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    KITZINGEN

    Zähe Suche nach Pfarrgemeinderäten

    Pfarrer Gerhard Spöckl (links) und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Peter Krämer werben für die Pfarrgemeinderatswahl am 25... Foto: Julia Lucia

    Zukunft gestalten – weil ich Christ bin. Das ist das Motto der katholischen Pfarrgemeinderatswahlen am 25. Februar. Ein gut gewähltes Motto, wenn es nach dem Kitzinger Pfarrer Gerhard Spöckl und dem langjährigen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Peter Krämer geht. Beiden ist klar, dass sich in naher Zukunft einiges in der Pfarreiengemeinschaft St. Hedwig und auch in den anderen Pfarreien im Landkreis tut.

    Im Norden des Landkreises gibt es seit Ende 2017 einen pastoralen Raum. St. Benedikt erstreckt sich von Stadelschwarzach über Sommerach bis Großlangheim. Wann es einen pastoralen Raum im Südwesten des Landkreises gibt, ist wohl nur noch eine Frage der Zeit und eine der Aufgaben, die auf den neuen Kitzinger Pfarrgemeinderat warten.

    Viel Strukturarbeit

    „Wir brauchen Leute, die die Zukunft gestalten“, sagt Pfarrer Spöckl. Für die neuen Pfarrgemeinderäte heißt das „viel Strukturarbeit“, für Spöckl geht es um eine große Frage: „Wie schaffen wir es, dass in der Kirche nicht die Lichter ausgehen?“

    15 Männer und Frauen können in der Pfarreiengemeinschaft St. Hedwig Ende Februar für einen gemeinsamen Pfarrgemeinderat gewählt werden. Leicht sei es nicht gewesen, die Kandidaten zu finden, erklären Krämer und Spöckl. Dreimal sei im Hedwigsbrief ein Aufruf gewesen, geholfen habe nur die persönliche Ansprache.

    Viele Kandidaten stammen aus dem aktuellen Rat. „Ich habe mir viele Abfuhren geholt“, erklärt Krämer. Sein Idealkandidat sollte Visionär sein und die Zukunft gestalten wollen. „Und das in größeren Dimensionen.“ Aber aus seiner langen Erfahrung – seit 1990 ist er dabei – weiß er, dass ein Pfarrgemeinderat auch an seine Grenzen kommt.

    Über den Tellerrand sehen

    Eine der größten Herausforderungen sieht Krämer darin, dass es gelingen muss, „das dörfliche und kirchliche Leben in den Orten aufrechtzuerhalten“. Aufgabe der neuen Räte werde es sein, positive Strukturen wie die Jugendarbeit zu erhalten und andere Bereiche etwa die Seniorenarbeit überörtlich aufzufangen.

    Kein leichtes Unterfangen, denn laut Spöckl und Krämer schauen die Pfarrgemeinden nicht gerne über den Tellerrand. Beiden ist jedoch klar: „Wenn wir aber die Kirche nach unseren Wünschen gestalten wollen, müssen wir über die Grenzen hinausschauen“, erklärt Spöckl, der zugibt, dass auch Pfarrer damit ihre Probleme hätten.

    Zähe Kandidatensuche

    Auch im Dekanat Neustadt an der Aisch, zu dem die Pfarrgemeinden Iphofen, Seinsheim und Willanzheim gehören, müssen sich die neuen Pfarrgemeinderäte mit Umstrukturierungen befassen. „Wir werden uns sicher vergrößern“, erklärt Dekan Markus Schürrer. „Die Priester fehlen und auch die Katholiken werden weniger.“ Das hat natürlich auch Auswirkungen bei der Kandidatensuche – mal ging es leichter, mal war es zäh.

    Pfarrer Spöckl findet, der Strukturwandel habe auch etwas Positives. „Es ist eine Chance für Gemeinden. Gemeinsam kann etwas bewegt werden“, sagt er. Ein Problem sei die große Erwartungshaltung. Die Gläubigen seien gewohnt, dass in jeder Gemeinde alles angeboten werde. Bis sich das ändert, werde es dauern.

    Das Leben widerspiegeln

    Dekan Peter Göttke, zuständig für den pastoralen Raum St. Benedikt, kennt diese Erwartungen. Die neuen Strukturen sind mittlerweile vorgegeben, jetzt möchte er mit den Pfarrgemeinderäten „die Gemeinden lebendig halten“.

    In jeder der elf Pfarrgemeinden wird ein eigener Pfarrgemeinderat gewählt. „Es geht ja um das Leben vor Ort“, erklärt Göttke. Aus jeder Gemeinde werde aber ein Vertreter in den Pastoralrat entsandt. Der Dekan wünscht sich für die nächsten vier Jahre viel Mut, neue Sachen auszuprobieren. „Wir sollten Formen finden, die das Leben widerspiegeln.“

    Briefwahl in vielen Pfarrgemeinden

    Helfen sollen den Hauptamtlichen dabei die neu gewählten Pfarrgemeinderäte. Nicht immer war es leicht, Kandidaten zu finden. „In manchen Orten haben wir relativ viele, in manchen wenige“, beschreibt Göttke die Kandidatenauswahl.

    Bleibt am Schluss die Frage nach der Wahlbeteiligung. Bei gerade mal durchschnittlichen 18,39 Prozent lag sie bei der Wahl 2014 in Bayern. Das Bistum Würzburg stach mit 33,5 Prozent hervor. Pfarrer Spöckl erklärt diesen Sprung mit der Briefwahl. Deswegen wird dieses Jahr in vielen Pfarrgemeinden per Post abgestimmt. Doch auch hier gilt: Nur wer – wählen dürfen alle Pfarrei-Mitglieder über 14 Jahre – sein Kreuz setzt, kann die Zukunft gestalten.

    Die Wahlzettel sind schon gedruckt. Doch wer Lust hat, sich im Pfarrgemeinderat zu engagieren, kann das tun. Wenn es eine offene Wahl ist, können auf dem Wahlzettel Namen ergänzt werden. Außerdem kann der Pfarrgemeinderat Mitglieder ernennen.

    Was sind die Aufgaben eines Pfarrgemeinderats?

    Der Pfarrgemeinderat dient dem Aufbau einer lebendigen Pfarrgemeinde und ist der Verkündigung der Botschaft, der Feier des Glaubens und dem Dienst am Nächsten verpflichtet: Er soll nicht nur den Pfarrer beraten, sondern auch pastorale Richtlinien für die Gemeindearbeit entwickeln, zur Haushaltsvorlage des Kirchenvorstandes Stellung nehmen, die Arbeit der Organisationen und Gruppen fördern, gemeinsame Aufgaben durchführen und Anliegen der Kirchengemeinde in der Öffentlichkeit vertreten. In jedem Bistum gibt es eine Satzung für die Pfarrgemeinderäte, in der die genauen Aufgaben genannt sind. Den Pfarrgemeinderäten bleibt es jedoch vorbehalten, Schwerpunkte zu setzen. Pfarrgemeinderäte gibt es seit dem II. Vatikanischem Konzil (1962-1965). Die Kirche als das von Gott berufene Volk wird geprägt durch unterschiedliche Ämter und Dienste. Alle gemeinsam sollen das Evangelium verkünden. Diese gemeinsame Verantwortung aller Christen wollte das II. Vatikanum auch institutionell zum Ausdruck bringen.
    cia

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