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    Marktbreit

    Marktbreit - die Perle am Main wird 200

    Überzeugungsarbeit des Magistrats gegenüber dem fürstlichen Kommissär im Wirtshaus. Foto: Robert Haaß

    Sie sind der Höhepunkt der Feiern zum 200. Jubiläum der Stadterhebung Marktbreits: Die Tage der Kirchweih an diesem Wochenende. Den Auftakt machte der Donnerstag, 3. Oktober, mit dem großen Festakt im Lagerhaus, dem sich das Theaterspiel aus der Zeit des Jahres 1819 anschloss. Wie schon die beiden ausverkauften Vorpremieren, begeisterten auch am Tag der Deutschen Einheit die Schauspieler ihr Publikum.

    Wie sich die Zeiten ändern und so manches Mal dann doch wieder ähneln: Da stehen die gutbürgerlichen Damen der Gesellschaft auf dem Marktplatz und hadern mit ihrem Schicksal. Alleine gelassen, weil die Männer sich die Nächte in Ratssitzungen um die Ohren schlagen, haben gleichzeitig Standesdünkel gegenüber der einfachen Frau, der Tratschtante, die den Platz fegt – was sie alle nicht haben: Mitspracherecht in Form eines Wahlrechts.

    Auf dem Marktbreiter Marktplatz hadern die Frauen mit ihrem Schicksal. Foto: Robert Haaß

    Da treffen sich die gestandenen Mannsbilder des Magistrats im Wirtshaus, wollen gegen die ihrer Meinung nach falschen Entscheidung, den Ort nicht zur Stadt zu erheben, ankämpfen und sind doch abhängig vom Wohle und Einsatz des fürstlichen Stadthalters, des Kommissärs, für ihr Anliegen.

    Eine Zeit der Neuordnung und eine große Enttäuschung

    Was da auf der Bühne von engagierten Laien in ihren Biedermeierkostümen leidenschaftlich dargestellt wird, eine Zeit des Umbruchs und der Neuordnung, das wird zuvor sehr wissenschaftlich vom Festredner des späten Nachmittags, Dirk Götschmann, Professor an der Uni Würzburg, in den zeitlichen Zusammenhang gestellt. Es ist eine Zeit des Wandels, die schon mit der Französischen Revolution zwanzig Jahre zuvor begonnen hatte, der Neuordnung Europas beim Wiener Kongress 1814 sich fortsetzt und ein Jahr später, als Marktbreit Bayerisch wird, noch nicht endet, da der Einfluss der Schwarzenberger Fürsten immer noch groß ist. Um möglichst viele Angelegenheiten selber regeln zu können, wollen die Marktbreiter das Stadtrecht erlangen, werden Anfang 1819 aber schwer enttäuscht - ihr Gesuch wird abgelehnt.

    "In Wahrheit war Marktbreit bereits Stadt", sagt Dirk Götschmann beim Festvortrag anlässlich des 220. Jubiläums. Foto: Robert Haaß

    Ein Irrtum, wie der Wissenschaftler feststellt, denn sowohl die Einwohnerzahl, als auch die Finanzkraft, wie auch die Einwohnerschaft erfüllen alle Voraussetzungen einer Stadt. Die dann später im Jahr doch erfolgte Stadterhebung, als Gnadenakt bezeichnet, war nichts anderes als die Korrektur eines Irrtums. Denn: "In Wahrheit war Marktbreit bereits Stadt", so Götschmann.

    Die Handelsstadt Marktbreit allerdings erlitt aufgrund der bayerischen Isolationspolitik und der technischen Entwicklungen, etwa der Eisenbahn, lange Jahre der Stagnation, ganz dunkle Zeiten  während des Nationalsozialismus, bis es nach 1945 wieder aufwärts ging. "Heute ist Marktbreit eine Stadt im Herzen Europas, der alle Wege offen stehen", so der Wissenschaftler zum Abschluss.

    Stadt steht tatsächlich im Zentrum Europas

    Und so ist Marktbreit heute "das Zentrum des Landkreises im Süden", wie Landrätin Tamara Bischof in ihren Grußwort attestierte. "Eine Perle am Main – geprägt vom Fluss, früher und heute", so der Schirmherr, Regierungspräsident Eugen Ehmann. Und die Stadt steht tatsächlich im Zentrum Europas, wie der Bürgermeister der tschechischen Partnerstadt Asch, Dalibor Blazek bestätigte, der sich nicht nur für die Aufnahme der Bewohner von Wernersreuth bedankte, sondern von einer großen Freundschaft sprach, die auch die Bürgerschaft umfasst.

    Die Feiern zum Jubiläum erreichen in Marktbreit vor allem am Sonntag einen weiteren Höhepunkt, denn da steht neben der Kirchweih und dem alljährlichen Oldtimer-Treff bei der Firma Iglhaut am Nachmittag ab 14 Uhr ein großer Festumzug durch die Stadt auf dem Programm.

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