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    Kitzingen

    Kein Schiff wird kommen: Die Neptun fährt jetzt auf der Donau

    Die Neptun beim Anlegen in Marktbreit im Jahr 2014. Foto: Frank Weichhan

    Ostersamstag 2013. Die Tourismus-Saison in Kitzingen wird eröffnet. Mit einer neuen Attraktion: Auf dem Main schippert fortan das Fahrgastschiff Neptun zwischen Kitzingen und Ochsenfurt. Kapitän und Eigentümer Georg Popp und seine Frau erfüllten sich damit einen Traum: Jahrelang waren sie auf dem Rhein-Main-Donau-Kanal bei Nürnberg gefahren. Nun freuten sich die gebürtigen Miltenberger auf einen neuen Lebensabschnitt und das Schippern auf dem Main. 

    Das Schiff, das 1925 vom Stapel gelaufen war, 40 Meter lang ist und 250 Innenraumsitzplätze aufweist, fuhr unter der Familie Popp lange Zeit im Großraum Nürnberg/Fürth, ehe der Heimathafen nach Forchheim und schließlich nach Marktbreit verlegt wurde. Vom dortigen Alten Kranen aus ging's ab Frühjahr 2013 per Linienfahrt nach Kitzingen und Ochsenfurt, dazu kamen Rund- und Sonderfahrten. Sechs Jahre später – im Herbst 2018 – war dann Schluss: Die Eigentümer-Familie kündigte den Vertrag zum 31. März 2019 fristgerecht und zog sich aufs Altenteil zurück. 

    Begegnungsverkehr auf dem Main zwischen Kitzingen und Marktbreit. Foto: Frank Weichhan

    Damit war das Aus für die Neptun auf dem Main besiegelt. Das Schiff wurde verkauft. Laut Wikipedia-Eintrag landete die Neptun bei einer Bootsvermietung in Budapest. Dort renovierte man das in die Jahre gekommene Schiff von Grund auf. Im Mai folgte dann der Start in eine neue Saison und eine neue Zeit – diesmal auf der Donau.

    Oft nicht genügend Fahrgäste

    Während ihrer Jahre auf dem Main musste die Neptun kämpfen: Damit es sich rentiert, so hatte der Kapitän seinerzeit gegenüber dieser Redaktion vorgerechnet, "bräuchten wir 25 Gäste für jede Fahrt". So viele waren es oft nicht. Manchmal stiegen nur sieben Leute ein, was "noch nicht mal für den Sprit reichte“, sagt Helen Popp damals. Um die fehlenden Einnahmen der Leer- oder Minderfahrten auszugleichen, hätten mindestens zwei Gruppen pro Woche buchen müssen – die waren aber auch eher rar gesät.

    Damit die Kosten nicht davonlaufen, wurden schließlich sogar Fahrten gestrichen. Zudem gab es eine Mindestteilnehmerzahl von zwölf Personen – wurde die nicht erreicht, lief das Schiff erst gar nicht aus. Das wiederum sorgte nicht selten für Verdruss bei den Gästen. Interessanterweise wurde das Schiffsangebot in Marktbreit deutlich besser angenommen als in Kitzingen: 70 Prozent Marktbreit, 30 Prozent Kitzingen lautete die Aufteilung laut der Eigentümer in den ersten Jahren.

    "Fühler ausstrecken"

    Nachdem das Ende für die Neptun absehbar war, versuchte man in der Kitzinger Touristinfo nach Ersatz Ausschau zu halten. "Die Fühler ausgestreckt" habe man, betont Leiterin Vanessa Feineis. Ergebnis: Personenschifffahrt ist gerade ein eher schwieriges Geschäft, "der Markt ist sehr begrenzt". Nachfolger sind eher nicht in Sicht, gibt man sich in Kitzingen erst gar keinen Illusionen hin.

    Ein Bild aus dem Jahr 2013, als die Neptuns auf dem Main im Landkreis Kitzingen zum gewohnten Bild wurde. Foto: Ralf Weiskopf

    Eine Lösung deutet sich dennoch an: Die Ochsenfurter Nixe könnte die Lücke schließen. Vielleicht, so die Idee, könnte das Schiff ab 2020 ein regelmäßiges "Städtehopping von Ochsenfurt über Marktbreit nach Kitzingen" anbieten, so der Wunsch der Kitzinger Tourismus-Chefin. Auch ihre Marktbreiter Kollegin sieht das so: Eva Gräfin zu Castell-Rüdenhausen, Leiterin der Tourismusinfo in Marktbreit, sieht weiterhin entsprechenden Bedarf: Gerade zuletzt hätten sich wieder Nachfragen nach Main-Schifffahrten gehäuft. Gerade Gruppenfahrten seien durchaus gefragt. 

    Wie es sich anfühlt, wenn die Nixe in Marktbreit anlegt, lässt sich demnächst schon mal testweise erleben: Zur Kirchweih Anfang Oktober, so die Ankündigung von Gräfin zu Castell-Rüdenhausen, werde die Nixe Rundfahrten anbieten. Die Nixe zu Gast in Marktbreit – an das Bild könnte man sich aus Sicht der Touristik-Fachfrauen glatt gewöhnen.

    Die Neptun hat in Marktbreit angelegt. Genügend Passagiere, um gut über die Runden zu kommen, hatte die Neptun eher selten. Foto: Frank Weichhan

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