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    Albertshofen

    Riesiges Gewächshaus in Kitzingen: Jungpflanzen brauchen Platz

    Die Albertshöfer Firma Jungpflanzen Gernert investiert einen Millionen-Betrag in ein Gewächshaus. Die Pflänzchen wachsen auf Steinwolle - und werden besonders bewässert.
    Gerd Gernert (links) und Achim Gernert deuten auf ihrer Baustelle auf die riesige Gewächshausfläche, auf der ab November Millionen Jungpflanzen wachsen werden. Foto: Hartmut Hess

    Wer Kitzingen Richtung Hörblach verlässt, dem sticht seit geraumer Zeit in Sichtweite der Netto-Areals ein großes Gebäude ins Auge. Dort lässt der Albertshöfer Gartenbaubetrieb Jungpflanzen Gernert eine 22 000 Quadratmeter (2,2 Hektar) großes Gewächshaus errichten, was mit einem einstelligen Millionen-Betrag die größte Investition in der bald 100-jährigen Firmengeschichte darstellt. "Qualität braucht Platz", nennt Firmenchef Gerd Gernert den Hauptgrund für das Großprojekt. In der nahen Vergangenheit konnte der renommierte Betrieb nicht mehr alle Aufträge annehmen, weil die Kapazitäten am Firmensitz nahe der Albertshöfer Lohwiese ausgeschöpft waren. 

    Wem jetzt die Diskussion um die große Salatzuchtanlage in Wiesentheid in den Sinn kommt: Das Projekt ist mit dem Neubau der Gernerts kaum vergleichbar. Zum einen unterscheiden sie sich deutlich von der Dimension her (2,2 Hektar gegenüber einer Fläche von 17 Hektar, die das Unternehmen Deliscious im Auge hatte), zum anderen wächst in dem neuen Gewächshaus der Gernerts ein ganz anderes Produkt: Jungpflanzen.

    Blick von der Staatsstraße nach Schwarzach aus: Auf Kitzinger Gemarkung errichtet die Albertshöfer Firma Jungpflanzen Gernert ein riesiges Gewächshaus mit 22 000 Quadratmeter Größe für die Jungpflanzenzucht. Foto: Hartmut Hess

    "Wir sind bei der Jungpflanzen-Produktion auf Steinwolle, Perlite oder Kokos die Nummer eins in Deutschland", sagt Juniorchef Achim Gernert. Die Albertshöfer spielen in der ersten Liga mit, sie gehören zu den Top Fünf der Gärtner-Jungpflanzen-Hersteller in unserem Land. Entsprechend ist die Dimension des neuen Gewächshauses, das aus Besitzgründen auf Kitzinger Gemarkung entsteht.

    Das Gewächshaus hat eine Grundfläche von 22 000 Quadratmetern, davon 18 000 Quadratmeter Produktionsfläche. Die Gernerts sind ein Paradebeispiel für den Strukturwandel und Spezialisierungsprozess im Gartenbau-Sektor. Der 1921 gegründete Gärtner-Betrieb stellte ein paar Jahre vor der Jahrtausendwende den Anbau von Freilandgemüse ein und stieg komplett auf die Jungpflanzenproduktion um. Seitdem entstanden immer wieder neue Gewächshäuser und Produktionslinien, um die Kundenaufträge erfüllen zu können.

    Pflanzen wachsen auf Beton und Steinwolle

    Die Jungpflanzen für Tomaten, Gurken sowie weitere Gemüse- und Salate-Sorten, sowie auch Beet- und Gruppenpflanzen gedeihen hauptsächlich auf Steinwolle, der Boden darunter ist betoniert und enthält eine Bodenheizung. Grundlegende Faktoren für die Produktqualität sind bei den Gernerts die Ebbe-Flut-Bewässerung, die Raumhöhe und die Belichtung. Bei der Ebbe-Flut-Bewässerung werden die Pflanzen nur von den Wurzeln her bewässert und bleiben oberirdisch trocken.

    Besonders in den Wintermonaten reicht das natürliche Licht bei weitem nicht aus, um qualitativ hochwertige Pflanzen herstellen zu können. Werden die Pflanzen im Winter bis zu 18 Stunden täglich belichtet, kann die Belichtungszeit im Sommer bis auf zwei Stunden reduziert werden. Die sogenannten "warmen Pflanzen", also Jungpflanzen für Gurken, Tomaten, Paprika und Aubergine machen inzwischen zwei Drittel des Umsatzes aus.

    Noch ist das 22 000 Quadratmeter große Gewächshaus mit dem Wasserbehälter im Vordergrund von Gerd Gernert (links) und Achim Gernert eine Baustelle. Noch dieses Jahr sollen im dem Millionen-Projekt die erste Jungpflanzen wachsen. Foto: Hartmut Hess

    Mit Erdgas beheizt

    Im neuen Gewächshaus kommt bei der Belichtung die LED-Technik zum Einsatz. "Damit sparen wir 45 Prozent der Energiekosten für die Belichtung", rechnet Achim Gernert hoch. Neben dem Neubau steht ein riesiger Wasserbehälter und nebenan ein angelegtes Auffangbecken für das gesamte Dachwasser des Gewächshauses. Für sie Heizung setzen die Generts voll auf Erdgas, vor allem deswegen, weil Erdgas-Heizungsanlagen wenig störanfällig sind. "Da wird man nicht mehrmals in der Nacht von Alarmen geweckt", sagt Gerd Gernert, was ihn die Erfahrung aus der Vergangenheit mit Ölheizungen gelehrt hat.  

    Die Hauptsaison erstreckt sich bei den Jungpflanzen-Profis von Mitte Februar bis Mai, in dieser Zeit verlassen täglich fünf Lastwagen-Züge die Firma in Albertshofen plus pro Woche noch 15 beauftragte Speditionslaster. Denn die Gernerts haben bislang ein Produktionsvolumen von 70 Millionen Pflanzen im Jahr. 17 Stammbeschäftigte plus weitere 22 Saisonkräfte in der Hauptsaison bewältigen die viele Arbeit. In dieser Hinsicht geht es den Gernerts nicht viel besser als vielen anderen Firmen in unserem Land: Deutsche Mitarbeiter sind kaum zu kriegen und auch mit osteuropäischen Saisonkräften wird es immer schwieriger. "Wir hatten auch schon einen Gartenbauingenieur und können gute Gehälter bezahlen", erklärt Gerd Gernert etwas ernüchtert.

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