer lobte.

    Die geistlichen Vertreter Hanjo von Wietersheim und Adam Was gaben der Letzten Fuhre ihren Segen und der Vorsitzende des Weinbauvereins, Hansi Ruck, blickte auf das Weinjahr und den "Turboherbst" mit nur drei Wochen Ernte zurück. Werner Weigand brachte es auf den Punkt: "Qualität gut, Menge wenig."

    Aber die Aussichten für den Wein 2020 stehen gut, das garantieren volle, reife und dichte Trauben. Den neuen Vorschriften nach der Pflanzenschutzmittelbenutzung, die das Tragen von Schutzanzügen vorsehen, entgegnete Ruck: "Lasst uns unsere Arbeit machen. Ganz blöd sind wir auch nicht."

    Beim Weingut Dorsch ist auch der Nachwuchs mit an Bord. Foto: Anja Schroth

    Die Weingüter zeigten sich zufrieden mit der Ernte. Andrea Wirsching berichtete von einer durchschnittlichen Ernte, aber einer tollen Weinqualität.

    Nach den Feierlichkeiten auf dem Marktplatz schloss sich das Kellerfest der Freiwilligen Feuerwehr an, das im Keller des Rathauses gefeiert wurde.

    Das Friedensgebt in der Michaelskapelle am Tag der Letzten Fuhre

    Gefeiert wird die Letzte Fuhre aber nicht nur lautstark auf dem Marktplatz, sondern auch in einer stillen, aber sehr wirkungsvollen Veranstaltung in der Michaelskapelle neben der Hauptkirche St. Veit, wie Pastoralreferent Peter Segna in einem Presseschreiben noch mitteilt. Mit dem Zwölfuhrläuten beginnt dort seit 19 Jahren das ökumenische Friedensgebet.

    Der katholische Diakon Peter Walter und der evangelische Pfarrer Hanjo von Wietersheim gestalteten in diesem Jahr eine spirituelle Feier in der vollbesetzten Kapelle unter den Eindrücken der Morde und Mordversuche bei der Synagoge in Halle am Jom-Kippur-Fest, dem Einmarsch der türkischen Armee in Nordsyrien und der vielen anderen Ereignisse, um ein christliches Zeichen der Liebe und Versöhnung zu setzen.

    Dabei beteten alle das Gebet des Franziskaners Hermann Schalück, wie es in der Mitteilung weiter heißt: „Dein Name, Herr, ist Leben, Friede, Schalom, und Salaam. Dieser Name sei genannt und gepriesen von allen. Mit allen, die diesen Namen kennen, bitten wir um Frieden für die Nahen und um Frieden für die Fernen. Um Frieden in den Herzen, Frieden in allen Zelten, Häusern und Palästen. Um Frieden zwischen den Religionen und Kulturen. Um Frieden für die Schöpfung, die seufzt. Zeige allen, wer Du in Wahrheit bist. Mache uns zu Werkzeugen Deines Friedens.“

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