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    Astheim

    Mahnfeuer an der Mainschleife: Stiller Protest der Bauern

    Loderndes Mahnfeuer in den Astheimer Weinbergen: Die Initiative "Land schafft Verbindung" konnte sich bei ihrem stillen Protest am Freitagabend über eine gute Resonanz freuen. Die Teilnehmer führten viele gute Gespräche. Foto: Peter Pfannes

    An Kanonenöfen wärmen sich über 100 Menschen auf dem Weinbergsweg bei Astheim auf. Es riecht nach gegrillten Bratwürsten und Glühwein. Kräftige Windböen sorgen am Freitagabend dafür, dass das Mahnfeuer der Landwirte schnell eine stolze Höhe erreicht. Zum stillen Protest hat die Initiative "Land schafft Verbindung" eingeladen. Mit Traktoren und Familien sind Bauern aus den Landkreisen Kitzingen, Schweinfurt und Würzburg gekommen. "Miteinander reden, statt übereinander" lautet das Motto der Protestaktion, die an diesem Abend deutschlandweit und neben Astheim an zahlreichen weiteren Orten in Mainfranken stattfindet.

    Beim Mahnfeuer der Initiative "Land schafft Verbindung" in den Astheimer Weinbergen servieren die Landwirte und Winzer leckere Bratwürste vom Grill. Foto: Peter Pfannes

    Auf einem Plakat tun die Landwirte ihren Ärger kund: "Uns reicht's! 8 Monate im Jahr sind wir die Giftspritzer der Nation aber 4 Monate im Jahr der Selbstbedienungsladen der Republik." Einer der Organisationen, Thomas Leipold, sagt: "Die derzeitige Situation ist für unsere Betriebe deprimierend." Der Astheimer Winzer und Obstbauer bewirtschaftet mit Frau und Sohn einen Wein- und Obstbaubetrieb im Vollerwerb. Im Gespräch nimmt er kein Blatt vor den Mund, um auf die Probleme der Landwirte aufmerksam zu machen: "Wir werden gegängelt mit immer mehr Auflagen in der Produktion." Manchmal würden Landwirte in den Medien als Giftspritzer und Insektenkiller dargestellt. "Dem widersprechen wir eindeutig", sagt Leipold. Er wende Pflanzenschutzmittel immer nach den gesetzlichen Bestimmungen und "nach fast 40 Jahren Berufserfahrung nach bestem Wissen und Gewissen" an.

    Mit diesem riesigen Plakat macht die Initiative "Land schafft Verbindung" in den Astheimer Weinbergen auf die Probleme in der Landwirtschaft aufmerksam. Foto: Peter Pfannes

    Spritzmitteleinsatz erfolgt nach strengen Vorgaben

    Eine fundierte Ausbildung, Fortbildungen und der alle drei Jahre neu zu erbringende Sachkundenachweis für Pflanzenschutz seien die Voraussetzungen für einen sorgfältigen Umgang mit der Natur. Leipolds Sohn Johannes erzählt von der jüngsten Traktorfahrt zur Großdemo in Berlin. "Es war schon ein beeindruckendes Gefühl der Solidarität", meint er. Über 500 Traktoren aus ganz Unterfranken waren im Konvoi auf der Autobahn in die Bundeshauptstadt unterwegs. "An jeder Autobahnausfahrt standen Menschen und zeigten ihre Daumen nach oben", sagt Leipold Junior. Beeindruckt war er vor allem von der Kameradschaft der Schlepperfahrer untereinander. "Das war ein super Gefühl, das ich so nicht erwartet hatte."

    Die Emotionen bei der Kundgebung in Berlin bezeichnet er als "gewaltig". Dass die Politik die Demonstranten nicht so richtig ernst genommen haben, vermutet Rückkehrer Johannes Then nach fast 1000 Kilometern auf dem Schlepper. Der Untereisenheimer war mit von der Partie in Berlin. "Die Politiker haben noch nichts geschnallt", fasst er zusammen. Sein Eindruck: "Ich habe das Gefühl, dass wir noch einmal nach Berlin fahren müssen." Kämpferisch ergänzt Johannes Leipold: "Dann sind aber Pflug, Sämaschine und Kreiselegge dabei, um das komplette Gelände vor dem Bundestag in eine Blühwiese zu verwandeln."

    Loderndes Mahnfeuer in den Astheimer Weinbergen: Die Initiative "Land schafft Verbindung" konnte sich bei ihrem stillen Protest am Freitagabend über eine gute Resonanz freuen. Die Teilnehmer führten viele gute Gespräche. Foto: Peter Pfannes

    Landrätin zeigt Verständnis für Landwirte

    Johannes Then und Johannes Leipold sind hochmotiviert. "Bei den nächsten Protestaktionen sind wir ganz sicher wieder dabei", sagen sie einhellig. "Die Landwirtschaft hat über Jahrzehnte hinweg viel Positives bei uns bewirkt", sagt die Kitzinger Landrätin Tamara Bischof. Gerade nach dem Krieg habe die Landwirtschaft das Land aufrechterhalten. Sie ist zum Mahnfeuer gekommen, um Flagge zu zeigen, "dass wir die Landwirtschaft brauchen". Ihre Teilnahme sei ein Zeichen, dass sie hinter den Landwirten stehe, um trotz vieler Veränderungen gemeinsam in die Zukunft zu blicken. Den Verbrauchern müsse bewusst sein, dass regionale Produkte ihren Preis wert sind. Nur so könnten Landwirte im Haupterwerb überleben.

    Loderndes Mahnfeuer in den Astheimer Weinbergen: Die Initiative "Land schafft Verbindung" konnte sich bei ihrem stillen Protest am Freitagabend über eine gute Resonanz freuen. Die Teilnehmer führten viele gute Gespräche. Foto: Peter Pfannes

    Am lodernden Mahnfeuer hoch über dem Maintal reden die Menschen miteinander über die Zukunft der heimischen Landwirtschaft und der Nachwuchs genießt die Bratwürste. Schließlich hatte "Land schafft Verbindung" nicht nur zum Gespräch sondern auch zu Tisch gerufen.

    Beim Mahnfeuer in den Astheimer Weinbergen ist auch der Nachwuchs der Winzer und Landwirte im Einsatz. Foto: Peter Pfannes

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