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    Krautheim

    In Krautheim soll Bier aus dem Dorfbrunnen sprudeln

    An Dorfbrunnen steht oft der Hinweis "Kein Trinkwasser". In Krautheim könnte bald stehen: "Bitte selbst zapfen!" Dort entsteht ein neuer Dorfplatz – inklusive Bierbrunnen.
    Der Bierbrauer am Ortseingang von Krautheim vor der Brauerei Düll weist zwar schon unübersehbar auf die Brautradition des kleinen Ortes hin, aber Bier gibt's dort normalerweise nicht. Weiter im Ort soll aber ein neuer Dorfplatz mit Bierbrunnen entstehen. Foto: Barbara Herrmann

    Wir befinden uns im Jahr 2019 nach Christus. Die ganze Mainschleife ist von Weintrinkern besetzt. Die ganze Mainschleife? Nein! Ein von unbeugsamen Biertrinkern bevölkertes Dorf hört nicht auf, Widerstand zu leisten. Und die Krautheimer tun das auf besonders vorwitzige Art: Ihr neuer Dorfplatz soll einen Bierbrunnen bekommen. Eine Idee, die auch Asterix und Obelix gefallen könnte.

    Ein Brunnen, aus dem Bier und Wasser fließen. Und das mitten auf Krautheims (Lkr. Kitzingen) Dorfplatz. Einfach Glas mitbringen, darunter halten – und Prost! Wenn da nicht mal der Status der Mainschleife als Weinregion in Gefahr sein könnte. Doch Volkachs Tourismuschef Marco Maiberger sieht die Bedrohung für die rund 100 Weingüter als Selbstvermarkter  und vier Winzergenossenschaften gelassen. Er lacht und sagt: "Krautheim ist ein gallisches Dorf in Sachen Bier." Und das sei kein Nachteil für die Mainschleife, ganz im Gegenteil: "Die Brauerei Düll mit dem Biergarten ist ein Magnet für Gäste und viele Radler rasten dort." Ein Bierbrunnen sei doch ein "echter, zusätzlicher Anziehungspunkt".

    Sie mögen ihr Krautheimer Bier und trinken es am liebsten gemeinsam: Viele Krautheimer sind im Arbeitskreis Dorferneuerung engagiert. Darunter auch Ortssprecher Dieter Söllner (rechts) und Caroline Düll, Juniorchefin der Brauerei (Vierte von rechts, sitzend). Ein Teil des Arbeitskreises stößt auf dem Foto auf die witzige Bierbrunnen-Idee an. Foto: Barbara Herrmann

    Die Idee dafür ist im Arbeitskreis Dorferneuerung entstanden. Mit dieser befasst sich der kleine Volkacher Ortsteil bereits seit 2012. Bei einem Gang durch den Ort wird deutlich, dass eine Aufwertung dringend nötig ist. Die Straße hat viele Löcher, schöne Plätze sind Mangelware. Doch bislang lautete die Devise: abwarten und Bier trinken. Wie gut, dass die Krautheimer mit der Familienbrauerei Düll immerhin bestens versorgt sind.

    "Krautheim ist ein gallisches Dorf in Sachen Bier."
    Marco Maiberger, Volkachs Tourismuschef

    Im Frühjahr 2020 soll's nun aber endlich losgehen mit dem Ausbau der Straßen und Plätze – und dem Bau des neuen Dorfbrunnens. Ortsbeauftragter Dieter Söllner, der für die SPD im Volkacher Stadtrat sitzt, schlug zuerst vor, einen alten Braukessel aus Kupfer zum Brunnen umzubauen. Doch der ist einfach zu groß. "Dann hätten wir keinen Dorfplatz mehr." Die Idee blieb: Ein Bierbrunnen mit Bezug zu Krautheim, auf dem beispielsweise Getreide und Hopfen zu sehen sind, soll's werden.

    Inklusive Leitung von der Brauerei zum Brunnen in der Ortsmitte? Da sei der Abstand zu groß, bremst Söllner die Vorstellung von der dauerhaften Bierquelle. Vielmehr sei der Plan, ein Fass in den Brunnen zu integrieren, aus dem bei bestimmten Anlässen der Gerstensaft fließen soll. Hygienisch einwandfreies Zapfen aus dem Bierbrunnen, verspricht sich Söllner von dieser Lösung.

    Juniorchefin der Brauerei ist begeistert

    Und was sagt die Brauerei als Lieferant dazu? Juniorchefin Caroline Düll ist begeistert von der Idee: "Ich find's super." Seit 1654 gibt's die Brauerei, Caroline ist Teil der sechsten Generation von Dülls, die den Familienbetrieb führen. Alle Zutaten bis auf den Hopfen kommen aus der Gegend, höchstens 50 Kilometer weit wird das Bier ausgeliefert. Die 25-Jährige ist stolz auf die eigene Mälzerei. Und sie schwärmt vom Zusammenhalt im 200-Einwohner-Örtchen.

    Statt "Auf geht's" rufen die Fußballer "Doppelbock", liebster Treffpunkt ist der Biergarten der Brauerei. Ein solcher Ort soll ebenso der Platz rund um den Bierbrunnen werden. Auch für Weintrinker. Marco Maiberger verrät: "Der Winzer trinkt nach der Weinprobe gerne ein schönes Bier." Umso besser, wenn es direkt aus dem Dorfbrunnen sprudelt. Fürs echte gallische Fest fehlt dann nur noch das Wildschwein am Spieß.

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