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    Rödelsee

    Steht das Schwanbergcafé vor dem endgültigen Aus?

    Das Café am Schwanberg war über Jahre eine beliebte Anlaufstelle, nun schließt es erst einmal seine Türen. Foto: Eike Lenz

    Der Termin steht, der Countdown läuft: Am Freitag, 15. November, wird das Schwanbergcafé zum vorerst letzten Mal die Türen für Besucher öffnen. Pächterin Anne Stöcklein hat auf Anfrage, leicht gereizt, noch einmal bestätigt, dass sie an diesem geplanten Schließungstermin festhalten werde. Auf der Facebook-Seite des Cafés ist für den 23. November ein „Hausflohmarkt“ angekündigt, an dem Mobiliar, Geschirr und Dekoration verkauft werden sollen. Das Motto: Alles muss raus. Damit ist offener denn je, wie es mit dem beliebten Café am Schwanberg weitergehen wird.

    Nur vage Aussagen von Seiten des Verpächters

    Vom Verpächter, dem Geistlichen Zentrum e.V., gibt es dazu keine neuen Aussagen. Pressesprecher Philipp Sommerlath sagt auf Nachfrage dieser Redaktion einen einzigen Satz: „Wie es weitergeht, werden wir sehen.“ Die vage Auskunft stärkt den Verdacht, dass es das Geistliche Zentrum mit einer Nachfolgelösung nicht eilig hat und seinen Auftrag eher im Bildungs- und Übernachtungsangebot sieht. Bereits im September, als die ersten Nachrichten von einer drohenden Schließung des Cafés durchsickerten, hatte Sommerlath erklärt, eine „Bestandsgarantie“ könne es nicht geben. Und: An erster Stelle stünden „die Bedürfnisse der Gäste und Besucher des Geistlichen Zentrums Schwanberg“.

    Das undatierte Bild zeigt Ute Hellwig, Geschäftsführender Vorstand des Geistlichen Zentrums Schwanberg e.V. (links), und die Pächterin des Schwanbergcafés, Anne Stöcklein. Das Foto stammt vom Pressesprecher des Geistlichen Zentrums. Foto: Philipp Sommerlath

    Dabei drängen nicht nur regelmäßige Besucher des Schwanbergs auf eine Lösung. Auch die Priorin der Communität Casteller Ring (CCR), Schwester Ursula Buske, hat sich zuletzt in die Diskussion eingebracht: „Der Schwanberg ohne Café ist nicht denkbar.“ Auf Nachfrage erklärt sie, dass auch sie und ihre 30 Mitschwestern der CCR die Nachricht von der Schließung „ziemlich getroffen“ habe. Und sie räumt ein: „Wir sind im Moment ziemlich ratlos.“ Der Communität gehörten zwar das Forsthaus und die daneben liegende Biergartenwirtschaft. Aber die sei immer als „Ergänzung“ gedacht gewesen, weil das Café keinen Rasen habe. Sie sei nicht darauf ausgelegt, dort ein Café zu betreiben.

    Die Schwestern am Berg setzen auf Gespräche

    Viele Anrufe hat Schwester Ursula erhalten, seitdem klar ist, dass das Café schließt. Dabei muss sie oft erst einmal die Rollen klären: hier die Communität als benediktinische Frauengemeinschaft mit Michaelskirche, Forsthaus und Seelsorge, dort das Geistliche Zentrum mit Tagungs- und Übernachtungsräumen, Jugendhof, Freizeit- und Fortbildungsangebot und eben: dem Café. Natürlich gibt es Schnittmengen zwischen beiden Einrichtungen. Ob es die auch in der Frage nach einem Café gibt?

    „Wir setzen auf Gespräche und darauf, dass wir eine Lösung finden“, sagt Schwester Ursula. Sie sieht den Schwanberg als „zentralen, wichtigen Ort, der die Menschen anzieht“, und das Café als Anlaufpunkt, der mit guten Ideen und hoher Qualität die Besucherzahlen gesteigert habe. Naturnaher, sanfter Tourismus sei ihr und ihren Mitschwestern willkommen. Wichtig sei es aber, Räume freizuhalten, etwa von Dingen wie einer Sommerrodelbahn.

    Manches spricht dafür, dass das Café nun erst einmal für längere Zeit leer stehen wird. Denkbar wäre, dass es das Geistliche Zentrum in Kurs- oder Seminarräume umwandelt. Dies wäre dann das endgültige Aus für die Einrichtung, die von vielen Spaziergängern und Wanderern, aber auch von Besuchern und Trauergästen des nahen Friedwalds genutzt wird. Der Pressesprecher mag das auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren. Schwester Ursula sagt: „Der Schwanberg hatte immer Gastronomie.“

    Zum offiziellen Neustart von Anne Stöcklein (links im Dirndl) kamen im Mai 2012 viele Ehrengäste ins Café am Schwanberg. Foto: Ralf Weiskopf

    Zuletzt betrieb Anne Stöcklein aus Großlangheim siebeneinhalb Jahre das Café. Mit 28 Jahren, neuen Angeboten und vielen frischen Ideen war die gelernte Konditorin im Mai 2012 gestartet. „Auf eigenen Wunsch“ wolle sie nun aufhören, hieß es in einer Pressemeldung des Geistlichen Zentrums. Das bestätigt die 36-Jährige auf Nachfrage. Was danach komme, wisse sie selbst noch nicht. Viele Gäste könnten das kaum glauben, aber sie möchte sich tatsächlich überraschen lassen, was die Zukunft bringe. Voraussichtlich wolle sie sich beruflich verändern, aber konkret werde sie sich das erst im neuen Jahr überlegen.

    Der Berg kreißt und lässt die Straße abbrechen

    Unklar bleibt auch, wie es mit der maroden Kreisstraße auf den Schwanberg weitergeht. Der Ausbaubeschluss von 2017 gilt zwar weiterhin, wie Corinna Petzold als Pressesprecherin des zuständigen Landratsamts in Kitzingen bestätigt. Aber sie verweist auf das Ausbauprogramm der Kreisstraßen 2020 bis 2023, das der Kreistag im Juli dieses Jahres gebilligt hat. Darin heißt es: „Eine konkrete Aussage zu einem möglichen Baubeginn ist noch nicht möglich.“

    Das liegt an der Komplexität und den zu erwartenden Baukosten des Projekts. Fakt ist: Der Berg kreißt, und durch diese Bewegung bricht die gut 2,9 Kilometer lange Straße an den Böschungen zum Tal hin ab. Immer wieder wurde sie notdürftig geflickt, aber nun ist die zuletzt 1966 sanierte Trasse mit ihren Serpentinen und Haarnadelkurven am Ende. Da sie einzige offizielle Zufahrt auf den 474 Meter hohen Berg ist, muss sie bei laufendem Betrieb erneuert werden.

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