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    MEMLEBEN / MÜNSTERSCHWARZACH

    Kloster Memleben lebt dank der Einheit auf

    In Münsterschwarzach: Pater Franziskus Büll 2010 mit Götz Ulrich (seit 2014 Landrat Burgenlandkreis), Veronika Rudolph, Petra Wiegel und Memleben-Museumsleiterin Andrea Knopik (von links).
    In Münsterschwarzach: Pater Franziskus Büll 2010 mit Götz Ulrich (seit 2014 Landrat Burgenlandkreis), Veronika Rudolph, Petra Wiegel und Memleben-Museumsleiterin Andrea Knopik (von links). Foto: Torsten Schleicher

    Am 3. Oktober wird mit Rückblicken und gesetzten Worten 25 Jahre Deutsche Einheit gefeiert. Doch die Euphorie von damals ist verflogen, Normalität eingekehrt. Viele Projekte und Kontakte sind längst wieder eingeschlafen: In weiten Teilen auch die Partnerschaft zwischen den Landkreisen Kitzingen und Nebra.

    „1990 war das glücklichste Jahr meines Lebens“, erzählt der Kitzinger Altlandrat Rolf Bauer am Telefon. Bis 1984 war er im Amt, lebt heute in Marktbreit. Zur ersehnten Wiedervereinigung sei ein Anruf seines Nachfolgers Siegfried Naser gekommen, ob er sich vorstellen könne, im Landkreis Nebra Aufbauarbeit in Sachen Verwaltung zu leisten. „Naser wollte unbedingt einen Weinlandkreis als Partner“, erinnert sich der 84-Jährige, der schließlich einige Wochen in der Saale-Unstrut-Region bei Landrat Hans-Jörg Ulrich in Nebra gearbeitet hat, später im Innenministerium von Thüringen tätig war.

    Doch das ist Geschichte: Den Landkreis Nebra gibts nicht mehr, er gehört nun zum Burgenlandkreis, Naser ist nach seinem Aufstieg und Fall als Chef der Bayerischen Landesbank jetzt Privatier. Der frühere Landrat Hans-Jörg Ulrich ist bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt.

    Ein Projekt aus dieser Verbindung existiert aber bis heute: Das Kloster Münsterschwarzach und das Kloster Memleben sind in regelmäßigem Austausch. Im dortigen Kloster gibt es zwar schon seit der Reformation keine Benediktiner mehr, doch nach der Wende ist Memleben Schritt für Schritt wiederbelebt worden.

    Heute verfügt das „Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben“ über Dauerausstellung, Bildungseinrichtung mit Übernachtungsmöglichkeit, Klostergarten und Klosterweinberg, der 2012 mit Weißburgunder bepflanzt wurde. Im Museumsshop gibt es heimische Produkte, zum Beispiel „Memlebener Kaiserbrot“ und „Kaiser Otto Wein“.

    „Belebtes Kloster“ heißt die Veranstaltungsreihe, die Pater Franziskus Büll und Mitbrüder aus Münsterschwarzach dort mehrmals im Jahr abhalten. „Das spirituelle Angebot stößt auf großes Interesse“, erklärt Museumsleiterin Andrea Knopik. Sie freut sich auf den 24. Oktober, wenn sie mit Pater Franziskus eine spezielle Klosterführung („Spurensuche“) veranstaltet. „Es ist für die Besucher etwas ganz Anderes, wenn ein Pater die Geschichte des Klosters erläutert.“ Seit dem ersten Besuch von Pater Franziskus 1992 ist der Kontakt nie abgerissen, Treffen gibt es regelmäßig. Seit Jahren fährt eine Klasse aus Münsterschwarzach in die Kaiserpfalz. „Wir bereiten das im Unterricht gut vor“, erzählt Pater Franziskus. Die Kinder schlüpfen dort in die Rolle eines mittelalterlichen Benediktinermönchs, wählen einen Abt, verrichten handwerkliche Arbeiten oder helfen im Klostergarten.

    Umgekehrt waren Museumsleiterin Andrea Knopik, Landrat Götz Ulrich (45) und weitere Interessierte mehrfach in Münsterschwarzach. Götz Ulrich ist der Sohn des früheren Nebra-Landrats. Er hat in Erlangen Rechtswissenschaften studiert und zehn Jahre in Franken gelebt. „Doch es hat mich wieder nach Hause gezogen. Schon als Fünfjähriger wollte ich Bürgermeister werden“ erzählt der CDU-Mann, der tatsächlich Rathausschef von Bad Bibra wurde, ehe er 2014 zum Landrat des Burgenlandkreises gewählt worden ist.

    Inzwischen ist Götz Ulrich Vorsitzender der Kloster-Stiftung, im Beirat sind auch Pater Franziskus und Andrea Knopik tätig. „Was mir so gut gefällt, ist, wie Büll und seine Mitbrüder zeigen, dass Mönchsein nichts Reaktionäres aus dem Mittelalter ist, sondern etwas Modernes.“ Jährlich kommen 2500 Kinder und Jugendliche aus der Saale-Unstrut-Region ins Kloster. Aber auch die Erwachsenen seien immer dankbar und aufmerksam, wenn die Münsterschwarzacher Mönche Vorträge oder Gebetsstunden halten, Zusammenhänge erläutern, Wissen über Glauben und Spiritualität vermitteln. Pater Anselm Grün sei 2013 in Memleben fast wie ein Popstar gefeiert worden.

    Landrat Götz Ulrich verweist darauf, dass Memleben nicht irgendein Kloster ist, sondern eine Gründung der Ottonen. „Memleben ist von nationaler Bedeutung und wichtigste historische Stätte unseres Landkreises.“ Während der Herrschaft der Ottonen hat der Ort an Bedeutung gewonnen. König Heinrich I. starb 936 an seinem Lieblingsplatz, ebenso wie 973 sein berühmter Sohn, Kaiser Otto I.. Im 10. Jahrhundert stiftete Otto II. das Kloster, ließ es reich ausstatten. Die Mönche dort sollten für seine Vorfahren und ihn selbst beten. Damals stieg Memleben zu einer bedeutenden Reichsabtei auf, hatte Markt-, Münz- und Zollrecht. Die Blütezeit endete 1015, vor genau 1000 Jahren.

    Pater Franziskus ist froh, dass er helfen konnte, Memleben wieder zu beleben. „Es geht nur mit Kontinuität und viel Geduld. Auf keinen Fall darf man als Besserwessi auftreten.“ Das erlebbare Kloster liegt ihm am Herzen, „weil wir dort zeigen können, dass der Benediktinerorden die Geschicke Sachsens und Thüringens seit Jahrhunderten mitgestaltet hat.“ Wie es aussieht, kommen demnächst noch weitere Kapitel hinzu.

    Geschichtsträchtig: Im Kloster Memleben wurde vor über 1000 Jahren für Kaiser Otto I. gebetet. Aus dem Benediktinerkloster ist ein Museum geworden, das Pater Franziskus Büll und Mitbrüder aus Münsterschwarzach mehrmals im Jahr zum „erlebbaren Kloster“ machen.
    Geschichtsträchtig: Im Kloster Memleben wurde vor über 1000 Jahren für Kaiser Otto I. gebetet. Aus dem Benediktinerkloster ist ein Museum geworden, das Pater Franziskus Büll und Mitbrüder aus Münsterschwarzach mehrmals im Jahr zum „erlebbaren Kloster“ machen. Foto: Fotos (2): Stiftung KLoster Memleben
    „Belebtes Kloster“: Pater Melchior Schnaidt (links) und Pater Maximilian Grund aus Münsterschwarzach geben in Memleben bei dem Projekt „Ora et labora“ (Bete und arbeite) Einblicke ins Klosterleben.
    „Belebtes Kloster“: Pater Melchior Schnaidt (links) und Pater Maximilian Grund aus Münsterschwarzach geben in Memleben bei dem Projekt „Ora et labora“ (Bete und arbeite) Einblicke ins Klosterleben. Foto: Burgenlandkreis
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