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    Kitzingen

    Klangerlebnis: Regensburger Domspatzen gastieren in Kitzingen

    Dirigent und Domkapellmeister Roland Büchner und seine Regensburger Domspatzen beim Konzert in St. Johannes in Kitzingen am Sonntagabend. Foto: Elisabeth Versl-Waag

    "Singen ist das Fundament zur Musik in allen Dingen." Besser kann man es nicht ausdrücken, als es Georg Philipp Telemann in diesem Zitat beschrieben hat und auf dem Programmheft zum Konzert der Regensburger Domspatzen in Kitzingen zu lesen war.

    Zum ersten Mal gastierte der weltberühmte Chor in der Kreisstadt. Den Kontakt hatte der Kitzinger Bernhard Günzel geknüpft, selbst ehemaliger Sänger der Domspatzen. 34 Buben und 22 junge Männer im Alter von elf bis 17 Jahren traten am Sonntagabend in der katholischen Pfarrkirche St. Johannes auf. Wie Domkapellmeister Roland Büchner erklärte, wird es für ihn die letzte Deutschlandtournee sein, denn der 65-jährige Kirchenmusiker geht nach 25 Jahren an der Spitze des ältesten Knabenchores der Welt in den Ruhestand.

    Die Bildung eines neuen Männerchors war eine Herausforderung

    Nach seinen Domspatzen gefragt, erzählt Büchner gerne von der Begeisterung seiner Eleven, die selbst während des Stimmbruchs regelmäßig zu den Stimmübungen kommen. Die kritische Phase der Pubertät könne so bestens überbrückt werden. Erst seit Januar habe sich ein komplett neuer Männerchor, das heißt ein Chor der 17-Jährigen formiert. Das sei jedes Jahr eine Herausforderung gewesen, wenn die Abiturienten aufhören und die Jüngeren nachrücken, zieht Roland Büchner Bilanz.

    Regionalkantor Christian Stegmann (links) begrüßt am Sonntagabend die Regensburger Domspatzen mit ihrem Domkapellmeister Roland Büchner in St. Johannes in Kitzingen. Foto: Elisabeth Versl-Waag

    Ein geistliches A-Capella-Konzert mit Chorwerken aus fünf Jahrhunderten war angekündigt und die Besucher kamen in Scharen. Durch das voll besetzte Kirchenschiff zogen die Sänger und ihr Dirigent ein, um mit einem eindrucksvollen Magnificat von Alexander Utendahl (um 1530 bis 1581) zu beginnen. Zu Recht hatte Regionalkantor Christian Stegmann in seiner Begrüßung darum gebeten, zwischen den einzelnen Stücken nicht zu applaudieren. Das kurze Innehalten, die Ruhe vor dem nächsten Chorsatz wäre verloren gegangen.

    Der Auftritt der jüngsten Sänger war selbstbewusst und souverän

    Mit seinem mitreißenden Dirigat spornte der Kapellmeister seine Schüler zu höchster stimmlicher Leistung an. Selbstbewusst und souverän traten auch die jüngsten Sänger mit ihren frischen, unverbrauchten Stimmen auf. Das enorme Klangvolumen zeigte sich zum Beispiel bei Mendelssohns "Jauchzet dem Herrn alle Welt", oder auch beim "Singet dem Herrn ein neues Lied" von Heinrich Schütz. Beeindruckend erklang der laute Ruf "Eli, Eli" (György Deák-Bárdos, 1905-1991). Leicht war man versucht, doch zwischendurch zu klatschen.

    Dirigent und Domkapellmeister Roland Büchner und seine Regensburger Domspatzen beim Konzert in St. Johannes in Kitzingen am Sonntagabend. Foto: Elisabeth Versl-Waag

    Ein viertelstündiges Intermezzo an der Orgel, eine symphonische Paraphrase über den Choral "Wer nur den lieben Gott lässt walten" gab Regionalkantor Christian Stegmann. Gewaltig und variationsreich.

    Wunderbar reine Solo-Sopranstimmen hörten die Konzertbesucher bei Jürgen Essels (geb. 1961) Magnificat und Fritz Schieris (1922-2009) "Horche auf, o Himmel". Innig und hingebungsvoll sangen die Domspatzen das "Locus iste" und "Ave Maria" von Anton Bruckner (1824-1896).

    Das Klangerlebnis dauerte eineinhalb Stunden

    Für den begeisterten Applaus hatten die Sänger eine Zugabe parat: "Guten Abend, gut Nacht" aus Johannes Brahms' "Wiegenlieder". Wie könnte man nach diesen eineinhalb Stunden reinsten Klangerlebnisses schöner verabschiedet werden.

    Die Domspatzen haben weitere Spuren in Kitzingen hinterlassen: Vor dem Konzert verwigten sich Domkapellmeister Büchner und Sänger seines Chores im Goldenen Buch der Stadt.

    Auch die Chorsänger Maximilian Deml, Jakob Pfeffer und Konstantinos Sarroponos tragen sich ins Goldene Buch der Stadt Kitzingen ein. Hinten links Domkapellmeister Roland Büchner und 2. Bürgermeister Klaus Heisel, Zweiter von rechts. Foto: Elisabeth Versl-Waag

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