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    Iphofen

    Kunst: Warum Iphofen Großstädte aussticht

    Unternehmer und Galerist: Paul Schreck in seiner Galerie Max-21 in Iphofen. Foto: Schreck

    Paul Schreck ist seit 2002 Galerist in Iphofen. Schuld daran ist, neben einigen Zufällen, auch ein versoffener Grafiker.

    Frage: Unter der Woche leiten Sie ein Unternehmen für Filterelemente für Versickerungsanlagen, am Wochenende sind Sie Galerist. Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

    Paul Schreck: Ich habe beruflich in jungen Jahren den Zeichner Horst Janssen aus Hamburg kennengelernt. Er hat mich an die Kunst herangeführt. Es war bei meiner ersten Stelle. Der Chef beauftragte Janssen ein Firmenlogo, Weihnachtskarten und so weiter zu gestalten. Dieser  erstaunliche, oft versoffene Typ kam zu mir ins Labor und bat mich, Farben für ihn zu mischen. Das war der Anstoß. Ich habe angefangen, Grafiken zu sammeln – wie man das halt so macht, wenn man jung ist und wenig Geld hat. Nach und nach habe ich mich mehr mit Kunst beschäftigt, habe guckt und gesammelt.

    Matthias Verginer hat sich die Figur Firefly einfallen lassen. Foto: Egon Dejori_STORK Design
    Sie arbeiten und leben in Kreuzwertheim, Ihre Galerie Max-21 allerdings ist in der Iphöfer Altstadt. Was steckt dahinter?

    Schreck: Ein glücklicher Zufall hat uns Ende der 90er Jahre nach Iphofen geführt. Und so ist uns Iphofen eine zweite Heimat geworden.

    Glücklicher Zufall?

    Schreck: Ja, eine Anzeige in der Zeitung. Ein Haus stand in der Iphöfer Altstadt zum Verkauf.

    Damit war die Idee geboren, eine Galerie aufzumachen?

    Schreck: Nein. Die kam später. Eigentlich waren wir nur auf der Suche nach einem Platz für unser Auto und andere Sachen. Ein Nachbar erzählte uns, dass das Anwesen in der Maxstraße 21 verkauft wird. Die Räume waren ideal zur Verwirklichung einer Galerie geeignet.

    Sie stellen Werke von international bekannten und anerkannten Künstlern aus. Eine Galerie in einer Großstadt erscheint da sinnvoller. Warum haben Sie sich für das Land entschieden?

    Schreck: Zum einen hat Iphofen ein besonderes Flair, zum anderen sind die Menschen in den Großstädten von zahllosen Events überfrachtet. Ein Kunstkauf ist etwas Besonderes und braucht eine besondere Stimmung und Atmosphäre.

    In its place ist eine Skulptur, die Christian Verginer geschaffen hat. Foto: Egon Dejori_STORK Design
    Lieber ein Gemälde oder eine Skulptur? Warum?

    Schreck: Das kann man nicht generell sagen. Jedes Kunstwerk braucht seinen Platz. Bei Bildern braucht man immer eine freie Wand. Die Architektur geht zu Glas, wird offener. An welche Wand soll man da ein Bild hängen? Eine Skulptur kann man auch auf die Terrasse oder in den Garten stellen.

    Wer kommt zu Ihnen die Galerie?

    Schreck: Unsere Besucher kommen aus ganz Europa. So hatten wir vergangenes Wochenende unter anderen Gäste aus Schweden. Häufig kommen unsere Gäste aus den Ballungsräumen in Deutschland, teilweise gezielt, teilweise zufällig. Dann Faktor Iphofen darf man nicht unterschätzen.

    Wie viele Ausstellungen haben Sie schon organisiert? Welche ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben. Warum?

    Schreck: Bislang organisierten meine Frau Maria und ich seit der Galerie-Eröffnung 2002 etwa 50 Ausstellungen. Alle Ausstellungen hatten ihren eigenen Charakter. Besonders in Erinnerung ist uns die erste Ausstellung im März 2002 mit Bildern von Otto Modersohn aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts aus Iphofen und Umgebung. Modersohn war einer der Gründer der Künstlerkolonie Worpswede. Ich wusste lange nicht, dass er einen Bezug nach Iphofen hatte. Uns ist es gelungen, 15 Gemälde zu zeigen und auch welche zu verkaufen. Stolz bin ich, dass zwei Bilder in Iphofen geblieben sind.

    Das Werk Photosynthese hat Willy Verginer gestaltet. Foto: Egon Dejori_STORK Design
    Am Sonntag, 27. Oktober, eröffnet die neue Ausstellung Deberieda der Bildhauerfamilie Verginer. Was heißt das?

    Schreck: Deberieda ist ladinisch und heißt gemeinsam. Die Familie Verginer gehört zum Volksstamm der Ladiner, also zu einer einer Sprachengemeinschaft in Südtirol, und spricht in der Familie ladinisch.

    Die Verginers, ein Vater und seine Zwillingssöhne, zeigen Holzskulpturen, die so gar nichts mit grob geschnitzten Heiligenfiguren zu tun haben. Was ist das Besondere an dem Trio und ihren Arbeiten?

    Schreck: Matthias, Christian und Willy Verginer kommen schon aus der Tradition der Herrgottsschnitzerei des Grödnertals, sind jedoch über das Handwerkliche hinausgewachsen. Auch wenn alle drei zusammen in einer Werkstatt arbeiten, haben sie alle haben ihren eigenen Stil entwickelt und stellen mittlerweile in der ganzen Welt erfolgreich aus. 

    Wie der Vater so die Söhne: Die Südtiroler Bildhauer Matthias, Christian und Willy Verginer stellen in der Iphöfer Galerie Max-21 aus. Foto: Egon Dejori_STORK Design

    Die Ausstellung Deberieda ist bis Ende des Jahres in der Galerie Max-21 in Iphofen, Maxstraße 21, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung.

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