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    Kitzingen

    LZR wirbt für den Sand- und Kiesabbau im Landkreis

    Christian (links) und sein Vater Hermann Reifenscheid von der LZR GmbH, Kitzingen, veranstalteten kürzlich eine Fachtagung zum Thema Rohstoffabbau. Foto: Barbara Herrmann

    Die Lenz-Ziegler-Reifenscheid GmbH aus Kitzingen kämpft zurzeit an vielen Fronten. Im Brennpunkt steht der Abbau von Sand und Kies im Landkreis Kitzingen, der Nachbarn und Umweltschützer auf den Plan ruft. In einer Fachtagung für Kunden in Kitzingen bemühte sich LZR um fachliche Aufklärung. Jüngst hatte Geschäftsführer Hermann Reifenscheid mit seinem Sohn  Christian schon gegenüber dieser Redaktion Stellung bezogen.

    Gastgeber Hermann Reifenscheid versuchte zum Einstieg mit einem Imagefilm des Bundesverbands Mineralische Rohstoffe, Verständnis für die Brache und ein Bewusstsein für die Notwendigkeit des Rohstoffabbaus zu schaffen. Die Kernaussage des Films: Jeder Bundesbürger verbraucht rechnerisch pro Stunde ein Kilo Steine, wozu auch Sand und Kies gehören. Diese Zahl ergibt sich, wenn man die stündlich in Deutschland verwendete Gesamtmenge von Sand, Stein und Kies pro Kopf umrechnet.

    Häuser, Straßen, Brücken seien ohne Baustoffe nicht denkbar. Und Beton bestehe zu 80 Prozent aus Stein und Sand, war dem Film zu entnehmen, der prominente Beispiele für die vielseitige Verwendung lieferte: vom Sand auf dem Fußballrasen des FC Bayern über den Gleisschotter der Bahn bis hin zu Großbauprojekten, wie Stuttgart 21 oder der Elbphilharmonie in Hamburg. Die Rohstoffgewinnung sei die Basis einer Pyramide, auf der die Bauindustrie und viele andere Branchen fußten. Viele kleine und mittelständische Unternehmen würden von der Versorgung der Bauwirtschaft mit Sand und Kies abhängen. 

    Baukonjunktur braucht ständig Rohstoffe

    Wissenschaftlich untermauerte diese Aussagen ein Vortrag von Dr. Stephanie Gillhuber, Geologin vom Bayerischen Industrieverband Baustoffe, Steine und Erden e. V. "Es wird massiv gebaut", fasste sie die aktuelle Baukonjunktur in Deutschland zusammen. Und deswegen würden rund 150 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe pro Jahr in Deutschland gebraucht. Allein in Mainfranken liege der Bedarf bei etwa 4,4 Millionen Tonnen im Jahr. Würde das Material nicht in der Region abgebaut, seien stattdessen rund 163 000 Lastwagenfahrten jährlich für die Anlieferung aus der Ferne nötig. 

    "Viele sehen nur die Löcher in der Landschaft."
    Geologin Dr. Stephanie Gillhuber über den Sand- und Kiesabbau

    Die Crux aus Gillhubers Sicht: "Bayern ist steinreich –aber es drohen Versorgungsengpässe." Sand sei schon heute ein knappes Gut. Der Grund dafür liege in der starken Nutzung der Landschaft. Es gebe nur noch wenige Lagerstätten, auf denen ein Rohstoffabbau überhaupt noch möglich sei. So sei es schwierig, an entsprechende Grundstücke zu kommen, Genehmigungsverfahren dauerten lange, und oft mangele es an der Akzeptanz durch die Bürger.

    Dialog mit Bürgern und Naturschützern

    Allerdings stellte Gillhuber auch fest, dass die Rohstoffgewinnung in Deutschland gesetzlich geregelt sei, gerade weil sie "von öffentlichem Interesse" sei. Das sei beispielsweise im Landesplanungsgesetz festgeschrieben. Doch der Referentin lag wenig daran, auf die Rechtslage zu pochen: Ihr ist bewusst, dass eine Partnerschaft mit Bürgern und Naturschützern nur im Dialog möglich ist. "Viele sehen nur die Löcher in der Landschaft", zitierte sie eine häufig geäußerte Bürgermeinung. Doch nach Ansicht Gillhubers könne der Sand- und Kiesabbau der Natur viel zurückgeben. Sie erwähnte, dass LZR als einer der Vorreiter dem "Franken-Bündnis" angehöre, das sich um Artenschutz in den Lagerstätten verdient mache. Auch gebe es Kooperationen mit dem Landesbund für Vogelschutz, wie bei einem Schutzprojekt für seltene Amphibien und bedrohte Vogelarten. 

    Einen weiteren Aspekt brachte Hermann Reifenscheid in die Diskussion ein: LZR bediene nicht nur Großabnehmer, sondern auch Privatleute, die geringe Mengen Sand und Kies beziehen wollten. Sein Sohn Christian Reifenscheid ging auf die Möglichkeit ein, Rohstoffe durch Recyclingmaterial einzusparen. Der sogenannte ressourcenschonende oder auch Recycling-Beton könne tatsächlich oft verwendet werden, sei aber nicht billiger, war eine seiner Erkenntnisse. Außerdem sei damit nur ein Fünftel der benötigten Menge an mineralischen Rohstoffen zu ersetzen. Sein Fazit: "R-Beton reicht bei Weitem nicht aus." Außerdem falle in der Region um Würzburg nur wenig Recyclingmaterial an – abgesehen vom aktuellen, aber zeitlich begrenzten Abbruch der Autobahnbrücken bei Heidingsfeld. Deshalb setze LZR in Mainfranken weiterhin auf den Abbau natürlicher Rohstoffe.

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