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    IPHOFEN

    Interview: Mit der Gitarre den Schwanberg hinauf

    Er geht auch gerne mal ungewöhnliche Wege: Bei den Konzert-Wanderungen von Stefan Grasse können die Teilnehmer Natur und Musik mit allen Sinnen genießen. Fotos: Yvonne Zehner Foto: Yvonne Zehner

    Iphofen Vor kurzem noch hat er in großen Sälen in den USA gespielt. Jetzt zieht es Stefan Grasse hinaus in die Natur: Der Gitarrist lädt zu Konzert-Wanderungen ein, zum Beispiel am Sonntag, 13. Oktober, vom Bahnhof Iphofen zum Schwanberg. Dabei präsentiert der Nürnberger – passend zum Ambiente – Stücke aus der romantischen Musik.

    Frage: Dass bei Wanderungen in Gruppen mal ein Lied geträllert wird, kennt man. Aber was ist denn eine Konzert-Wanderung?

    Stefan Grasse: Dieses Format habe ich mir vor einigen Jahren überlegt. Ich wandere gerne und mache gern unorthodoxe Dinge Also ziehe ich mit der Gitarre vor der Brust und dem Rucksack auf dem Rücken los und spiele an schönen Plätzen in der Natur einige Stücke. Am Ziel gibt es dann ein Konzert, meist in einer Kirche oder einer Kapelle.

    Also keine Wanderlieder?

    Grasse: Nein, ich spiele mein Konzertprogramm: romantische Musik aus dem 19. Jahrhundert, teils auch Stücke von mir selbst. Manchmal kommt es aber auch vor, dass sich jemand ein Lied wünscht. Das spiele ich dann auch.

    Sind diese Wanderungen eine Art Kontrastprogramm zum Alltag eines Konzertgitarristen?

    Grasse: Das ist schon so. Ich komme zum Beispiel gerade aus Amerika zurück, wo ich zwei Wochen lang Konzerte gegeben habe. Da ist der Zeitplan schon extrem dicht. Aber ich möchte mir durch dieses enge Korsett nicht die Liebe zur Musik nehmen lassen. Ich wollte einen Kontrapunkt setzen. Und weil ich romantisch angehaucht bin, habe ich mir überlegt, dass ich wandern könnte. Nach zweijähriger Pause setze ich diese Tradition nun wieder fort.

    Wie oft führen Sie Konzert-Wanderungen durch?

    Grasse: In diesem Jahr gibt es vier – sternförmig rund um Nürnberg: Von Treuchtlingen nach Weißenburg, von Neustadt nach Altheim, von Velden nach Neuhaus und zum Schluss nun am 13. Oktober von Iphofen auf den Schwanberg. Die Konzerte sind öffentlich, aber nicht kommerziell.

    Sie verlangen keinen Eintritt?

    Grasse: Weder die Wanderung noch das Konzert kosten Eintritt. Wenn ich im Vorfeld mit Pfarrämtern telefoniere, weil ich in deren Kirchen auftreten möchte, sind die Leute manchmal irritiert, dass ich ein Konzert geben will, aber kein Geld dafür verlange. Aber ich finde, dass mein Beruf nicht ausschließlich aufs Geld ausgerichtet ist. In den USA wird so etwas Idealistisches übrigens mit noch viel mehr Argwohn betrachtet.

    Wenn man nichts zahlen muss, müssen die Teilnehmer sich dann wenigsten zur Wanderung anmelden?

    Grasse: Nein. Wer Lust hat, kommt einfach zum Treffpunkt und wandert mit. Und wer nur das Konzert erleben will, kann einfach um 15 Uhr in die Michaelskirche auf dem Schwanberg kommen.

    Wann starten die Wanderer?

    Grasse: Treffpunkt ist um 9.50 Uhr am Bahnhof Iphofen. Dorthin reise ich mit dem Zug an, der Umwelt zuliebe. Manchmal treffe ich schon im Zug auf Mitwanderer, andere kommen am Treffpunkt dazu. Manche kommen geplant, andere schließen sich ganz spontan an. Es ist alles freiwillig bis zur letzten Sekunde. Das schätzen die Mitwanderer. Wenn auf der Wegstrecke Einkehrmöglichkeiten sind, warne ich dort meist schon mal vor – nach dem Motto: Es kann sein, dass da plötzlich viele Leute auftauchen, aber ob sie etwas essen oder trinken wollen, weiß ich nicht. Nach dem Konzert geht es gemeinsam wieder zurück zum Ausgangspunkt.

    Also alles ganz locker?

    Grasse: Ja, denn es geht mir darum, einfach mal einen Gang zurückzuschalten, alles mal in Langsamkeit anzugehen, etwas Schönes in der Heimat zu erleben. Wir verbringen einfach eine tolle Zeit miteinander und das gefällt den Leuten.

    Wandern Sie nur im Raum Nürnberg, also rund um Ihre Heimat?

    Grasse: Ich war auch schon mal mit einer befreundeten Musikerin in den Alpen unterwegs, 2014, im Salzburger Land. Das war wunderbar. Die Bevölkerung ist zu den Kirchen und auf die Almhütten gekommen, um die Konzerte mitzuerleben. Ich habe mir auch schon mal überlegt, eine längere Konzert-Wandertour zu machen.

    Aber jetzt ist erst mal Iphofen an der Reihe. Warum haben Sie die Stadt und den Schwanberg ausgesucht?

    Grasse: Ich war als Kind und Jugendlicher oft auf dem Schwanberg beim Zeltlager. Mein Großvater Balther Dyroff war der Communität Casteller Ring eng verbunden. Mir gefällt es dort und ich wollte wieder mal durch die Weinberge, über den Keltenwall und den Birkensee entlang wandern, die Landschaft und den Ausblick genießen. Außerdem ist Iphofen malerisch und die Stadtgeschichte interessant. Ich freue mich sehr darauf, wieder mal dorthin zu kommen.

    Konzertwanderung auf den Schwanberg

    Was: Stefan Grasse (Gitarre) lädt ein zur Konzert-Wanderung am Sonntag, 13. Oktober, und zum anschließenden Konzert in der Michaelskirche auf dem Schwanberg.

    Die Wanderung: Start ist um 9.50 Uhr am Bahnhof Iphofen. Die Wanderung führt über die Weinberge, die kleine Grotte, den Birkensee und den Keltenwall zum Schwanberg. Dort findet eine Führung durch den Schlosspark und zur Geschichte der Familien Castell und der Communität Casteller Ring mit Sr. Dorothea Krauß statt. An ausgewählten Orten wird Stefan Grasse Stücke aus seinem Repertoire spielen. Nach dem Konzert geht es zurück zum Bahnhof Iphofen.

    Das Konzert: Um 15 Uhr schließt sich das Konzert „La guitarra romantica" in der Michaelskirche an. Stefan Grasse spielt Chopin, Tárrega, Llobet und Mozzani.

    Info: Es ist möglich, an Wanderung und Konzert oder auch nur am Konzert alleine teilzunehmen. Beide Veranstaltungsteile sind kostenfrei, Spenden für das Konzert werden erbeten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Bei schlechtem Wetter fällt die Wanderung aus, das Konzert findet bei jeder Witterung statt. Infos unter www.stefan-grasse.de

    Mit Gitarre und Rucksack wandert Stefan Grasse durch die Natur und stimmt an schönen Aussichtspunkten Lieder an – bevorzugt romantische Musik aus dem 19. Jahrhundert sowie eigene Stücke. Foto: Yvonne Zehner

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