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    LANDKREIS KITZINGEN

    Kritik an der JU: Schlecht sitzende Anzüge, langweilige Haare

    Als „sehr gewinnend“ hat Barbara Becker die Vorsitzende der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, kennengelernt. Man müsse ihr Zeit und Vertrauen geben. Foto: B. Becker

    Es sind turbulente politische Zeiten. Die Grünen im Aufwind, die SPD im Sinkflug, die CDU/CSU mit mageren Umfragewerten und die AfD mit einer Spendenaffäre. Wie wirken sich die Entwicklungen in der großen Politik auf die Arbeit der Kitzinger Landtagsabgeordneten aus? Heute: Barbara Becker (CSU) .

    „In Sachen Gleichberechtigung ist die CSU fortschrittlicher als die Junge Union.“

    Barbara Becker, Landtagsabgeordnete

    Sie lässt sich Zeit und überlegt. Aber dann nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Seit etwas mehr als einem halben Jahr ist Barbara Becker Landtagsabgeordnete der CSU. Seither hat sie ihre Partei noch besser kennengelernt. Vieles gefällt ihr. Aber nicht alles. „Wir haben den Hype um die Grünen selbst zugelassen“, bedauert die Wiesenbronnerin. Bereits 2008 habe die CSU mit dem Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) und der Biodiversitätsstrategie die Weichen für einen nachhaltigen Umwelt- und Klimaschutz gestellt – aber nicht darüber geredet.

    „Die Finanzkrise hat damals alle in Atem gehalten“, erinnert sie und nimmt ihre Partei in die Pflicht. Noch einmal dürfe es nicht passieren, dass wichtige Aufgaben abgearbeitet werden, ohne die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Einen Wettstreit mit den Grünen um die Frage, wer die vermeintlich beste Umweltpartei ist, hält sie allerdings für sinnlos. „Den würden wir immer verlieren.“ Die Grünen hätten das Thema schließlich frühzeitig in der Öffentlichkeit besetzt. Unglaubwürdig sei die CSU in Sachen Klimaschutz deshalb keineswegs. Es sei schließlich ein urchristlicher Auftrag, die Erde zu bewahren. „Man muss kein Christ sein, um das zu verstehen.“

    Einen gewaltigen Unterschied gebe es zwischen den Grünen und der CSU. „Wir müssen gestalten“, erinnert Becker. „Und dabei möglichst alle Bürger im Blick haben.“ Junge und Alte, Familien und Kinderlose, Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die Grünen hätten es derzeit deutlich leichter. Sie sind nicht in der Verantwortung und könnten aufs Kritisieren konzentrieren. „Kompromisse sind halt immer die kompliziertere Botschaft“, weiß Becker. Und wer mit Klimaschutz und Moral kommt, der habe in diesen Tagen immer Recht. Barbara Becker hat durchaus Sympathien für die jungen Menschen, die derzeit auf die Straße gehen. Sie weiß aber auch, dass Politik einem Langstreckenlauf gleicht, dass viele Dinge zu bedenken sind, dass sich Ziele auch mal widersprechen können. Ihre Partei hält sie keinesfalls für hinterwäldlerisch. Mit dem Baukindergeld, dem Elterngeld oder dem Familiengeld habe die CSU bewiesen, dass sie zukunftsorientiert denken und handeln kann. Das liegt auch an Ministerpräsident Markus Söder, für den sie lobende Worte findet.

    „Er arbeitet sich sehr schnell in verschiedene Themen ein und trifft Entscheidungen.“ Weniger zufrieden ist sie mit der Nachwuchsorganisation der CSU, der Jungen Union.

    Mehr noch: Barbara Becker ist regelrecht unzufrieden mit vielen Nachwuchskräften in den eigenen Reihen. „In den letzten zehn Jahren hatten wir Protagonisten, die super ins Klischee einer Werte konservativen Partei passen“, sagt sie. Schlecht sitzende Anzüge, langweilige Haarschnitte – so präsentieren sich große Teile der Jungen Union. Junge Wählerschichten seien so nicht zu gewinnen. Noch dazu dominieren die Männer. „Dabei hatten wir mit Kathrin Albsteiger eine super Vorsitzende“, erinnert sie. Die sei jedoch abgesägt worden. „In Sachen Gleichberechtigung ist die CSU fortschrittlicher als die Junge Union“, ärgert sie sich. Die ursprüngliche Aufgabe einer Nachwuchsorganisation würde die Junge Union auch nicht erfüllen. Themen entdecken, auch mal gegen den Strich bürsten, unbequem sein: all das fehlt der Abgeordneten aus Wiesenbronn. Ihr Anspruch: „Wir müssen besser sein, den Finger am Puls haben.“Eine gerechte Aufteilung von Männern und Frauen in der Politik gehört für sie dazu. „Ich war schon immer Quotenfan“, sagt sie und spricht sich dafür aus, dass alle Ortsverbände künftig einen männlichen und weiblichen Vorsitz haben. Für unrealistisch hält sie das nicht, eher für notwendig. „Ich glaube, dass das kommen muss.“

    Trotz stagnierender Umfragewerte ist Barbara Becker guter Dinge, was die Zukunft ihrer Partei betrifft. Wichtig sei es, die gute Sacharbeit fortzusetzen und den Menschen in Bayern ein klares Leitbild zu geben. „Wir wollen uns an den erfolgreichsten Regionen der Welt messen“, sagt Becker und zählt als Beispiel Norwegen, Südtirol oder Singapur auf. Bei Themen wie Umwelt, Verkehr, Wasser- und Luftreinheit, Medizin und Forschung wolle Bayern zu den Besten gehören. „Das ist unser Führungsanspruch“, sagt die Abgeordnete. Umwelt und Wirtschaft müssten dabei versöhnt werden.

    Mit der Arbeit von Markus Söder ist Barbara Becker zufrieden. Dessen Vorzüge: Er arbeitet sich schnell in Themen ein und trifft Entscheidungen.

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