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    Kitzingen

    Mahler mal anders

    Das Jewish Chamber Orchestra Munich (JCOM) gastierte in der Alten Synagoge Kitzingen. Foto: Jutta Schwegler

    Das Jewish Chamber Orchestra Munich (JCOM) gastierte unter seinem Dirigenten Daniel Grossmann mit einem Mahler-Programm in der Alten Synagoge Kitzingen.

    Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende des Fördervereins ehemalige Synagoge Kitzingen, Margret Löther, führte Daniel Grossmann in die Thematik des Abends ein und stellte ihn in einen größeren Zusammenhang, heißt es in einer Mitteilung. Der Jude Mahler konvertierte mit 37 Jahren zum Katholizismus, aus beiden Religionen finden sich Elemente in seiner Musik. Während des Konzertes wurden zudem immer wieder Zitate Mahlers und von Zeitgenossen eingespielt.

    Die Musiker widmeten sich den 14 Liedern und Gesängen aus der Jugendzeit Gustav Mahlers, komponiert für Klavier zwischen 1880 und 1891 und fast alle aus „Des Knaben Wunderhorn“ stammend, einer zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstandenen Volksliedsammlung. Hier bestand die Besetzung aus jeweils einer Geige, Bratsche, Klarinette, Flöte, einem Cello und einem Akkordeon, dazu kamen ein Schlagwerk und das Klavier. Diese sehr interessante Orchestrierung ermöglichte durchaus selten hörbare Effekte. So kamen im „Frühlingsmorgen“ sogar Kuhglocken zum Einsatz, um die bukolische Art des Liedes zu unterstreichen. Daniel Grossmann leitete das Ensemble mit feinen, sehr klaren, dem Solisten besonders zugewandten Gesten.

    Die Lieder fordern vom Interpreten die Wiedergabe verschiedenster Stimmungen und Ausdrucksnuancen, vom sehnsüchtig-melancholischen „Erinnerung“ zum lustig-fröhlichen „Um schlimme Kinder artig zu machen“, vom friedvollen „Ich ging mit Lust“ bis hin zum tragischen „Zu Straßburg auf der Schanz“, dem heftigen „Aus! Aus!“ oder „Scheiden und Meiden“. Ludwig Mittelhammer wurde diesen Anforderungen mehr als gerecht. Der junge Bariton wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgestattet, war Mitglied im Opernstudio Frankfurt, zuletzt Teil des Ensembles am Staatstheater Nürnberg. Vor Kurzem wagte er den Sprung in die freischaffende Tätigkeit. Sein Bariton ist gut geführt, sonor klingend in der Tiefe, obertonreich in der Mittellage und hell in der Höhe. Ein Sänger, der eine wunderbare Stimme und Technik besitzt und damit sehr umsichtig und vorsichtig umgeht, dabei auch immer seine eigene Person hinter das Werk stellt.

    Ein insgesamt sehr gelungenes Konzert mit neuen Hörerlebnissen, das die Zuhörer so begeisterte, dass sie dem Ensemble eine Zugabe entlockten, nochmals das Lied über den Narren. Wo könnte es besser aufgehoben sein als in der Stadt des Deutschen Fastnachtmuseums?

    Bearbeitet von Jutta Schwegler

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