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    Birklingen

    Mend sagt dem Biber den Kampf an

    Immer mehr dringt der Nager in die menschliche Kulturlandschaft vor. Das führt wie in Birklingen zu Konflikten. Iphofens Bürgermeister will das nicht länger hinnehmen.
    Zerstörerisches Werk: Wo ein Biber seine Zähne im Spiel hat, wie hier auf unserem Beispielbild hinter der Kleinlangheimer Wutschenmühle, bleibt nichts mehr heil.
    Zerstörerisches Werk: Wo ein Biber seine Zähne im Spiel hat, wie hier auf unserem Beispielbild hinter der Kleinlangheimer Wutschenmühle, bleibt nichts mehr heil. Foto: Barbara Herrmann

    Die Bürgerversammlung in Birklingen war gerade eröffnet, aber wer am Donnerstag ein paar Minuten später kam, hätte denken können, er sei im falschen Film. Dieser Abend klang zunächst wie eine Fachtagung für Naturkunde-Experten, und ihr Spezialgebiet lautete: Was tun gegen den Biber? Viele hatten ihre Geschichte parat, eine nette Anekdotensammlung kam da zusammen. Auch Bürgermeister Josef Mend wusste etwas beizutragen. „Ein Biber hat dem anderen das Wasser abgegraben.“ Und die 25 Leute im kleinen Bürgerraum lachten, als sie die passenden Bilder dazu sahen.

    So witzig war das alles aber gar nicht gemeint, und das machte – bei aller Heiterkeit über den possierlichen wie einfallsreichen Nager – auch Mend rasch klar. Dieses Tier schrecke „vor nichts zurück“, auch nicht vor den wertvollen Eichen im Stadtwald. Ein Foto zeigte die ganze zersetzende Kraft des Bibers: einen rundum abgenagten Stamm, der Motorsäge und damit dem Untergang geweiht. Der Biber gestalte nicht nur Landschaft, er zerstöre sie auch. Es gibt nur ein Problem: Der Stadt sind weitgehend die Hände gebunden. Der Biber steht unter Naturschutz, darf nur in Ausnahmefällen gejagt werden. „Der Landespolitik fehlt offenbar der Mut“, so Mend, „den Biber zu vertreiben.“

    Notfalls soll der Biber eben getötet werden

    Schon an anderer Stelle hatte Mend deutlich gemacht, dieses Spielchen nicht länger mitzumachen. „Es ist völlig sinnwidrig, für teures Geld Landschaften zu gestalten, und auf der anderen Seite frisst der Biber alles weg“, hatte er auf der Bürgerversammlung in Iphofen erklärt. Und dann den entscheidenden Satz nachgeschoben. „Wenn es nötig ist, muss der Biber getötet werden.“ So weit ging der Bürgermeister danach nicht mehr. Aber auch in einem Stadtteil wie Birklingen, laut Mend einer „Biber-Hochburg“, häufen sich die Probleme. So beklagte Max Röll, sein Acker sei überschwemmt worden, weil der Biber am Bach einen Damm gebaut habe. Der Wasserstau sei inzwischen beseitigt. Aber jetzt liege das ganze Baumaterial auf seiner Wiese. „Da muss der Biber nicht lange suchen, um einen neuen Damm zu bauen.“

    Stadtförster Rainer Fell stellte in der Versammlung klar, dass die Stadt bei ihrer Jagd auf den Biber nichts unternehme, was nicht mit dem Landratsamt als Naturschutzbehörde abgesprochen sei. Wolfgang Schwab gingen die Schritte der Stadt nicht weit genug. „In jeder Pfütze hier ist schon der Biber drin. Es ist richtig unbefriedigend, wie das derzeit läuft“, sagte er. Immerhin werden laut Fell Privatleute vom Staat entschädigt für alles, was der Biber anrichte, die Stadt nicht.

    Ein Täter aus den Reihen der Landwirte?

    Mend stellte in Birklingen aber noch eine andere Art von „Baumfrevel“ fest. Jemand habe Bäume auf öffentlichen Grünstreifen ohne Absprache mit der Stadt gefällt. „Das kann ich in dieser Form nicht tolerieren.“ Mend vermutet den Täter in Reihen der Landwirte und erwartet, dass er sich bei der Stadt melde. Schon beim Ausbau der Birklinger Ortsstraßen ist die Stadt auf rund 330 000 Euro sitzengeblieben. Da der Freistaat die Regelung gekippt hat, müssen keine Beiträge mehr bezahlt werden. Im kleinen Birklingen mit seinen 67 Einwohnern wären zum Teil horrende Zahlungen auf die wenigen Haushalte zugekommen. Andere Stadtteile wie Possenheim mussten die Beiträge noch entrichten.

    Dass es sich mitunter zu warten lohnt, erfuhren die Birklinger auch beim Ausbau des Breitbandnetzes. Als letzter Iphöfer Stadtteil waren sie im vergangenen Jahr von der Telekom versorgt worden, dafür mit Glasfaserkabeln bis zur Haustür und der schnellsten verfügbaren Übertragungsrate. „Das hat mir in Iphofen schon Ärger eingebracht“, sagte Mend. Benachteiligt sahen sich vor allem Bürger aus Neubaugebieten. Die Birklinger sind glücklich, endlich mal zur Avantgarde zu gehören, auch wenn mancher sein Glück noch gar nicht fassen kann. „Früher konnte man sich beim Herunterladen von Bildern locker einen Kaffee kochen“, stellte Rainer Kanzinger fest. „Aber was mache ich jetzt?“

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