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    Iphofen

    Kommentar: Kein Recht auf grenzenlose Wohltaten

    Die Ansprüche der Iphöfer Eltern an einen Waldkindergarten werden immer größer (Symbolbild). Foto: Norbert Vollmann

    Die Entwicklung um den geplanten Waldkindergarten in Iphofen ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein anfangs ausgewogenes Projekt an politischer Dynamik gewinnt und plötzlich außer Kontrolle gerät. Kinder aus der dauerhaft angelegten Waldgruppe sollten mit Kindern der auf steten Wechsel beruhenden Waldpädagogik unter ein Dach ziehen – das war die Ursprungsidee. Viel ist von dieser Idee nicht mehr übrig. Statt der einfachen Variante gibt es nun die Doppel- und damit die Luxuslösung: doppelter Standort, doppeltes Gebäude und damit auch doppelte Kosten.

    Weil sich die Waldgruppe gestört fühlen könnte, muss die Waldpädagogik separiert und an einen möglichst weit entfernten Standort verlegt werden. Das verstehe, wer will. Als gäbe es im normalen Kindergarten keine Unruhe, wenn Kinder aus bis zu vier Gruppen auf engstem Raum miteinander in Kontakt kommen. Man muss als Stadtrat nicht auf alles hören, was einem mutmaßliche Experten einzuflüstern versuchen – man darf auch mal auf seinen gesunden Menschenverstand hören, wie dies die Räte Schumann und Brehm fast getan hätten. Leider stimmten sie dann doch für das Projekt, obwohl sie zuvor mit klugen Argumenten dargelegt hatten, warum man es nicht tun sollte.

    Von einer „kostenneutralen Lösung“ für die Stadt spricht Bürgermeister Mend mit Blick auf die versprochenen Zuschüsse – und vergisst gerne, dass auch Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln stammen, in Iphofen zum Großteil aus Steuern des Unternehmens Knauf, dessen Mitinhaber Baldwin Knauf lange mit am Ratstisch saß und der Stadt erst neulich wieder Sparsamkeit ins politische Stammbuch schrieb. In Iphofen – das ist der Eindruck aus zwei Jahrzehnten – muss man bloß laut genug schreien, um seine Wünsche erfüllt zu bekommen. In gewissen Kreisen hat sich die vergangenen Jahre ein Anspruchsdenken etabliert, dem jedes Maß fremd geworden ist. Mancher Zugezogene glaubt offenbar, mit der Einbürgerung nach Iphofen das Recht auf grenzenlose Wohltaten gleich mit zu erwerben.

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