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    Kitzingen

    Umfrage zu Corona: Zwischen Gelassenheit und Sorge

    Das Coronavirus beherrscht nicht nur die Nachrichten. Auch für die Menschen auf der Straße ist es Thema Nummer 1. Wie beschäftigt die Krankheit die Menschen in Kitzingen?
    Atemschutzmasken sind im Moment sehr begehrt (Symbolbild).
    Atemschutzmasken sind im Moment sehr begehrt (Symbolbild). Foto: Silvia Gralla

    Das Coronavirus breitet sich immer mehr aus. Seit Mittwochmorgen ist bekannt: Auch im Landkreis Kitzingen gibt es den ersten bestätigten Fall eines Erkrankten. Machen sich die Landkreisbürger deswegen Sorgen? Treffen sie besondere Vorkehrungen? Und sind sie der Ansicht, dass von staatlicher Seite genug getan wird? Während einer Umfrage auf dem Kitzinger Marktplatz haben wir Meinungen gesammelt.

    Anja Denk
    Anja Denk Foto: Waltraud Ludwig

    Anja Denk wollte sich eigentlich nicht von der Corona-Angst anstecken lassen und Hamsterkäufe vermeiden. Aber sie hat chronisch kranke Angehörige. "Um die mache ich mir schon ein bisschen Sorgen", sagt die 51-Jährige. Vielleicht werde sie nun doch einen Vorrat für die Familie anlegen, um im Falle einer Quarantäne gerüstet zu sein, so ihre Überlegungen. Gedanken macht sich die Etwashäuserin auch über die mögliche Schließung von Schulen. "Wer kümmert sich um die Kinder, wenn die Eltern berufstätig sind?"

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    Und noch eine Sorge treibt sie um: Was passiert, wenn sich der Coronavirus unter den vielen Flüchtlingen in Griechenland und außerhalb Europas verbreitet, die in katastrophalen hygienischen Verhältnissen leben?

    Carmen Rüdinger
    Carmen Rüdinger Foto: Waltraud Ludwig

    Carmen Rüdinger lässt die Corona-Epidemie zwar nicht unberührt. Aber "Panik" schiebt sie deswegen nicht. "In der Erkältungszeit achte ich generell auf einen gewissen körperlichen Abstand und wasche mir regelmäßig gründlich die Hände", erklärt die Albertshöferin. Ansonsten verhalte sie sich "wie immer". Für problematisch hält die 53-Jährige, dass sich viele nun mit Mundschutz und Desinfektionsmitteln eindecken. Dadurch fehle die medizinische Ausrüstung in Krankenhäusern und Arztpraxen.   

    Herbert Adler
    Herbert Adler Foto: Waltraud Ludwig

    Herbert Adler findet es ebenfalls "Blödsinn", dass Toilettenpapier und andere Vorräte gehortet werden. Gleichwohl hält der Volkacher es für wichtig, dass die Politik Maßnahmen ergreift, um die Ausbreitung des Virus' einzudämmen. Seiner Meinung nach agiert Gesundheitsminister Jens Spahn viel zu zaghaft. "Er müsste eine klare Linie fahren und Großveranstaltungen generell verbieten", meint der 73-Jährige. "Wie will man es denn in den Griff kriegen, wenn sich in Fußballstadien eine große Zahl von Menschen ansteckt?", fragt er sich. "Wenn das Kind im Brunnen liegt, ist das Weh groß."

    Christiane Deppisch
    Christiane Deppisch Foto: Waltraud Ludwig

    Kritik an der staatlichen Vorsorge übt auch Christiane Deppisch aus Willanzheim. Für sie ist es unverständlich, dass es in Krankenhäusern und Arztpraxen an entsprechender Schutzausrüstung fehlt. "Man hätte sich viel früher darum kümmern müssen, so dass genug da ist", meint die 32-Jährige. Schließlich wisse man ja "nicht erst seit gestern von der Epidemie". Um sich persönlich macht sich die Willanzheimerin dagegen keine Sorgen. "Wenn es einen trifft, dann trifft es einen. Das ist wie bei der Grippe. Da steckt man nicht drin."

    Hermann Queck
    Hermann Queck Foto: Waltraud Ludwig

    Auch Hermann Queck sieht die aktuelle Situation gelassen. Der 61-Jährige ist Bürgermeister von Buchbrunn und trägt damit auch Verantwortung für seine Gemeinde. Krisengespräche hält er zum jetzigen Zeitpunkt für unnötig: "Wenn jede Ortschaft jetzt einen eigenen Krisenstab bildet, würden die Leute ihre Häuser zunageln." Aber natürlich würde er etwas unternehmen, sollten in seinem Dorf mehrere Corona-Fälle auftreten, versichert er. In diesem Fall würde er sich mit dem Landratsamt in Verbindung setzen. Der Bürgermeister vertraut darauf, dass die Behörden entsprechend gut vorbereitet sind.   

    Mit Sorge blickt dagegen Claudia Seipel auf die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus. "Das Problem ist, dass wir das Ausmaß nicht absehen können und nicht wissen, was noch auf uns zukommt", gibt die Mainstockheimerin zu bedenken. Um die Übertragungsgefahr zu verringern, verzichtet sie inzwischen aufs Händeschütteln. Dass die Epidemie Auswirkungen auf die Wirtschaft haben wird, dessen ist sich die 53-Jährige sicher. Wie schwerwiegend diese sein werden, hänge davon ab, wie lange die Epidemie dauern wird.

    Christian Breit
    Christian Breit Foto: Waltraud Ludwig

    Wenig Sorgen macht sich indessen Christian Breit. Der Iphöfer ist überzeugt, dass die Corona-Epidemie keine langfristigen Folgen für die Wirtschaft haben wird. "Wenn die Krise vorbei ist, geht alles wieder ganz normal weiter", glaubt der 39-jährige. Er sieht die Lage entspannt und vergleicht die neue Viruserkrankung mit der jährlichen Grippe: "Wenn man die grundsätzliche Hygiene einhält, muss ich mir keine Sorgen machen."

    Auch Heike Seitz steht der neuen Viruserkrankung gelassen gegenüber. "Hände waschen, Abstand halten und große Menschenmassen nach Möglichkeit meiden – mehr mache ich nicht", erklärt die 57-jährige Kitzingerin. Vielleicht, so fügt sie an, führe die Epidemie auch zu einem Nachdenken "über unser ganzes System". Denn sie zeige, dass menschliche Machbarkeit ihre Grenzen habe: "Es gibt Dinge, da ist auch der reichste Börsianer machtlos."

       

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