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    Gaibach

    Realschule Gaibach feiert 50. Geburtstag

    Die Gaibacher Schüler stehen Spalier, als die Ehrengäste an ihnen vorbei vom Schulgebäude zum Schloss gehen. Das Bild zeigt (von links) Anna Stolz, Staatssekretärin im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, ZVBL-Verbandsvorsitzender Florian Töpper, Landrätin Tamara Bischof und Schulleiter Bernhard Seißinger. Foto: Caroline Münch

    Die Feier beginnt, doch keiner steht am Rednerpult. Hier eröffnet nicht der Schulleiter den Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Franken-Landschulheimes Schloss Gaibach, sondern die Schüler. Verkleidet und bewaffnet mit Plakaten stürmen sie durch die Turnhalle und schreien „Wir wollen Klimaschutz, wir wollen mitbestimmen.“ Anknüpfen sollen diese Demonstrationen an die 1969er Revolution. In diese Zeit, in der auch die Realschule für Knaben entstand, versetzen sich die Schüler hinein. „Make love not war“ oder „Don`t worry, be hippy“ steht auf den Plakaten. Dass alle Menschen gleich sind vertreten sie auch noch heute.

    Alle sind gleich

    Besonders Schulleiter Bernhard Seißinger legt darauf wert: „Alle Schüler werden gleich behandelt, welchen Schulweg sie auch wählen. Wer weiß, vielleicht kommen wir oben alle wieder zusammen.“ Die Schüler seien das Wichtigste an der Schule, deshalb gestalten sie auch als Moderatoren, Schauspieler und Musiker den Festakt. Das Schülerblasorchester unter der Leitung von Jürgen Baumgartl begleitet den Festakt traditionell und modern. Großen Applaus bekamen die beiden Austauschschülerinnen aus China für ihre Musik.

    Zwei Austauschülerinnen aus China, Cha Rong und Yining Wang, musizieren auch. Foto: Caroline Münch

    50 Jahre Realschule und Gymnasium

    Das Besondere an der Schule in Gaibach ist, dass Schüler dort seit 50 Jahren schon den für sie geeigneten Bildungsweg zwischen Realschule und Gymnasium wählen können, erklärt der Leiter der Realschule, Dieter Jelitto: „Es ist keine Gesamtschule, aber alles mischt sich, eine räumliche Trennung findet nicht statt. Das erweitert den Horizont der Schüler und Lehrer.“ Auch der Verbandsvorsitzende des Zweckverbands Bayerischer Landschulheime, Florian Töpper, lobt die Zusammenarbeit in der Schule. Die öffentliche Realschule mit Internat in kommunaler Trägerschaft gebe es in Bayern so nur einmal. Er bezeichnet die Schule als sehr stark im ländlichen Raum mit einem ganzheitlichen Bildungsansatz.

    Festrede von Anna Stolz

    Die Festrede hält Anna Stolz, Staatssekretärin im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Sie betont, dass die Schule ein Kompass sei, der Orientierung gebe auf dem Weg vom Kindsein bis hin zum Erwachsenenalter. „Das Franken-Landschulheim bietet viele Wege in einer Hand. Es hat einen hervorragenden Ruf als Lern- und Lebensraum.“ Das Markenzeichen der Schule sei das vielfältige Bildungsangebot und das lebendige Schulleben, welches Engagement und Miteinander fördere.

    Von der Musik, dem Sport, dem Reiten, den handwerklichen Kursen, der Umwelt-AG, dem Schülercafé, den Schulsänitätern, dem Schulhund bis hin zu einer eigenen Feuerwehr ist alles geboten. „So sicher habe ich mich noch nie an einer Schule gefühlt“, sagt sie. Schüler können auch Werbebotschafter sein für sich und andere Schüler. „Im Herbst kommt eine Initiative, die ausgewählte Schüler in Sachen demokratische Werte und Miteinander ausbildet, auch nach Unterfranken.“

    Die Zukunft der Schule

    Landrätin Tamara Bischof bewundert vor allem die Vielfalt der Internatsschule, die viele Regionen vereint. Mit Blick auf die Klimaschutzdebatte freut sie sich auch über Schüler, „die mal den Mund aufmachen, damit wir Politiker wissen, was wichtig ist, für die Zukunft“. Bildung nehme im Haushalt einen großen Sektor ein „und da ist das Kultusministerium eine wichtige Stütze für uns“.

    Für das Franken-Landschulheim wird es vor allem Umstrukturierungen im Bereich Wirtschaft und Digitalisierung geben. Für naturwissenschaftliche und technische Berufe müsse mehr geworben werden. In diesem Jahr wird die Schule die Chemieräume renovieren, berichtet Bischof. „Schülerfirmen sollen sich bilden, um noch mehr Bezug zur Praxis herzustellen“.

    Seißinger stellt fest, dass die Förderung der sozialen Kompetenz eine noch größere gesellschaftliche Herausforderung darstelle als die Digitalisierung, und sogar wichtiger sei, „denn nicht die technischen Geräte sollen im Vordergrund stehen, sondern die Schüler“.

    Die Ehrengäste im Gaibacher Schloss: (von links) ZVBL-Verbandsvorsitzender Florian Töpper, Landrätin Tamara Bischof, Anna Stolz, Staatssekretärin im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Kultus, Gudrun Pflanzl, die Geschäftsleiterin des ZVBL, Anja Schardt, Rechtsreferentin des ZVBL, und Schulleiter Bernhard Seißinger. Foto: Caroline Münch
    Geschichte des Franken-Landschulheims Schloss Gaibach
    1949: Die „Oberrealschule für Knaben und Mädchen“ entsteht im Gaibacher Schloss und das Internat wird gegründet.
    1956: erster Abiturjahrgang
    1959: Das Humanistisches Gymnasium und das Realgymnasium sind entstanden.
    1963: Der Wirtschaftstrakt wird eingeweiht und das Schulhaus erweitert.
    1969: Die vierstufige Realschule für Knaben entsteht; später nimmt diese auch Mädchen auf.
    1972-74: Schulerweiterung
    1992: Das neu errichtete Schulgebäude im Süden des Schlosses wird eingeweiht.

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