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    Kitzingen

    Kitzinger ärgert sich: Wenn das Elektro-Auto ausgeschlossen ist

    Die meisten Anwohner der Alemannenstraße und Frankenweg haben Garagen ohne Stromanschluss. Damit sind sie – wie hier Günter Zankl an seiner Garage – von der E-Mobilität nahezu ausgeschlossen. Foto: Frank Weichhan

    Günter Zankl ist dem technischen Fortschritt sehr zugeneigt. Auf seinem Garagen-Dach befindet sich eine kleine Photovoltaik-Anlage, die immerhin so viel Strom erzeugt, dass sich das Garagentor elektrisch öffnen und schließen lässt. Vergangenes Frühjahr wollte der Rentner endgültig einen Schritt in die Zukunft gehen und sich ein Elektro-Auto kaufen. Nur: Es gibt da ein handfestes Problem, das die Idee zunächst im Keim ersticken ließ. 

    Das Problem befindet sich in Sichtweite seines Wohnhauses in der Kitzinger Alemannenstraße: Dutzende von der Stadt gebaute Garagen befinden sich dort, die alle einen ziemlich entscheidenden Nachteil haben: Sie sind nicht an die Stromversorgung angeschlossen. Also dachte sich der Kitzinger: Errichte ich eben eine Lademöglichkeit auf meinem eigenen Grundstück und fahre zum Laden mit dem Auto heran.

    So weit, so schlecht. Denn vor seinem Grundstück darf der Rentner nur kurz, maximal 15 Minuten, zum Be- und Entladen parken – und auch das nur mit einer Sondergenehmigung. An mehrere Stunden, die ein Ladevorgang benötigen würde, ist gar nicht zu denken. Grund: Der betreffende Bereich ist als Fußgängerweg beschildert, das Parken deshalb ausdrücklich verboten. Das wurde bewusst so gemacht, das planerische Konzept sah statt Straße lediglich Gehwege vor, um den Verkehr aus dem Gebiet fernzuhalten.

    Was ist, wenn das Aufladen des Elektroautos - hier ein Piktogramm auf einem Parkplatz an einer Ladestation - daheim nicht möglich ist? Diese Frage stellt sich gerade in Kitzingen. Foto: Arne Dedert, dpa

    Verkehrsberuhigter Bereich?

    Doch der ehemalige Lehrer kam auf eine Idee: Würden die Straßen als verkehrsberuhigter Bereich statt als Gehwege ausgewiesen, würde das auch ein längeres Abstellen des Autos ermöglichen. "Hier muss sich doch in Zeiten von Klimakrise und Energiewende eine Lösung finden lassen", dachte sich der Rentner und wandte sich mit seinem Anliegen an die Stadtverwaltung. Für die nicht wenigen Anwohner des Frankenweges und Teile der Alemannenstraße würde sich doch wohl eine Lösung finden lassen.

    Fand sich aber nicht. Die Stadt Kitzingen stellte in ihrem Antwortschreiben klar: Um sein mögliches Elektroauto mehrere Stunden vor dem Haus in  der Alemannenstraße 84 abzustellen, braucht es "eine Sondernutzung, welche der Erlaubnis der Gemeinde bedarf". Dann folgt der entscheidende Satz: "Eine solche Erlaubnis können wir Ihnen leider nicht in Aussicht stellen." Nicht zuletzt deshalb, weil dadurch "ein Präzedenzfall geschaffen" würde, den die Stadt unbedingt vermeiden will.

    Pressesprecherin Claudia Biebl betont auf Nachfrage dieser Zeitung, dass die Stadt aufpassen muss, "dass wir Lösungen schaffen, die in der gesamten Stadt Anwendung finden können und nicht Einzellösungen für jeden Straßenzug schaffen". 

    Ladestationen keine Option

    Das Nein aus dem Rathaus fiel auch aus inhaltlichen Gründen deutlich aus: "Eine bevorzugte Behandlung im Rahmen des Straßen- und Wegerechts resultiert aus der Umweltfreundlichkeit eines Elektro-Autos nicht." Dann folgt noch der Hinweis auf die öffentlich zugänglichen Ladestationen in der Stadt, beispielsweise am Alten Krankenhaus, im Schwalbenhof, in der Alten Burgstraße und vor dem Landratsamt (siehe Grafik). Nur: Für Günter Zankl kommt genau das nicht in Frage: Was soll er irgendwo in der Stadt Stunde um Stunde zuschauen, wie sich langsam die Auto-Batterien laden? Und in der Zwischenzeit nach Hause zu laufen, ist gerade für ältere Menschen auch keine Option.

    Auch der Vorschlag, aus den Gehwegen einen verkehrsberuhigten Bereich zu machen, wurde von der Stadt weggewischt: Das ginge "wegen der Enge der Straßen nicht und würde auch nichts an der Zweckbestimmung als Straße ändern, der wiederum das Parken für den Ladevorgang widerspricht".

    Nach der Ablehnung der Stadt holte sich Günter Zankl noch bei einem Anwalt Rat – viel Hoffnung machen konnte man ihm da aber auch nicht. Immerhin aber gab es den Hinweis, dass gerade das Elektromobilitätsgesetz (EmoG) Elektrofahrzeugen durchaus Vorteile einräumt, was das Parken auf einer öffentlichen Straße und auch das Zulassen von Ausnahmen betrifft.

    Kopfschütteln und fehlendes Verständnis

    Günter Zankl hatte den Traum vom Elektro-Auto fast schon begraben – kopfschüttelnd. Durch die – aus seiner Sicht – starre Haltung der Stadt seien "die meisten Anwohner der Alemannenstraße und des Frankenwegs von der Elektro-Mobilität ausgeschlossen". Verstehen kann er das bis heute nicht. Aufgeben wollte er aber auch nicht: Der 77-Jährige holte die die Grünen ins Boot. Mit Kreisrätin Christa Büttner fand er eine Unterstützerin, nach deren Meinung es "sehr wohl möglich wäre, das genehmigte Be-und Entladen von etwa 15 Minuten auszuweiten auf zwei Stunden zum Beladen von Elektro-Autos".

    Noch länger warten wollte der Kitzinger aber auch nicht. Vor einigen Wochen tauschte er seinen Benziner gegen ein Hybrid-Auto ein, um endlich "klimafreundlich elektrisch zu fahren". Geladen wird das E-Auto mal bei der Tochter und mal in der Stadt an öffentlichen Säulen – es ist also genau die Situation eingetragen, die er vermeiden wollte. So richtig abfinden kann sich der Rentner damit weiterhin nicht: "Das kann doch keine endgültige Lösung sein!"

     

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