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    Kitzingen

    Neuer BRK-Chef: Nach 100 Tagen angekommen

    Felix Wallström sagt nach 100 Tagen als BRK-Kreisgeschäftsführer: "Ich bin angekommen". Foto: Frank Weichhan

    Wenn neben Felix Wallström auch die Zahl 23 erst einmal im Raum steht, ist das allgemeine Erstaunen immer groß. 23 – und schon BRK-Kreisgeschäftsführer! Da reicht dann oft das eine Ausrufezeichen gar nicht aus. Wobei es auch eine andere Sicht der Dinge gibt. Man könnte nämlich eine ganz andere Rechnung aufmachen, in deren Mittelpunkt 17 Jahre Erfahrung stehen. Denn wer seit seinem sechsten Lebensjahr mit aller Leidenschaft das rote BRK-Kreuz im Herzen trägt, ist mit 23 fast schon wieder ein alter Hase.

    So ähnlich muss das auch jene Kommission gesehen haben, die im Juni 2018 unter den verbliebenen drei Bewerbern für das Amt des BRK-Kreischefs auszuwählen hatte. Der Jüngste bekam den Zuschlag – ganz sicher kein alltäglicher Vorgang. Andererseits war es eben nicht so, dass der gebürtige Schwarzacher eine Vita mit gerade einmal zweieinhalb Einträgen vorgelegt hätte. Vielmehr war der Lebenslauf mit seinen BRK-Stationen bereits pickepackevoll.  

    Schulsanitäter war er natürlich auch

    Da war der Sechsjährige, der in seiner Heimatgemeinde Schwarzach beim Jugendrotkreuz auftauchte – und nicht wieder verschwand. Endlich 14, ließ er sich zum Sanitäter ausbilden. Danach folgten die Ausbildung zum Rettungssanitäter und der Wechsel nach Volkach, wo Felix Wallström in den Rettungsdienst ging. Müßig zu erwähnen, dass er es sich in seiner Zeit am Münsterschwarzacher Egbert-Gymnasium nicht nehmen ließ, Schulsanitäter zu werden. 

    Die Wochenenden gehörten zu dieser Zeit den Schulungen: Vom Rettungsassistenten zum Rettungssanitäter, dann zum Notfallsanitäter, schließlich zum Ausbilder für Notfallsanitäter. Wenn er rückblickend davon spricht, "jede freie Minuten im Rettungswagen gefahren" zu sein, dann kann man das wörtlich nehmen. Hobby, Berufung und Beruf – bei Felix Wallström verschmolz das alles. Viel Zeit für andere Dinge bleibt da nicht, wenn das Privatleben im Zweifelsfall im Rettungswagen stattfindet. So gesehen ist es denn wohl auch eine glückliche Fügung, dass seine Freundin ihn vor acht Jahren schon genau so kennenlernte. 

    "Im Rettungsdienst wird man schneller erwachsen!"
    Felix Wallström über seine Jugendjahre 

     Dass man nicht alles am Alter festmachen kann, zeigt gerade die Arbeit im Rettungsdienst: Durch das, was man da erlebt, werde man "schneller erwachsen", blickt der Volkacher auf seine Anfangsjahre zurück. Gleichzeitig erzeugt genau das ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl. Das sei "eine fast schon familiäre Verbindung", das Teamerlebnis schweiße zusammen. Für Wallström war immer klar, dass er in diese Familie gehört - und dort seinen Weg machen würde. Spätestens mit 16 machte er sich auf diesen Weg: Ausbildung folgte auf Ausbildung, danach startete ein Studium der Betriebswirtschaftslehre, aktuell macht er seinen Master in Management.

    Der weitere Weg: In Volkach wurde er stellvertretender Bereitschaftsleiter.  Der nächste Schritt führte ihn ins Juliusspital nach Würzburg. Ehe er sich versah, war er Projektleiter und kümmerte sich um die Fusion von Juliusspital und Missionsklinik zum Klinikum Würzburg. Auch dort galt wieder: "Ich habe in kurzer Zeit ganz viel gelernt!" Eine intensive Phase, in der es nicht zuletzt vor allem darum ging, Menschen mitzunehmen. 

    Start am 1. September in Kitzingen

    Wo es im BRK-Kreisverband langgeht, bestimmt seit 1. November vergangenen Jahres Felix Wallström. Foto: Andreas Brachs

    Und dann war auch schon die Stelle in Kitzingen ausgeschrieben: Harald Erhard stieg zum BRK-Bezirksgeschäftsführer auf, in der Schmiedelstraße wurde der Stuhl des Kreisgeschäftsführers frei. Felix Wallström zögerte keinen Moment: Seinen Heimat-Kreisverband zu führen, traute er sich zu. Nachdem die Wahl auf ihn gefallen war, fand im Oktober ein Übergabe- und Einarbeitungsmonat mit seinem Vorgänger statt, am 1. November übernahm dann der 23-Jährige.

    Komisch war das im ersten Moment schon: So mancher Abteilungsleiter könnte sein Vater sein. Und natürlich wird erst einmal geguckt: Wer kommt denn da? Da taucht einer bei den Besprechungen plötzlich mit dem Tablet auf, statt mit Block und Stift. Weiß da jetzt einer alles besser? Hier kamen dem Volkacher seine Erfahrungen aus Würzburg zugute: Menschen mitzunehmen. Der neue Chef war sich im Klaren, dass bei ihm besonders genau hingeschaut wird. Was er aber aus den Jahren davor bereits kannte. "Mit Leistung überzeugen" – die Strategie ging für ihn einmal mehr auf. Jetzt, nach den berühmten 100 Tagen im Amt, sagt er: "Ich bin angekommen!"

    Große Fußstapfen des Vorgängers

    Harald Erhard, der ehemalige BRK-Kreisgeschäftsführer, führt jetzt den Bezirksverband. Foto: Elisabeth Förster

    Die nicht gerade kleinen Fußstapfen seines Vorgängers stellten dabei nie ein Problem dar: Weil er gar nicht erst hineinpassen wollte, sondern von Anfang an seinen eigenen Weg mit "eigenen Spuren" beschritt. Zumal spannende Aufgaben warten: Der neue BRK-Kindergarten in den Marshall Heights steht vor dem Start. Das große Feld der Pflege will bei einer alternden Gesellschaft mit jedem Jahr mehr beackert werden. Und weil das Ehrenamt längst kein Selbstläufer mehr ist, muss auch in diesem Bereich neu nachgedacht werden. Und dass das BRK-Haus in Kitzingen seit Jahren schon aus allen Nähten platzt, wird den neuen Chef sicher auch öfter beschäftigen. Gestalten statt nur verwalten - genau darum geht's die kommenden Jahre.

    Felix Wallström übernimmt zum einen ein gut bestelltes Haus - von Seniorenbetreuung über ambulante Pflege, Rettungsdienst, Kinderbetreuungseinrichtungen oder den Service "Essen auf Rädern". Andererseits kommt der Generationswechsel im BRK-Haus für Kitzingen vielleicht zur rechten Zeit. Ein Zeitenwechsel steht an.  Auf den neuen Kreisgeschäftsführer, Chef für 150 hauptamtliche Mitarbeiter und fast 2000 Ehrenamtliche im Kreisverband, kommen "zahlreiche Herausforderungen" zu, wie es Landrätin Tamara Bischof ausdrückte. Felix Wallström nimmt das als Ansporn: Herausforderungen sind für ihn so normal wie die erstaunten Blicke, wenn neben ihm plötzlich auch die Zahl 23 im Raum steht. 

    Das Rotkreuzhaus in der Schmiedelstraße in Kitzingen: So langsam platzt das Haus aus allen Nähten. Foto: Siegfried Sebelka

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