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    Kitzingen

    ÖDP will in Kitzingen auf die Baukosten-Bremse drücken

    Die Deusterhalle in Kitzingen ist nach Umbau und Erweiterung fertig. Der Rohbau und die auffällige Metallfassade ließen allerdings die Baukosten durch die Decke schießen. Foto: Frank Weichhan

    Preissteigerungen bei größeren Bauvorhaben sind inzwischen die Regel. Die boomende Baukonjunktur beschert den Firmen eine gute Auslastung. Die Anforderungen an die modernen Gebäude steigen. Das alles geht ins Geld. Jüngstes Beispiel: Die neue Deuster-Sporthalle kommt am Ende auf rund 7,8 Millionen Euro. Allein der Rohbau und die Metallfassade waren für hohe Überschreitungen im zweistelligen Prozentbereich verantwortlich.

    Sicher ein Extrem-Beispiel in der Stadt Kitzingen, die grundsätzlich ihre Bauprojekte "kostengünstig abwickelt", wie ÖDP-Sprecher Jens Pauluhn betonte, aber dennoch Anlass für die ÖDP, auf die Kostenbremse zu drücken. "Wir brauchen ein Instrument, um Auswüchsen entgegenwirken zu können", sagte Pauluhn. In der vergangenen Stadtratssitzung stellte seine Partei daher einen Antrag, der unter der Überschrift "Kostensicherheit bei städtischen Baumaßnahmen" stand. Die Details waren möglicherweise für manchen im Stadtrat böhmische Dörfer. Worum ging es im Kern?

    Erst 75 Prozent der Preise ermitteln

    Die ÖDP schlug vor, Arbeiten erst dann auszuschreiben, wenn für 75 Prozent der Bauleistungen sogenannte verpreiste Leistungsverzeichnisse vorliegen. Pauluhn, selbst Baufachmann, kritisierte, dass derzeit noch baubegleitend geplant werde und dass es an Transparenz fehle. Sprich: Während eines Bauverfahrens werde immer wieder nachgebessert und neu entschieden – oft unter Zeitdruck –, so dass weder die Verwaltung noch der Stadtrat angemessen reagieren könne. Das dicke Ende: Mehrkosten für die Stadtkasse.

    Würden hingegen von Anfang an die wesentlichen Preise der Bauleistungen bekannt sein, ließe sich ein Projekt insgesamt besser steuern. Dafür, klärte Pauluhn seine Ratskollegen auf, müsse man vermehrt die Architekten in die Pflicht nehmen, die laut ihrer Honorarverordnung von 2013 schon heute so handeln müssten.

    Deusterhalle war besonders teuer

    Klaus Rützel vom Bauamt hielt das für illusorisch. Jedes Bauvorhaben sei ein Unikat, und es sei nicht möglich, die Kostenansätze der Architekten 1:1 einzuhalten. Ändern könne man nur etwas "mit kleinen Stellschrauben". Er sei immer für reelle Preise, was aber bei der Deusterhalle nicht funktioniert habe. "Ich habe noch nie eine Maßnahme gehabt", gab der Sachgebietsleiter Hochbau zu, "bei der die Preise so nach oben rausgeschossen sind."

    Stadtrat und Baufachmann Thomas Rank (CSU) sah zwei Seiten: Er räumte ein, dass Architekten ehrlich bepreisen müssen, sah aber auch die Umplanungen im Stadtrat für Kostensteigerungen mitverantwortlich. "Daher müssen auch wir uns genau überlegen, was wir wollen." 

    Nach längerer Diskussion, die oft mehr Fragen aufwarf, als beantwortete, stimmte das Gremium mit 14:11 knapp gegen den Antrag der ÖDP.

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